500 Besucher beim Neujahrsempfang

Lesedauer: 8 Min
Viel lokale Prominenz war dabei. Unter anderem Rudi Köberle, August Schuler und Manne Lucha.
Viel lokale Prominenz war dabei. Unter anderem Rudi Köberle, August Schuler und Manne Lucha. (Foto: Obser)
Siegfried Kasseckert

Eine eher kleine Gemeinde. 7313 Einwohner. Und dennoch kommen Jahr für Jahr zahlreiche Prominente zum Neujahrsempfang. Wie diesmal auch wieder, als Baienfurt am 1. Januar den Reigen dieser Empfänge im Landkreis eröffnete. Erstmals in der Gemeindehalle, weil sich das katholische Gemeindehaus als zu klein erwies. Bürgermeister Günter A. (= Andreas) Binder konnte den Landesminister für Soziales und Integration Manne Lucha (Grüne), den Bundestagsabgeordneten Axel Müller, den Landtagsabgeordneten August Schuler, den früheren Landesminister Rudi Köberle (alle CDU) sowie zahlreiche weitere Promis willkommen heißen.

In seiner Rede, die deutlich länger als eine Stunde dauerte, ließ Binder kein halbwegs wichtiges kommunales oder kulturelles Ereignis seiner Gemeinde aus. Sein Fazit: „Wir waren alle zusammen sehr aktiv“.

Am Eingang der Gemeindehalle begrüßte der Bürgermeister zusammen mit seiner jüngeren Tochter Felicitas, die die erkrankte Mutter vertrat, die Gäste, fast 500 an der Zahl, ehe der Musikverein unter seinem neuen Dirigenten Sebastian Bernhauer den Neujahrsempfang eröffnete. Der neue Dirigent des Orchesters, das zu den besten im Landkreis, ja in der Region, zählt, löst Dieter Schneider ab. Schneider, später vom Bürgermeister mit der Gemeindemedaille in Feinsilber geehrt, der höchsten Studie dieser Medaille, hat den Baienfurter Musikverein 42 Jahre lang dirigiert.

Binder ließ die großen Projekte Baienfurts Revue passieren. So konnte der Neubau der Anschluss-Unterbringung für Flüchtlinge in der Römerstraße abgeschlossen werden. Die Kosten: rund 1,2 Millionen Euro. 152 Flüchtlinge leben zurzeit in der Gemeinde. Der Grundschulanbau – Gesamtkosten etwa 3,3 Millionen Euro – ist fertiggestellt. Größte Investition der nächsten Jahre wird der Umbau der Achtalschule zur Gemeinschaftsschule sein, dessen Kosten auf 18,1 Millionen Euro geschätzt werden. Zieht man den Landeszuschuss ab, muss die Gemeinde noch rund 13,6 Millionen Euro finanzieren. Der Bürgermeister legte jedoch Wert auf die Feststellung, dass diese größte Investition in der Geschichte der Gemeinde auf mehrere Jahre verteilt wird. Die Rücklage Baienfurts, zurzeit 23 Millionen Euro, ein Höchststand, wird dann deutlich kleiner.

Nächstes Groß-Projekt: der Neubau des Kindergartens Pinocchio für knapp vier Millionen Euro. Auf der Agenda stehen neben anderen Vorhaben der Waldkindergarten, die Erneuerung der Ufermauer auf der Achbrücke sowie der Neubau des Sportheims Achperle.

Werbung für neuen Radweg

Wie dringend notwendig es auch in Baienfurt ist, ein Neubaugebiet zu schließen, machte Günter A.Binder am Beispiel des geplanten Baugebiets Altdorter Ösch (am Ortseingang von Weingarten her) deutlich: Obwohl das Bebauungsplanverfahren erst Ende März abgeschlossen sein wird, liegen jetzt schon mehr als 100 Bewerbungen für Bauplätze vor.

Große Prominenz stellte sich beim Spatenstich zur Elektrifizierung der Südbahn in Baienfurt ein, keine Prominenz jedoch bei der „Raddemo Für den Radweg von Baienfurt nach Bergatreute. Binder appellierte an die Politik, bei diesem Projekt einmal „über den eigenen Schatten zu springen“. Gute Nachrichten gab’s in Sachen Gewerbeansiedlung. Der Gewerbestandort Baienfurt sei in der Branche sehr gefragt, die letzten Gewerbeflächen im Industrie- und Gewerbepark seien belegt, ja schon heute könnten, falls vorhanden, etwa vier weitere Hektar Gewerbeflächen an Interessenten veräußert werden.

Mit herzlichen Worten bedankte sich der Baienfurter Schultes bei seinen in diesem Jahr aus dem Amt scheidenden Kollegen der Nachbargemeinden Berg und Baindt, Helmut Grieb und Elmar Buemann, für die Zusammenarbeit. Binder zu Grieb, der im Mai in Ravensburg für den Gemeinderat kandidiert: „Die Stadt Ravensburg kann sich glücklich schätzen, Dich ab Sommer 2019 im Stadtrat zu haben“. Neun Baienfurter Bürger ehrte Günter A. Binder mit der Gemeindemedaille, dazu den Dirigenten Dieter Schneider.

Das heiße Thema Trinkwasserquelle Weißenbronnen und Kiesabbau sparte sich der Bürgermeister bis zum Schluss auf. Binder kritisierte erneut die Aussage im Umweltbericht des Regionalverbands zum Kiesabbau, das Vorhaben führe zu keinen erkennbaren erheblichen Umweltauswirkungen. Nach den Aussagen des Geologen Schad, der für den Wasserzweckverband Baienfurt/Baindt ein Gutachten erstellt, sei diese Aussage erheblich infrage zu stellen. Das Wasserschutzgebiet müsse von 3,3 auf etwa 8 Quadratkilometer ausgeweitet werden und man müsse dann davon ausgehen, dass das geplante Vorranggebiet für den Kiesabbau teilweise oder sogar vollständig innerhalb des Einzugsgebiets der Weißenbronner Quellen liege. Im besagten Umweltbericht müsse es zumindest heißen: Erhebliche Umweltauswirkungen durch das Vorhaben (Kiesabbau) können nach derzeitigem Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden.

Binder wies darauf hin, dass es bei der Auslegung mehr als 1000 Einwendungen seitens betroffener Bürger gegeben und sich elf Städte und Gemeinden gegen den Kiesabbau ausgesprochen haben. Hinter diesen Ablehnungen stehe der Wille von etwa 140 000 Menschen in der Region. Der Bürgermeister bat die Mandatsträger, „dem Willen der betroffenen Bürgerschaft unbedingt gerecht zu werden“. Ansonsten dürfe man sich nicht wundern, „wenn es Abwanderungen zu extremen Randbereichen gebe, die wir alle nicht wollen“.

Lucha: ergebnisoffener Suchlauf

In seinem Grußwort sprach auch Manne Lucha das Thema Kiesabbau an, ergriff aber nicht Partei. Es werde nicht leicht sein, da die goldene Entscheidung zu treffen, so Lucha. Das sei ein ergebnisoffener Suchlauf. Doch plädierte der Minister für Offenheit und Transparenz. Er rief zur Teilnahme an der Europawahl auf. Europa sei der Garant des Friedens. Zur offenen demokratischen Kultur gebe es keine Alternative.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen