Baienfurter Könige machen sich auf dem Weg ins Schloss

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Franziska Stölzle

Die Sternsinger aus Baienfurt hatten sich am Dienstagmorgen auf den Weg nach Stuttgart gemacht, wo sie zusammen mit neun weiteren Gruppen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Neuen Schloss empfangen wurden. Die SZ hat sie den Tag über begleitet.

Um 9.45 Uhr warten Katrin Schorrer, Xenia Hund, Laura Kapler, Marlene Baumert, Elena Stärk, Marie Göppel, Noah Stucke und Lukas Haupter auf den Zug nach Stuttgart. Als Begleitpersonen sind Martina Stucke und Maria Hummel mit dabei. Die Stimmung ist aufgelockert, von Aufregung keine Spur.

Seit 15 Jahren für Besuch beworben

„Nein, bisher bin ich nicht aufgeregt, aber ich denke, das kommt später“, sagt Katrin Schorrer. Sie ist mittlerweile seit sieben Jahren bei den Sternsingern. Für Begleiterin Maria Hummel ist es ebenfalls ein ganz besonderer Tag. Seit rund 30 Jahren betreut sie mit ihrem Mann die Sternsinger-Gruppen aus Baienfurt. „Wir freuen uns sehr, dass es in diesem Jahr mit der Bewerbung endlich geklappt hat“, sagt sie. Schon seit 15 Jahren würden sich die Baienfurter für den Empfang in Stuttgart beim Ministerpräsidenten bewerben.

Mit rund zehn Minuten Verspätung rollt der Zug im Bahnhof ein. Nachdem alle einen Platz gefunden haben, gehen die Vorbereitungen schon los. „Laura, kannst du mir Zöpfe machen?“, fragen drei der Mädchen nacheinander. Wenig später haben sie alle eine schicke Flechtfrisur. Dann gibt es erst mal ein kleines Frühstück. In Ulm ist der halbe Weg geschafft, und die Nervosität steigt allmählich an. „Ich muss meinen Text lernen, kannst du mich abfragen?“, fragt Marlene Baumert.

Baienfurter Sternsinger haben zehn Gruppen

Die Sternsinger aus Baienfurt haben insgesamt zehn Gruppen, die von Haus zu Haus gehen. Diese bestehen aus vier und sechs Personen. Maria Hummel hat sich aus allen Gruppen Mädchen und Jungs ausgesucht, die schon länger bei den Sternsingern dabei sind. „Das soll wie ein kleines Lob sein“, sagt sie.

In Stuttgart angekommen, steht allen die Nervosität ins Gesicht geschrieben. Am Schloss geht dann alles ganz schnell. Nachdem alle umgezogen sind, gibt es erst mal eine kleine Stärkung am Büfett, bevor es zum Einsingen im Foyer des Schlosses geht. Um 13.30 Uhr haben sich alle zehn Gruppen versammelt und warten darauf, dass die Probe beginnt. Nach mehreren Gesangsproben im Foyer und im Marmorsaal des Schlosses geht es schließlich los.

Nervosität macht sich breit

Jede Gruppe repräsentiert die Heiligen Drei Könige anders. Die einen tragen lange Gewänder und dazu Kronen, die anderen Samthosen mit einem Umhang und Turban. Um 14.20 Uhr startet das offizielle Programm. „Jetzt bin ich nervös, vor allem habe ich am meisten Text von allen“, sagt die 14-jährige Laura Kapler. Auch der elfjährige Noah macht sich seine Sorgen. „Ich hoffe, ich weiß meinen Text später noch“, sagt er.

Die Gruppen stellen sich nahe des Schlosses auf und warten, bis sie loslaufen können. Nachdem sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit seiner Gattin Gerlinde vor dem Schloss eingefunden hat, laufen die zehn Sternsinger-Gruppen über den Schlossplatz auf sie zu. Dabei singen sie „Stern über Bethlehem“. „Ich darf euch einladen ins Neue Schloss und freue mich, dass der Segen an diese Tür geschrieben wird“, sagt Kretschmann zu ihnen.

„Licht der Hoffnung für Kinder in Not“

Das Leitthema der Sternsinger-Aktion in diesem Jahr lautet „Segen bringen, Segen sein. Frieden! Im Libanon und weltweit“. Im Libanon leben rund eine Million Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflüchtet sind. Mit den gesammelten Spenden helfen die Sternsinger, das Zusammenleben zwischen Einheimischen und Geflüchteten zu fördern. Im Marmorsaal spricht Kretschmann einige lobende Worte zu den Sternsingern. „Jeder Cent und jeder Euro, den Sternsinger-Gruppen eingesammelt haben, ist Licht der Hoffnung für Kinder in Not“, sagt der 71-Jährige. Im vergangenen Jahr hätten die Sternsinger im Südwesten rund zehn Millionen Euro gesammelt. Nirgendwo in Deutschland würden von den Sternsingern jedes Jahr so viele Spenden eingesammelt wie in Baden-Württemberg.

Jede Gruppe hat einen kleinen Beitrag zum diesjährigen Leitthema vorbereitet. Zu Beginn der Vorträge wird der Gesang der Sternsinger mit dem Klavier begleitet. „Gib mir deine Hand, auf Wiedersehen. Du nimmst meine Hand beim Auseinandergehen“, hallt es durch den Marmorsaal des Schlosses. Der Gesang aller Sternsinger hüllt den Saal in eine schöne Atmosphäre.

Plakate zum Thema Frieden

Die Sternsinger aus Baienfurt haben sich mit dem Thema Frieden auseinandergesetzt und sich gefragt: Was bedeutet Frieden und was kann jeder Einzelne dazu beitragen? Zur Veranschaulichung haben sie Plakate gebastelt, und jeder hat sich zu den verschiedenen Buchstaben des Wortes „Frieden“ einen passenden Satz überlegt. Alles hat reibungslos funktioniert, und die Anspannung fällt von den Jugendlichen ab.

Nachdem alle Gruppen ihren Beitrag geleistet haben, dürfen sie noch ein Bild mit dem Ministerpräsidenten und seiner Gattin machen und sich dann im Saal nebenan etwas stärken. „Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat“, sagt Maria Hummel. Anschließend machen sich alle bereit zur Abreise. Doch bevor es wieder zurück zum Hauptbahnhof geht, lädt Maria Hummel zum Besuch ins Haus der katholischen Kirche in Stuttgart ein. Dort singen sie zum Abschluss an der Krippe nochmals „Stern über Bethlehem“.“

„Eine Ehre, dabei gewesen zu sein“

Um 17 Uhr rollt der Zug pünktlich am Stuttgarter Gleis 16 ein. Während der Rückfahrt wird sich munter über den Tag ausgetauscht. „Es war so cool, Herrn Kretschmann einmal zu sehen“, sagt die zehnjährige Xenia Hund. „Es war ein tolles Erlebnis und eine Ehre, dabei gewesen zu sein“, erzählt Laura Kapler.

Gegen 19.15 Uhr kommt der Zug am Ravensburger Bahnhof an. Nach dem ereignisreichen Tag sind die Sternsinger zwar einerseits geplättet, aber andererseits sehr zufrieden. „Ich bin stolz darauf, bei den Sternsingern zu sein“, sagt Marlene Baumert.

 Hintereinander sind die Sternsinger über den Schlossplatz zum Schloss gelaufen und haben „Stern über Bethlehem“ gesungen.
Hintereinander sind die Sternsinger über den Schlossplatz zum Schloss gelaufen und haben „Stern über Bethlehem“ gesungen. (Foto: Franziska Stölzle)

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