In Baienfurt müssen Bäume weichen

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Siegfried Kasseckert

Nicht erst seit Peter Wohllebens Bücher über das wundersame Leben der Bäume erschienen sind, sensibilisiert dieses Thema viele Menschen, vor allem wenn Bäume gefällt werden. So fallen demnächst in der Ravensburger Straße in Baienfurt etwa zehn Bäume der Kettensäge zum Opfer. Sie stehen einer Linksabbieger-Spur für die Erschließung des Neubaugebiets Altdorfer Ösch und dem dort geplanten Aldi-Markt im Wege. Doch will die Kommune in der Schussentalstraße als Ersatz neue Bäume pflanzen, wie Bürgermeister Günter A. Binder versprach.

Es handelt sich um jene Bäume, die rechts der aus Weingarten kommenden Straße am Vereinsheim vorbei bis zur Hofstelle Schweizer führt. Doch es gibt für Menschen, denen das Sterben der Bäume zu Herzen geht, auch eine gute Nachricht: Die Linde beim alten Schulhaus soll erhalten bleiben, was der Baienfurter Gemeinderat mit Mehrheit beschlossen hat. Dabei hätten Untersuchungen gezeigt, dass diese prächtige Linde vom Absterben bedroht ist, wie Ortsbaumeister Franz Josef Schiedel im Gemeinderat berichtete. Ein Entwässerungskanal für das benachbarte Baugebiet Altdorfer Ösch führe unmittelbar an der Linde vorbei und beschädige deren Wurzelwerk.

Einsatz auch für abgestorbenes Holz

Vor allem Uwe Hertrampf von der Fraktion der Grünen und Unabhängigen setzte sich dennoch für den Erhalt der Linde ein, und sei es nur als Totholz, also abgestorbenes Holz. In Zeiten des Artenschutzes sei dies besonders wichtig. Im Gegensatz dazu plädierte Werner Fürst (CDU) dafür, die Linde beim Alten Schulhaus durch einen neuen Baum zu ersetzen. Fürst, Konrektor der Achtalschule, berichtete von einem Projekt seiner Schule, die 75 neue Bäume pflanzen ließ, allerdings nicht in Deutschland, sondern in Mexiko. Auch der Bürgermeister stimmte für den Erhalt der Linde.

Andrea Arnhold (CDU) beklagte, dass im neuen Gewerbepark auf dem früheren Stora Enso-Gelände 80 Bäume gepflanzt werden sollten. So habe es die Planung vorgesehen, aber bisher sei kein einziger gepflanzt worden. „So können wir unseren Klimaschutz vergessen“, kritisierte die Gemeinderätin. Ihre Frage, warum keine Bäume gepflanzt wurden, blieb unbeantwortet.

Markungsausgleich mit Weingarten

Das Neubaugebiet Altdorfer Ösch samt Kreisverkehr und Erschließungsstraße Prozessionsweg wäre ohne einen Markungsausgleich mit der Stadt Weingarten nicht möglich. Weingarten besitzt einen allerdings kleineren Teil der Grundstücke am Prozessionsweg, insgesamt 8220 Quadratmeter. Wie mit der Stadtverwaltung Weingarten abgestimmt, bekommt die Nachbarstadt als Ausgleich eine genau so große Fläche beim Hundeübungsplatz nahe Ortliebs.

Dieser Regelung stimmte der Baienfurter Gemeinderat einhellig zu. Im Gegensatz dazu vertagte das Gremium einen weiteren Markungsausgleich, der den Sterkshof und den angrenzenden Obstgarten betrifft. Auch diese Grundstücke liegen auf Markung Weingarten. Baienfurt will als Ausgleich eine gleich große Fläche beim Köpfinger Ösch an Weingarten übergeben. Im Übrigen müssen beide Markungsausgleiche vom Regierungspräsidium genehmigt werden.

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