Ein Waldkindergarten für Baienfurt

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Die Euphorie, mit der Rosi Reber das freie, kreative Leben im Wald und in der Natur schilderte, sprang auf die Gemeinderäte übe
Die Euphorie, mit der Rosi Reber das freie, kreative Leben im Wald und in der Natur schilderte, sprang auf die Gemeinderäte über. (Foto: Symbol: Carsten Rehder/dpa)
Siegfried Kasseckert

In Baienfurt wird es schon bald einen Waldkindergarten geben. Der Vorschlag der Gemeindeverwaltung stieß in der Ratssitzung am Dienstagabend auf breite Zustimmung, auch wenn noch kein förmlicher Beschluss gefasst wurde. Ganz wesentlich zu diesem positiven Echo trug der Vortrag von Rosi Reber bei, Leiterin der Waldkindergartengruppe „Waldemar“ in Vogt, die ihr Konzept mit großer Empathie vortrug.

„Wir waren anfangs skeptisch, dann aber begeistert“, beschrieb Bürgermeister Günter A. Binder die Eindrücke, die eine Baienfurter Abordnung bei einem Besuch in Vogt gewonnen hat. In Baienfurt fehlen dringend Kindergartenplätze. Vor allem weitere Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren werden dringend gebraucht. Der Grund: Im Gegensatz zu früheren Prognosen steigen die Geburtenzahlen wieder an. So erhöhte sich die Zahl der Baienfurter Kinder im Alter bis zu drei Jahren von 168 im Jahre 2016 auf 209 in diesem Jahr. Ein Kiga-Neubau, wie vorgesehen, würde aber erst in ein paar Jahren fertiggestellt sein. Kurzfristig, so die Gemeindeverwaltung, könnte eine Waldkindergartengruppe dem Mangel begegnen. Waldkindergärten gibt es schon einige in unmittelbarer Nachbarschaft. So in Ravensburg, Weingarten, Grünkraut, Schlier und Vogt.

Rosi Reber leitet seit sechs Jahren den Vogter Waldkindergarten, in dem 40 Kinder betreut werden. Das Echo sei groß. Die Kinder werden von 7.15 bis 13.30 Uhr betreut, eine längere Zeit sei nicht möglich, weil dann ein Mittagessen angeboten werden müsste. „Die Kinder tauchen in den Wald ein. Spielmaterial brauchen sie nicht“, berichtete Rosi Reber, die auch Dias zeigte. Es gibt vielfältige Aktivitäten. Man malt, bastelt, macht Musik, singt, kocht gemeinsam. Im Wald existiert eine Werkbank zum Sägen und Hämmern. Ein Bauwagen bietet Schutz bei schlechtem Wetter. Ja, man sei sogar stolzer Besitzer eines Bienenstocks und habe eine kleine Bücherei. Die Kinder entwickelten große Selbstständigkeit und ein großes Gemeinschaftsgefühl, und zwischen Kindern und Erzieherinnen gebe es eine breite Vertrauensbasis.

Die Euphorie, mit der Rosi Reber das freie, kreative Leben im Wald und in der Natur schilderte, sprang auf die Gemeinderäte über. Christof Kapler (CDU) outete sich als „absoluter Befürworter“ eines Waldkindergartens und machte auch gleich einen geeigneten Platz aus: oberhalb von Kickach. Torsten Thoma (G+U) fand es „toll, dass sich die Kinder da selbst beschäftigen“. Uwe Hertrampf (G+U) meinte gar: „Das ist ein Beitrag zum Glück von Menschen.“

Auch die Kosten eines Bauwagens, die der neue Hauptamtsleiter Lipp auf etwa 55 000 Euro bezifferte, erschienen den Gemeinderäten angemessen, vor allem wenn man berücksichtige, was ein konventioneller Kiga kostet. Was die Trägerschaft betrifft, so habe die Evangelische Kirchengemeinde Gesprächsbereitschaft gezeigt, berichtete der Bürgermeister. Bis zur Juni-Sitzung des Gemeinderats sollen Fragen wie Personal und Standort geklärt und dann soll förmlich über den Waldkindergarten Baienfurt entschieden werden.

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