Bahnhof Niederbiegen: Wie das Denkmal gerettet wird

Lesedauer: 4 Min
altes Bahnhofsgebäude Baienfurt-Niederbiegen 1911 erbaut, Jugendstil, Bahnhof Baienfurt Niederbiegen
altes Bahnhofsgebäude Baienfurt-Niederbiegen 1911 erbaut, Jugendstil, Bahnhof Baienfurt Niederbiegen (Foto: Archiv: Simon Barg)
Siegfried Kasseckert

Das alte Bahnhofsgebäude in Niederbiegen hat zwar keine Funktion mehr – der Bahnhof wurde stillgelegt und durch eine BOB-Haltestelle in unmittelbarer Nähe ersetzt – es ist aber denkmalgeschützt und besitzt eine gute Bausubstanz. Das Gebäude soll deshalb erhalten bleiben. Das sind die Pläne.

Das 1911 im Jugendstil errichtete Gebäude habe „unheimlich viel Charme“ und sei ortsbildprägend, sagte Baienfurts Bürgermeister Günter A. Binder vergangenes Jahr, als die Gemeinde entschied, das Gebäude zu kaufen. Das alte Bahnhofsgebäude in Niederbiegen ist mehr als 100 Jahre alt, heute steht es unter Denkmalschutz.

Untersuchungen haben ergeben, dass das Gebäude seinerzeit handwerklich solide gebaut wurde. Dennoch bestehe erheblicher Sanierungsbedarf, wie die Architektin Dagmar Lorentz aus Grünkraut jetzt im Baienfurter Gemeinderat deutlich machte. Eine erste Schätzung beziffert die Kosten auf etwa 535.000 Euro, worin aber wesentliche Gewerke noch nicht enthalten sind.

Die Türen sind besonders schön

Die Gemeinde hatte den Bahnhof im vergangenen Jahr gekauft. Die Bahn AG hatte das Objekt, das aus einem Hauptgebäude und einem Anbau mit Rundbögen und Mansarde besteht, zum Verkauf ausgeschrieben. Im ersten Obergeschoss befinden sich zwei Wohnungen. Das Hauptgebäude ist unterkellert, der Anbau nicht.

Restauratoren haben nun im Frühjahr 2020 Untersuchungen vorgenommen. Die Architektin erläuterte die Ergebnisse: Sie legten konstruktive Bauteile frei und entnahmen Proben von den Dachbalken. Eine Altlastenproblematik, so die Architektin, könne im Gebälk nicht festgestellt werden. Die drei Restauratoren nahmen Hölzer, Putz und Steine unter die Lupe.

Auch dank fortwährender Unterhaltmaßnahmen der Bahn AG als Vorbesitzerin ist die Bausubstanz in einem guten Zustand. Und es gebe auch besonders schöne Türen. Die restauratorischen Untersuchungen kosteten rund 20.000 Euro. Voraus gingen Sicherungsmaßnahmen, die der Gemeinde-Bauhof ausführte.

Kosten stehen zum Teil fest

Die Architektin präsentierte dem Gemeinderat eine Kostenschätzung zu notwendigen Holzbau- und Schreinerarbeiten, die mit rund 535.000 Euro geplant seien. Darin seien aber wesentliche Kosten wie die für Putz- und Malerarbeiten, für den Ausbau in Bezug auf eine neue Nutzung, aber auch Kosten für den Brand-, Schall- und Wärmeschutz noch nicht enthalten.

Bevor diese Kosten ermittelt werden können, müsse der Gemeinderat über die künftige Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes entscheiden. Dafür gibt es noch kein Konzept. Die Gemeinde rechnet auch mit Zuschüssen des Landes. Unklar ist auch noch, wann der alte Bahnhof saniert wird.

Im Gemeinderat fand der Vortrag der Architektin breite Zustimmung. Gemeinderat Uwe Hertrampf (G+U) bedankte sich bei Dagmar Lorentz ausdrücklich für die „liebevolle Betrachtung des Gebäudes“. Das Projekt sei eine Herausforderung für die Gemeinde.

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen

Leser lesen gerade