Hommage an einen Baienfurter Ehrenbürger

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Siegfried Kasseckert

Großer Bahnhof für Hans Sättele. Ein halbes Jahr nach dem einstimmigen Beschluss des Baienfurter Gemeinderats, dem 86-jährigen Diplomingenieur, Heimatkundler und früheren Leiter des Kreisplanungsamts die Ehrenbürgerwürde zu verleihen, ehrte seine Heimatgemeinde ihn am Freitagabend mit einem Festakt in der Gemeindehalle. Alt-Landrat Guntram Blaser nannte seinen Schulfreund Hans Sättele in einer tiefgründigen, auch humorgewürzten Laudatio einen „oberschwäbischen Vielseitigkeits-Reiter“, der mit jeder Situation zurechtgekommen sei und Haltung gezeigt habe. Man könne von ihm, auf seine Leidenschaft für die Fasnet anspielend, mit Respekt sagen: „Dr Sättele, dr Sättele, des isch a fetziges Schrättele“. „Du hast Dich um Baienfurt und die CDU verdient gemacht“, stellte Minister a.D. Rudi Köberle in seiner Rede fest.

Cononabedingt fand der Festakt vor rund 125 geladenen Gästen in der Gemeindehalle statt. Bürgermeister Günter A. Binder konnte dabei eine große Zahl prominenter Besucher begrüßen, unter ihnen den Landtagsabgeordneten August Schuler und den langjährigen Ravensburger Oberbürgermeister Hermann Vogler, der als früherer Präsident der Denkmalstiftung Baden-Württemberg Sättele eng verbunden ist. Der Baienfurter Ehrenbürger war einst auch Kreisbeauftragter für das Denkmalwesen. Und noch heute gehört er dem sogenannten Heiligen-Verein an, der sich dem Erhalt sakraler Schätze im Landkreis widmet. Auch der zweite noch lebende Ehrenbürger von insgesamt sechs, Alt-Bürgermeister Robert Wiedemann, wurde herzlich willkommen geheißen, später auch MdB Axel Müller.

Ein hoch engagierter Mann

Bürgermeister Binder würdigte vor allem Hans Sätteles riesiges Engagement im Ehrenamt. 23 Jahre lang gehörte Sättele dem Baienfurter Gemeinderat an. Auf den Gebieten Kunst, Kultur, Literatur und Heimatgeschichte habe er viele Akzente gesetzt. So trage das Kardel- und Zunftmuseum im Neunerbeck ebenso seine Handschrift wie das Baienfurter Buch. Sättele war auch der Architekt der Binninger Kapelle und sorgte für die Renovierung der Briacher Kapelle. Seit jeher sei er in der fünften Jahreszeit, der Fasnet, mit großer Leidenschat im Einsatz, genial seien seine spritzigen Verse und Reime.

Das Geschenk der Gemeinde an den Ehrenbürger: Eine vielbewunderte Collage des Baienfurter Karikaturisten Günther Sterk, die den Ehrenbürger und zahlreiche Weggefährten zeigt und die der Künstler selbst dem Publikum vorstellte.

Viele kitzlige Situationen

Guntram Blaser, obwohl gesundheitlich angeschlagen, erwies sich einmal mehr als geistreicher, hoch gebildeter, origineller Redner. Er spannte in seiner Laudatio, die eine einzige Hommage an Oberschwaben war, einen weiten Bogen von der Säkularisation, nach der die Oberschwaben als Hinterwäldler gegolten hätten und bespottet worden seien, („Wo hoch die Kanzel und tief der Verstand, da ist das schwarze Oberland“) bis in die heutige Zeit. Heutzutage aber habe bereits das Wort Oberschwaben eine magische Anziehungskraft, einen suggestiven Charme, einen unergründlichen Mythos. Blaser nannte seinen Schulfreund, der in vielen Sätteln zurechtkomme, einen „oberschwäbischen Vielseitigkeits-Reiter“. Als er als Landrat 1978 ins Amt kam, habe er schnell gemerkt, dass er mit Sättele, dem Leiter des Kreisplanungsamts, auf einer Wellenlänge liege. „Meine Steckenpferde Naturschutz, Denkmalpflege und Bauen auf dem Lande, waren auch seine Leidenschaft.“

Hans Sättele habe auch in kitzligen Situationen Mannesmut gezeigt und sei nicht eingeknickt vor Königsthronen. Zu diesem Ehrenbürger könne man der Gemeinde Baienfurt nur gratulieren. Schmerzlich vermisse man aber das Pontifikalamt mit viel Weihwasser, fügte Blaser schmunzelnd hinzu. Es war eine Rede wahrhaft barocken Formats, wie der Ehrenbürger später hervorhob, wert, publiziert zu werden.

Ein Schlitzohr

Rudi Köberle stellte fest: „Das ist ein wichtiger Tag für Baienfurt, auch ein Tag der Freude für die CDU in ganz Oberschwaben“. Schon 1959 ist Sättele in die Partei eingetreten. Unter dem Motto „Heimat ist Gabe und Aufgabe“ habe Hans Sättele sich von Jugend an für seine Heimat, für Baienfurt engagiert. Er sei ein Vorzeige-Mitglied der CDU, vieles in einem: Dichter, Praktiker, 14-Nothelfer, aber auch ein Schlitzohr.

Engelbert Knitz, langjähriger Freund Sätteles und Fraktionskollege im Gemeinderat, gab persönliche Erinnerungen zum Besten, lobte die, wie er sagte, ausgleichende Art des Ehrenbürgers, und stellte fest: „Lieber Hans, wir haben Dir viel zu verdanken“. Ein Turnerkamerad Sätteles, Erich Riedesser, gratulierte, Gitarre spielend, mit einem Lied: „Wir sagen Dankeschön…“

Eintrag ins Goldene Buch

Hans Sättele, der sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintrug, dankte allen Freunden, Weggefährten und Organisatoren der Feier. Er dankte besonders seiner Frau Rita: „Ohne die Zeit, die Du mir gelassen hast, wäre das alles nicht möglich gewesen“. Stehend spendete das Publikum minutenlang Beifall für den neuen Ehrenbürger.

Ein Schlusswort gebührt der Musik. Ein professionelles Ensemble – Maria Hummel, Carmen Jerg und Mechthild Schmidt – beglückte die Gäste mit klassischer Musik, wie man sie in dieser Qualität selten hört, schon gar nicht auf dem Lande.

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