Zurzeit ist am Himmel viel los

Lesedauer: 5 Min
Christine Hofer-Runst

Der Vogelzug nach Süden ist in vollem Gange. Zahllose Schwärme reisen aus ihren Sommerdomizilen in wärmere Gefilde im Süden. Dieses beeindruckende Naturschauspiel konnten die Teilnehmer der Vogelerkundung, die vom Naturschutzzentrum Bad Wurzach in den Jahresplan aufgenommen wurde, selbst miterleben und wurden dabei fachkundig von Ulrich Grösser begleitet.

Es war der ideale Tag, um Zugschwärme zu beobachten, die am Rohrsee rasten, um sich für die Weiterreise zu stärken. Der Vogelkundler führte dazu die Gruppe auf eine Anhöhe bei Eintürnen, wo schon bald ein Schwarm Buchfinken am Horizont auftauchte. Die relativ kleinen Singvögel sind durch ihr markantes Schwarmverhalten sehr gut zu identifizieren. In Wellenbewegungen zogen sie über die Felder in Richtung Südwesten. Ihr Ziel ist Frankreich oder Spanien, wobei sie an den Alpen entlangfliegen und diese nicht überqueren.

Hunderte Ringeltauben

Schwärme mit mehreren Hundert Ringeltauben bogen Richtung Schussental ab, und vereinzelt waren Eichelhäher zu beobachten, die vermutlich den langen Weg aus den Karpaten schon hinter sich gebracht hatten. „Eichelhäher ziehen nur alle fünf bis sechs Jahre, und ein Zug deutet immer auf ein mangelndes Nahrungsangebot hin“, erklärte Vogelexperte Grösser das seltene Schauspiel.

Während der Großteil der Rauchschwalben schon längst wärmere Gefilde aufgesucht hat, machten sich ein paar Nachzügler noch auf den Weg dorthin. Für die langen Reisen benötigen die Tiere enorme Energiereserven. Ein paar Singdrosseln suchten auf den abgemähten Wiesen nach Nahrung, wogegen sich die Silberreiher am Rohrsee einfanden. Tagsüber sind die auffälligen Schreitvögel derzeit in großer Anzahl auf den Wiesen rund um Ziegelbach und Eintürnen zu beobachten, bevor sie am späteren Nachmittag ihren Futter- und Schlafplatz am fischreichen Gewässer aufsuchen.

Wärmende Sonnenstrahlen

In den Nachmittagsstunden sind dort zudem verschiedene Wasservögel zu beobachten. Graugänse, Rostgänse, Enten und der Gänsesäger saßen neben Kiebitzen, Kormoranen und einer Kranichfamilie auf der Insel und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen im Gefieder.

Im umliegenden Schilfgürtel rastete eine Bekassine, und sogar die Rohrdommel zeigte sich der Gruppe. Sie saß ganz entspannt auf Schilfrohr, steckte ihren Schnabel in die Höhe und wandte sich ebenfalls der Sonne zu.

Ideale Bedingungen

Der Rohrsee ist mit seinen ausgeprägten Flachwasserzonen und dem Fischreichtum ein ideales Gewässer für Sing- und Wasservögel, die sich dort gerne niederlassen. Bei starken Niederschlägen werden die umliegenden Wiesen geflutet. Über einen Ablauf verfügt der See nicht, was zur Folge hat, dass sich das Nahrungsangebot im Schilfgürtel vergrößert und im Frühjahr ideale Nist- und Brutbedingungen bietet.

Die Stare in und um Bad Wurzach sind noch da, sie räubern derzeit die Vogelhäuschen und die Meisenknödel, um sich für ihre Reise zu rüsten. Laut Ulrich Grösser brauchen sie umfangreiche Fettreserven, um ihren Zug gut bewältigen zu können. In den frühen Morgen- und Abendstunden sind die großen Schwärme derzeit gut zu beobachten.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen