Brauchtum wird am Samstag lebendig

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 Die Saulgauer Narrenzunft präsentiert und erklärt dem Baienfurter Publikum ihre Bräuche.
Die Saulgauer Narrenzunft präsentiert und erklärt dem Baienfurter Publikum ihre Bräuche. (Foto: Yvonne Giwitsch)

Dass der Narrenruf „Doraus – Detraus – bei de alde Linde raus“ der Narrenzunft in Bad Saulgau in einer ernsthaften Notlage begründet ist, haben die Besucher der Brauchtumsvorführungen beim Landschaftstreffen am Samstagnachmittag in Baienfurt erfahren. Zahlreiche Narrenzünfte der Vereinigung schwäbisch-allemannischer Narrenzünfte (VSAN) haben dabei ihre traditionellen Bräuche dem Publikum präsentiert.

Dabei wurde deutlich, was den Zünften wirklich wichtig ist: nämlich die Legenden und/oder die tatsächliche Geschichte hinter den jeweiligen Narrenfiguren. Bei den Brauchtumsvorführungen beteiligten sich die Narrenzünfte aus Weingarten (Plätzler), Hirrlingen, Kißlegg, Lindau, Aulendorf, Wangen, Bad Cannstatt und eben Bad Saulgau.

Das eigentliche Dorauschreien der Saulgauer am Fasnetssonntag geht auf einem jahrhundertealten Brauch zurück, der sich auf eine geschichtlich dokumentierte Begebenheit in der Pestzeit zurückführen lässt und in der Chronik der Stadt schon 1355 erwähnt wurde. Danach zogen angesehene Bürger durch die Gassen der Stadt und in die Nachbardörfer, um für die hungernde Bevölkerung und die dem Tod geweihten im Sterbehaus vor den Toren der Stadt Brot und Lebensmittel zu erbetteln. Heute erfreuen sich die Kinder, wenn es am Fasnetssonntag Unmengen von Bonbons regnet. Und ausnahmsweise durften sich auch die Baienfurter Kinder an diesem schleckigen Brauch freuen, denn nach der erklärenden Vorführung der Narrenzunft gab es Bonbons für den Baienfurter Narrensamen.

Eine weitere interessante Geschichte steckt hinter den Lindauer Mostköpfen. So erfuhren die Zuschauer am Samstagnachmittag auch, dass aus der einstigen Weingegend Lindau wegen des ungenießbaren Weins eine Obst- und somit Mostgegend wurde. Die ehemaligen Winzer mussten umdenken. Der Tanz der „Moschdköpf“, eine Vollholzmaske und damit etwas Besonderes in der Region, ist somit Zeichen der Pflege und Weiterentwicklung von verwurzeltem Fasnetsbrauchtum.

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