Ein Jahrhundert-Projekt für 18 Millionen Euro

Lesedauer: 6 Min

Baienfurt muss zu den Landeszuschüssen voraussichtlich selbst mindestens 13,6 Millionen Euro für die neue Achtalschule aufbring
Baienfurt muss zu den Landeszuschüssen voraussichtlich selbst mindestens 13,6 Millionen Euro für die neue Achtalschule aufbringen. (Foto: dpa/Andrea Warnecke)
Siegfried Kasseckert

Das Baienfurter „Jahrhundert“-Projekt Gemeinschaftsschule nimmt Gestalt an, zumindest planerisch. In einer vier Stunden dauernden Sondersitzung des Gemeinderats präsentierten die Planer und Fachbüros am Samstag ihre Konzepte, ehe das Gremium das Ganze absegnete – mit zunächst einigen wenigen Einsparungen. Beschlossen wurde auch der Kostenrahmen: Er beziffert sich auf 18,1 Millionen Euro brutto; netto, das heißt nach Abzug der erwarteten Landeszuschüsse von rund 4,5 Millionen Euro, sind das 13,6 Millionen Euro. Soviel muss die Gemeinde Baienfurt voraussichtlich selber bezahlen – womit ihre Rücklagen weitgehend aufgezehrt wären.

Dieser Samstag, der 21. Juli 2018, markiert einen langen Weg. Er begann im September 2012, als der Gemeinderat den Beschluss über die Weiterentwicklung der Achtalschule zur zweizügigen Gemeinschaftsschule ab 2013/14 gefasst hat. Sie bietet unter anderem die Chance, an der Achtalschule einen mittleren Bildungsabschluss zu erreichen, wie in der Realschule. Eine überaus vage, nicht detaillierte Schätzung bezifferte die Kosten damals weit unter zehn Millionen Euro. Jetzt werden es, nach zwei Machbarkeitsstudien und dem Architektenwettbewerb, den die Architekten der ARGE Prinz/Roterpunkt, Ravensburg, gewannen, voraussichtlich 18,1 Millionen Euro sein, wahrscheinlich aber noch mehr, weil die Baukonjunktur derzeit boomt wie lange nicht und man mit jährlichen Kostensteigerungen von vier bis fünf Prozent rechnen muss.

Klaus Buck, Freier Architekt aus Reutlingen, begleitet das Baienfurter Projekt als Projektmanager. Er moderierte auch die Sondersitzung am Samstag. Weil inzwischen alle wichtigen Fachplaner ihre Entwurfsplanungen vorgelegt haben, bot sich erstmals in öffentlicher Gemeinderatssitzung ein kompletter Überblick über dieses Baienfurter Mammut-Projekt. Die Grundlage für die Planung bildet das vom Gemeinderat im Mai 2017 genehmigte Raumprogramm für die Gemeinschaftsschule samt Mensa und Bibliothek mit 3285 Quadratmetern, später noch um rund vier Prozent erweitert und vom Regierungspräsidium so gebilligt.

Baubeginn im April 2019

Geplant sind zwei Gebäudeteile, die mit einem zweigeschossigen Bauwerk verbunden werden, wie Josef Prinz von der ARGE Roterpunkt-Architekten berichtete. Das Schüler-Café mit Außenbereich wird im Hof Nord angesiedelt. Wie Prinz sagte, soll schon im September des Jahres der Bauantrag eingereicht werden. Mit dem ersten Bauabschnitt, dem westlichen Gebäudeteil, wolle man im April 2019 beginnen, mit dem östlichen im September 2019, mit den Freianlagen im September 2021. Fertigstellung des Ganzen im Dezember 2021. Eine kühne, eine sportliche Terminplanung, wie es im Gemeinderat hieß.

Nach den Plänen des IB Vogt und Feist, Ravensburg, wird die Heizzentrale für die Achtalschule und die benachbarten Gebäude (Sporthalle und Jugendtreff) erneuert. Die Wärmeerzeugung erfolgt über eine Luft-Wärmepumpe mit 23 Kilowatt Heizleistung und zwei Gas-Brennwert-Kessel mit je 200 Kilowatt. Die Unterrichtsräume werden mit einer mechanischen Be- und Entlüftungsanlage versehen. Die Gesamtkosten für die Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsanlagen belaufen sich auf 2,6 Millionen Euro. Mit 1,06 Millionen Euro steht die Kostenberechnung Elektro zu Buche. Das Angebot stammt vom IB Schwarz, Ravensburg. So sollen die elektrischen Anlagen vollständig erneuert werden. Die Möblierung der Schule ist mit rund 470 000 Euro veranschlagt.

Die Kosten der Freianlagen hat das Planungsbüro Senner, Überlingen, mit rund 710 000 Euro berechnet. Ein Vorschlag, auf das sogenannte Grüne Klassenzimmer auf der Westseite zu verzichten, wurde vom Gemeinderat abgelehnt. Es handelt sich um eine Treppenanlage, die, ähnlich einem Amphitheater, Unterrichtsmöglichkeiten im Freien bietet. Freilich: Bei einem Jahrhundert-Hochwasser würde das Grüne Klassenzimmer wegen seiner Nähe zur Wolfegger Ach gefährdet. Der Gemeinderat beschloss Einsparungen in Höhe von rund 120 000 Euro.

Die Gemeinde befinde sich nun in der Realisierungsphase ihres Großprojekts, resümierte Bürgermeister Günter A. Binder. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ versicherte der Schultes, notwendige andere Projekte wie die Sanierung von Straßen oder der Neubau eines Kindergartens müssten wegen der Achtalschule nicht zurückgestellt werden. Die finanzielle Situation der Gemeinde sei besser als in der Mittelfristigen Finanzplanung dargestellt.

Zu den rund 18 Millionen Euro für die Gemeinschaftsschule kommen weitere 3,4 Millionen Euro für die derzeit laufenden Baumaßnahmen Grundschule hinzu.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen