Geschafft: Das Hoftheater ist eröffnet

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Schwäbische Zeitung
Meike Stolp

„Ich baue grundsätzlich gerne“, bekennt der Hausherr, macht eine künstlerische Pause und sagt dann mit sanftem Grinsen: „Aber jetzt nicht mehr.“ Muss er wohl auch nicht mehr. Uli Böttcher und sein Team – seine Frau Salka, Tommy Seitzinger, Annette Trümper und Anja Merz – haben es geschafft. Das Baienfurter Hoftheater ist am Freitagabend offiziell eröffnet worden – vor ausverkauftem Haus.

Stolzer Hofherr

Dass er stolz ist, sah man Uli Böttcher an. Zu Recht. Gut ein Jahr hat der Umbau der Scheune seines Vaters gedauert. Jetzt steht das Theater also in seinem Hinterhof. Und es ist nicht nur ein Ort der Aufführung geworden, sondern auch ein Ort, an dem Gäste, vorbeiziehende Spaziergänger und Radfahrer sich wohlfühlen sollen, wenn sie auf ein Bier oder eine Cola in die Gastwirtschaft einkehren. Denn neben dem Aufführungsort gibt es auch noch ein Café, eine Bar, deren goldfarbige Decke das Licht der Deckenfluter sanft zurückwirft.

Die Regalwände hinter der Bar und die Theke sind eigens aus Hamburg exportiert worden. Sie standen mal in einer alten Drogerie, worauf das Schild über der Theke auch noch hinweist. Bestuhlung und Tische sind zum Großteil ebenfalls aus Norddeutschland importiert, die Kissen in Handarbeit genäht, und die Originalsofas aus dem ehemaligen Café Kraft in Ravensburg haben im Hoftheater auch wieder einen Platz gefunden. Aber zurück zum Aufführungsort, in dem der Charme der alten Scheune erhalten geblieben ist. Vereinzelt Fachwerk, Gipsputz, an der hinteren Seite Bar und Elektronik, auf der anderen die Bühne. Und auf der traten am Freitag bereits Gäste auf, die die Besucher des Hoftheaters in den kommenden Wochen einen ganzen Abend erleben können. Den Anfang machte Zauberer Markus Zink, der ein überaus kluger und komischer Illusionist ist, der die Illusion gleichzeitig desillusioniert. Und wenn es sein muss, die Dramaturgie der Publikumsbeteiligung gleich selbst schreibt. So kamen auch der Plätzler-Chef Klaus Müller aus Weingarten und der Baienfurter Bürgermeister Robert Wiedemann zu einem kurzen Auftritt auf der Hoftheaterbühne: Sie durften den Zauberer beim Kopfstand im Aquarium halten. Das hatte fast Dschungelcamp-Charakter. Für Markus Zink war es ein Heimspiel. Er wohnt gleich nebenan.

Roland Baisch musste da schon einen längeren Weg in Kauf nehmen. Der Entertainer, Musiker, Wortvirtuose und Comedian, der schon für Harald Schmidt Gags geschrieben hat, und in diversen Fernsehshows aufgetreten ist, präsentiert am Premierenabend des Hoftheaters einen kleinen Ausschnitt seines hintergründig betitelten Programms „Der graue Star“. Er singt, er kalauert und findet sich mit dem Alter ab: „Man muss mit körperlichen Gebrechlichkeiten offensiv umgehen.“ Und dann eroberte Eckhard Grauer alias Leibssle die Theaterbretter, mit Hut auf dem Kopf und Bier in der Hand pries er das Schwabentum – mit treffenden – wenn auch nicht unbedingt richtigen - Lebensbetrachtungen und ohne dabei auf gerne genommene Klischees von Spätzle und Trollinger zurückzugreifen. Da lobte er lieber das Bier in der Hand: „Bier löscht den Durst und erhöht ihn gleichzeitig.“

Den Abschluss machte die „bekannte Band Zärtlichkeiten mit Freunden“. Die beiden sächsischen Musikkabarettisten Stefan Schramm und Christoph Walther kamen mit einem auf Baienfurt zugeschnittenen Programm. Und lobten erstmal den Saal: „Allein so ein paar Stühle in der Scheune, zack, gleich isses ein Theater.“ Zärtlichkeiten mit Freunden bewegen sich irgendwo zwischen Parodie aufs Comedy-Gewerbe und Lokal-Analyse. Inklusive Beleidigung des Publikums: „Statt dass sie mal zusammenhalten, die beiden blöden Dialekte.“ Gestört haben die Frechheiten das Publikum nicht. Im Gegenteil: Sie forderten eine Zugabe.

Saal ausverkauft, das Publikum lachte, feixte und applaudierte – für das Team des Baienfurter Hoftheaters war es ein gelungener Abend.

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