Zum Schluss kommt ein Hauch Nostalgie auf

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 Besucherströme drängen sich vor den ausgestellten Fotografien über Diepoldshofener Impressionen von Ernst Fesseler.
Besucherströme drängen sich vor den ausgestellten Fotografien über Diepoldshofener Impressionen von Ernst Fesseler. (Foto: Otto Schöllhorn)
Otto Schöllhorn

Um die Auflösung des Arnacher Kulturvereins KIK zu feiern, der einmal um die 30 Mitglieder zählte, haben die früheren Aktiven die ehrwürdige alte Schule in Diepoldshofen in eine beachtliche Galerie und Veranstaltungsstätte verwandelt.

Hier sollte noch einmal das Flair der 90er-Jahre, das von dieser Gruppe ausging, erlebbar werden. So erinnerten die Bausteine dieser Wochenendveranstaltung an die Zeit im „Löwen“ in Arnach, als junge Leute seit dem Jahr 1994 mit Ausstellungen, Musik und Theater einen heiteren und kritischen Schwung aufs Land bringen wollten – darunter Konzerte, Kleinkunstabende, die Eigenproduktion „Familie Schlottermilch“ und die legendären Rosenmontagsbälle mit jeweils wechselndem fantasievollem Motto.

Dokumentationen und filmische Impressionen über das 25-jährige Wirken des Vereins konnten in einem als „Museum“ eingerichteten Raum besichtigt werden. Im Gespräch mit den früheren Aktiven, Veronika Baum, Uli Mack, Matthias Fink, Cäcilia Vogt, Bene Frey und Georg Peschel, wurden Motive für die Gründung des KIK deutlich: Man wollte Lebensfreude und Spaß aufs Land bringen, aber auch eine aktive und offene Kulturvielfalt auf dem Dorf entwickeln.

Große Zahl an Gästen

Die erste Ausstellung lief unter dem Titel „Schwarz Rot Bunt“. Anstoß war das Erstarken der Republikaner und die Vorkommnisse in Hoyerswerda. Mit dem Abriss des „Löwen“ war das Ende des Kulturvereins gekommen, das nun übers vergangene Wochenende mit einer Ausstellung, Musik und Party gefeiert wurde. Zur Vernissage konnte Uli Mack eine erstaunlich große Zahl von Gästen begrüßen, die die Gelegenheit nutzten, dem Kulturverein letztmals ihre Anerkennung zu erweisen. Er bedankte sich bei den Unterstützern und bei Christian Skrodzki für die kostenlose Überlassung der alten Schule für diesen Event.

Einen mit viel Beifall honorierten Auftritt hatte der seit zwei Jahren bestehende A-cappella-Chor „Issimo“ aus dem Schussental unter der Leitung von Kristina Stary, der ein heiteres mazedonisches Volkslied und das bekannte Lied „Die Gedanken sind frei“ mit Summen und atonalen Begleitstimmen umrahmte. Eine etwas performanceartige Laudatio hielt Uli Scheitenberger, der die Schlussveranstaltung mit einem Abspann nach einem Film verglich, wo noch einmal die Namen der früheren Akteure aufleuchteten mit den oft sonderlichen Titeln ihrer inszenierten Theaterstücken, etwa dem letzten, der Göttergala „Götter, Dingsen und Zaronzen“ von 2011.

Witzig arrangierte Nussobjekte

Die Ausstellung mit Malerei, Fotografien, Skulpturen und Kunsthandwerk, wiederum unter dem Motto „Schwarz Rot Bunt“, wurde von einer eher zufällig ausgewählten Künstlergruppe bestritten. Bene Frey zeigte witzig arrangierte Nussobjekte und Christine Blattner Steinfiguren. Simon Neukamp war mit realitischen Tierköpfen aus Holz vertreten. Fotografien zeigten Heiner Schickle und Angela Bittner. Dass so viele Diepoldshofener kamen, war sicher auch den eindrucksvollen Fotos von Ernst Fesseler aus Bad Waldsee geschuldet, der etliche Dorfbewohner in ihrem vertrauten Umfeld portraitiert hat. Eine Heimatkunde-Stunde zur Frage: „Wer ist hier in die Schule gegangen?“

Malerei war zu sehen von Alexandra Gebhart, Horacio Pelayo, Dorothea Schrade, Hena Kreissle und Matthias Fink, der mitten unter seine Bilder einen Text platzierte, indem er, dem Ansinnen der Gruppe entsprechend, zu mehr Toleranz, Weltoffenheit, Mut, Vernunft und weniger Egoismus aufrief. Geht nun diese Ära wirklich zu Ende oder hat vielleicht der Erfolg dieser Wochenendaktion zu einem neuen Lichtschimmer am Horizont geführt, falls eine Räumlichkeit gefunden wird? Für ein originelles Kulturleben wär’s eine Bereicherung.

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