Ein Gesicht kommt selten allein

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Vor den einzigen drei Originalen der Ausstellung zeigt sich Günther Sterk (Mitte) gut gelaunt zusammen mit Josef Forderer (link
Vor den einzigen drei Originalen der Ausstellung zeigt sich Günther Sterk (Mitte) gut gelaunt zusammen mit Josef Forderer (links) und Uwe Schmidt, jeweils vor ihren Portraitdarstellungen. (Foto: Dorothee L. Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Die Ausstellung kann bis zum 27. Juli zu den Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden.

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Das Publikum ist am Freitag geradezu ins Foyer des Rathauses von Baienfurt geströmt, denn dort ging es um einen echten Lokaltermin: Eine Ausstellung mit mehr als 150 Porträts von Baienfurter Bürgern aus mehr als 40 Jahren, quasi eine Chronik der Persönlichkeiten, die hier gewohnt, gelebt und gewirkt haben. Die „Best of“- Retrospektive von Günther Anton Eugen Sterk, im Brotberuf Sonderschullehrer und von der Passion her nimmermüder Zeichner, ziehen sich wie ein buntes Bilderbuch über die Stellwände.

Bürgermeister Günter A. Binder freute sich über den lebhaften Zuspruch und machte sich in seiner Begrüßung zunächst einmal Gedanken über den Sinn des Wortes Karikatur, bevor er mit Humor das Baienfurter Original, „den ganzen Stolz der Gemeinde“, für seine jahrzehntelange Arbeit lobte. Denn die ist schon bemerkenswert: Bei sämtlichen Festen, Gemeindeaktionen, der Gestaltung des Osterbrunnens und des Christbaums, der Flyer und Logos der Vereine war Günther Sterk im Ort immer der Ansprechpartner, was die Gestaltung anging.

Ludwig Zimmermann, gerade 80 Jahre alt, früherer Lehrer, Kunstbegeisterter und in der Lokalpolitik wie in der Heimatforschung aktiv, holte in seiner Rede weit aus und schilderte die zeichnerische Begabung des Knaben, die bereits in der Kindheit zu erkennen gewesen sei. Auch blieb wohl keiner der damaligen wichtigen Zeitgenossen unerwähnt und so fühlte man sich ein wenig in das „Who’s who“ Oberschwabens versetzt. Aber den meisten Anwesenden werden zahlreiche Namen bekannt oder aus früher Erinnerung noch lebendig gewesen sein. Mit der Erwähnung von all den Förderern der Kunstszene und der ästhetischen Bildung im hiesigen Raum, die ja verhältnismäßig spät begann, hob auch Zimmermann die Verdienste Sterks um das Gemeindeleben lobend in den Vordergrund.

Nun war es an Günther Sterk, noch ein paar Dinge zu seinen Arbeiten klarzustellen. Das machte er mit viel Humor und zur Freude des Publikums hielt er sich auch an die vorher vereinbarten zwölf Minuten Redezeit. Er habe nur Originale gezeichnet und die habe er verkauft an die Auftraggeber. Deshalb hingen in der Ausstellung bis auf drei Ausnahmen nur Kopien seiner Portraits. Nur wenige der Porträtierten sind mit Namen versehen, dann sind es eher einfache Schwarzweißzeichnungen und mehr Portraits als Karikaturen.

Sterk nennt seine Arbeiten selbst „Wimmelbilder“, ein Begriff aus den 1980er-Jahren, die ihn am meisten stilistisch geprägt haben, wie er sagte. Denn ein Gesicht kommt bei ihm selten allein, sondern immer im engen Kontakt mit all dem, was eine Person ausmacht: ihr Beruf, die Familie, Hobbys und Begabungen, Interessen und Funktionen. All das ergibt ein Kaleidoskop von Symbolen um das Gesicht herum, das seinerseits immer von einer demonstrativ ausladenden Nase geprägt ist. Denn ein wenig liegt auch immer von Sterk selbst, der am 15. Juli seinen 65. Geburtstag feiert, selbst in den Gesichtern der Porträtierten.

Die Ausstellung kann bis zum 27. Juli zu den Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden.

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