4000 Narren und 10 000 Besucher kommen zum Landschaftstreffen nach Baienfurt

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Narren beim Umzug
Die Narrenzunft Henkerhaus hatte zum Landschaftstreffen am Wochenende geladen. (Foto: Elke Obser)

Baienfurt war am Wochenende das Zentrum des Brauchtums, der Tradition und der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Nach neun Jahren und mittlerweile zum zweiten Mal hat in der Achtalgemeinde das Landschaftstreffen der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN) stattgefunden. Mehr als 4000 Hästräger plus Lumpenkapellen, Musikkapellen, Schalmeien und Guggenmusiken sind beim knapp dreistündigen Umzug am Sonntag durch die Straßen gezogen. Nach Schätzungen der Narrenzunft kamen am Samstag 7000 und am Sonntag mehr als 10 000 Besucher nach „Fut la Boi“, wie Baienfurt in der Fasnet heißt.

29 Narrenzünfte aus sechs von acht Landschaften innerhalb der VSAN waren gekommen, um gemeinsam zu feiern und ihre Begeisterung für das Brauchtum in der „fünften Jahreszeit“ zu zeigen. Klar, dass auch die närrische Prominenz mitfeierte. Und weil Politik auch manchmal ziemlich närrisch sein kann, waren gleich noch einige Politiker gekommen. Zunftmeister Thomas Kohler und Bürgermeister Günter A. Binder freuten sich über den Besuch von Landrat Harald Sievers, Regierungspräsident Klaus Tappeser und dem Landtagsabgeordneten August Schuler ebenso wie über das Erscheinen von etlichen Mitgliedern des Präsidiums der VSAN und Landschaftsvertretern, Ehrenzunfträten und Vertretern aus den Partnergemeinden der Gemeinde Baienfurt.

Schirmherr und Bürgermeister Günter A. Binder zeigte sich stolz über das ganz besondere Ereignis im närrischen „Fut la Boi“. Regierungspräsident Klaus Tappeser stellte beim Zunftmeisterempfang am Sonntagvormittag gleich fest, dass er nicht nur wegen konfliktgeladenen Themen wie dem Kiesabbau im Altdorfer Wald oder des Erwachens des Waldbades aus seinem Dornröschenschlaf nach Baienfurt käme.

Und so regierten die Narren ein ganzes Wochenende lang im Narrendorf und verwandelten eine beschauliche Gemeinde im Schussental in eine Narrenhochburg. Jede Narrenzunft brachte ein Stück Heimat mit, sei es durch ihr Erscheinen im Häs, dem individuellen Narrenruf oder gezeigten Darbietungen vor dem Publikum.

Schlag 13.30 Uhr kündigte Artur Kopka (stellvertretender Bürgermeister, Ehrenzunftmeister und Beirat im Förderverein der Narrenzunft Henkerhaus in Personalunion) den Beginn des Narrensprungs an.

Nach dem traditionellen Einzug der gastgebenden Zunft „Henkerhaus“ zogen die Gäste aus der Landschaft Hochrhein durch die Straßen. Aus den beiden Laufenburg (Schweiz und Deutschland) kamen die Narro-Altfischerzünfte. Auf die Frage, was sie denn dazu bewogen hätte, ins oberschwäbische Baienfurt zu kommen, lautete die Antwort der Hästräger einhellig „weil’s do schee isch“. „Plätz am Fiedle“ kennt der Narr nicht nur aus Weingarten, auch in Waldshut gibt es die, was der Narrenspruch lauthals verkündet.

Gleich sechs Narrenzünfte waren aus der Landschaft Neckar-Alb zu Gast. Bad Cannstatt hatte selbst erst vor zwei Wochen ein riesiges Narrentreffen und war dennoch nach Baienfurt gekommen. „Erschöpft?“ Die Cannstatter Narren verneinten, „aber froh, dass es vorbei ist. Und nun feiern wir gerne hier in Baienfurt.“ Schwups, schon waren Günter A. Binder und Artur Kopka von der Ehrentribüne verschwunden und von den Haigerlochern gebeutelt worden. Die Narrenzunft Hechingen dankte beim Vorbeigehen für ein super Narrenfest und erklärte gleich, „beim nächsten Mal kommen wir wieder“. Die Hexen aus Obernheim tanzten mit den Zuschauern, denn „alles war guet an dem Feschd“. Ein Sommerfell hätten die Hästräger bei diesem Narrensprung im strahlenden Sonnenschein gut brauchen können, denn während die Zuschauer die frühlingshafte Witterung genossen, schwitzten die Narren aus Rottenburg unter Maske und Häs.

Aus der Landschaft Bodensee-Linzgau zogen Hexen aus Pfullendorf mit stark rauchenden Bügeleisen und ziemlich schwarzem Kochtopf durch die Straßen. Auch Markdorf und Siebnen sowie Willisau in der Schweiz hatten es sich nicht nehmen lassen, zu dem großen Narrenfest zu kommen. Riesenkuhglocken kündigten die Zunft an.

Einziger Vertreter der Landschaft Baar war die Narrenzunft aus Bräunlingen. Die ganze Straße bebte, als die Kanone vor der Tribüne feuerte. Der Ochs, der das Hexenkarussell zog, muss Nerven aus Stahl haben. Das Geschehen berührte ihn überhaupt nicht. Man sagt den Bräunlingern nach, dass sie nur einmal im Jahr auf ein großes Narrentreffen gehen. „Des schdimmt“, so einer der Narrenräte, „mer hon mitgriegt, des isch so schön do. Und des isch wohr. Mer sin die einzige aus unserer Landschaft, die do sind und uns g’fällt’s blendend guet.“ Schönere Komplimente kann eine Narrenzunft kaum kriegen.

Aus der Landschaft Donau kamen die Ehinger mit ihrem bunten Häs, besetzt mit jeweils 400 Kügele-Hoi. Mit sechs Bussen war diese große Zunft in Baienfurt vertreten. Auch Munderkingen mit dem Wusele, Riedlingen mit Storch und Fröschle, Sigmaringen und Stetten am kalten Markt waren mit von der Partie… und jede Menge Konfetti war auch dabei.

Aus der direkten Nachbarschaft freuten sich Aulendorf, Bad Saulgau, Bad Waldsee, Kißlegg, Lindau, Tettnang, Wangen im Allgäu und Weingarten an der Begeisterung der Zuschauer.

Ein schier unendlicher bunter Lindwurm war es, der Tausende von kleinen und großen Zuschauern begeisterte und das Narrentreffen zu einem einzigartigen Erlebnis für alle Beteiligten machte.

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