Wie ein regionaler Dachdecker den Großauftrag für Center Parcs erlebte

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 Firmenchef Werner Dangel und seine Mitarbeiter feiern die Fertigstellung des letzten Dachs.
Firmenchef Werner Dangel und seine Mitarbeiter feiern die Fertigstellung des letzten Dachs. (Foto: Holzbau Dangel)
Redakteur Bad Wurzach

Es ist geschafft: Das Bad Wurzacher Unternehmen Werner Dangel Holzbau GmbH hat 401 Ferienhäuser im entstehenden Center Parcs bei Leutkirch mit Dächern versehen und Flaschnerarbeiten erledigt.

Elf Monate war die Firma damit beschäftigt gewesen. „Der Auftrag war für uns als kleinerer Betrieb sehr gut, sehr anstrengend und extrem interessant“, sagt Firmeninhaber Werner Dangel rückblickend.

Es war der größte Auftrag der 57-jährigen Firmengeschichte. Die Zahlen belegen das eindrücklich: An 234 Arbeitstagen wurden 12 000 Arbeitsstunden geleistet, 45 000 Quadratmeter Dachfläche mit 320 000 Ziegelplatten und 5000 Meter Dachfirst gedeckt. Dazu wurden 7000 Meter Kehle, 8000 Meter Dachrinne und 1200 Sanilüfter verbaut.

Lob für die Handwerker

Sehr stolz ist der 50-jährige Bad Wurzacher auf seine Mitarbeiter und greift bei ihnen zu Superlativen. „Sie haben richtig super-toll mitgezogen. Das war super-klasse, einfach gigantisch.“ Auch die Firma Machiels Building Solutions (MBS) aus dem belgischen Genk, die insgesamt für den Bau der Ferienhäuser zuständig ist und den Dachdeckerauftrag an Dangel vergeben hatte, sei „mehr als zufrieden“, berichtet Werner Dangel.

Zum Teil zehn bis elf Stunden hätten seine Leute jeden Arbeitstag im Urlauer Tann geschafft, erzählt der Unternehmer. Und das im Winter bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius und im Sommer bei bis zu 35 Grad Celsius. Acht, neun Dangel-Beschäftigte waren dabei auf der Baustelle Center Parcs zu Gange. Da es Werner Dangel von Beginn an sehr wichtig war, dass seine anderen Kunden nicht hintanstehen müssen, hatte er seine Belegschaft für das Ferienpark-Projekt um vier Personen auf 19 aufgestockt. „Auch in diesem Bereich hben alle toll mitgezogen und sich vor Überstunden nicht gescheut. So hat es einigermaßen funktioniert.“

Manche schlaflose Nacht

Werner Dangel verhehlt im Rückblick freilich nicht, dass der Großauftrag ihn manche schlaflose Nacht beschwert hat. „Der Druck war schon extrem groß. Es ging darum, sowohl rechtzeitig fertig zu werden als auch gute Arbeit abzuliefern.“ Vor allem in den ersten Wochen nach dem Start im August vergangenen Jahres „habe ich mich schon manchmal gefragt, was ich uns da aufgehalst habe“.

Umso größer sei nun der Stolz auf das Geleistete. Zwei Dächer pro Tag zu decken: Das war die Vorgabe zum Projektstart. Daraus wurden in der Endphase ab dem Frühjahr 15 bis 20 Dächer pro Woche.

Dabei gibt es keine einheitlichen Bauwerke. „Es sind verschiedene ein- und zweistöckige Haustypen, die in Zweier-, Vierer-, Sechser- oder Achterketten miteinander verbunden sind“, sagt Dangel und zeigt sich beeindruckt: „Das macht architektonisch was her und ist von der Dachlandschaft her aufwendig zu bauen. Das war eine Herausforderung für uns.“ Doch Dangel und seine Mitarbeiter meisterten sie. „Wir haben frühzeitig ausprobiert, wie das ohne Qualitätsverlust am schnellsten zu machen ist“, erinnert er sich. „Denn wenn jede Woche drei Lkw Dachziegel anliefern, zählt jede Stunde.“

Zeitdruck auf der Center-Parcs-Baustelle
Leutkirch – Die Großbaustelle von Center Parcs im Allgäu läuft auf Hochtouren. 51 Tage bleiben bis zur Eröffnung des Ferienparks bei Leutkirch. Die Zahl der Arbeiter hat sich auf 1200 erhöht

Zugute kam den Bad Wurzachern das milde und frühzeitige Frühjahr. „Das Wetter war natürlich ein Glücksfall für uns wie für alle Firmen auf dem Gelände. Wir konnten auch im Winter fast durcharbeiten. Nur fünf reguläre Arbeitstage sind ausgefallen, obwohl bei Matschwetter manchmal fast kein Durchkommen mit dem schweren Gerät gab“, erzählt Werner Dangel.

Er zeigt sich auch angetan „vom guten Miteinander“ aller an dem riesigen Bauprojekt beteiligten Firmen. „Es lief so gut wie reibungslos.“ Die Großbaustelle im Urlauer Tann hat ihn ebenso tief beeindruckt. „Ein bisschen Zeit, mich mal umzuschauen, hatte ich ab und zu. Das interessiert einen ja aus beruflicher Sicht ebenso wie als Privatmann zu sehen, wie dieser Park in extrem kurzer Zeit wächst und Gestalt annimmt.“ Noch ist das Projekt Center Parcs für die Werner Dangel Holzbau GmbH nicht Geschichte. „Wir haben noch einige Folgeaufträge erhalten, darunter auch einen größeren“, berichtet der Firmeninhaber.

Kleines Feuerwerk und Fest

Doch im Großen und Ganzen sei nun „ein großer Stein weg. Das Leben nach Center Parcs hat begonnen, wobei es durch die Folgeaufträge ein fließender Übergang ist“, sagt Werner Dangel. Die Fertigstellung des 401. und damit letzten Dachs wurde dabei von ihm und seinen Mitarbeitern gebühren gefeiert. „Unser Vorarbeiter hat im Beisein aller den letzten Quadratmeter verlegt. Danach gab’s ein kleines Feuerwerk und ein Fest.“

Lachend fährt er fort: „Wir könnten sofort auf dem nächsten Park anfangen.“ Um das gleich wieder zurechtzurücken: „Wichtig für die Annahme dieses Großauftrags war die Nähe der Baustelle. Wir sind keine Montagefirma. Unsere Leute konnten jeden Tag nach Feierabend nach Hause gehen, und ich konnte jeden Tag auf die Baustelle.“

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