Werner Brix rast „Mit Vollgas zum Burnout“ im Dietmannser Adler

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Ein Vollblut-Kabarettist, wie er im Buche steht: Werner Brix aus Wien.
Ein Vollblut-Kabarettist, wie er im Buche steht: Werner Brix aus Wien. (Foto: Karl-Heinz Schweigert)
Karl-Heinz Schweigert

Das ist am Samstagabend im vollbesetzten Saal wieder einmal ein Volltreffer auf der Adler Livebühne gewesen: der erste Auftritt des österreichischen Vollblut-Kabarettisten Werner Brix mit seinem Solo-Programm „Mit Vollgas zum Burnout“. Wie fast kein Zweiter verkörpert der in unserem Nachbarland hochdekorierte Wahl-Wiener originell, kreativ und „handwerklich“ perfekt die so anspruchsvolle, hohe „Klein“kunst.

Kein „Slow-Food-Kabarett“

Also kein „Slow-Food-Kabarett“, wie im Programmheft angekündigt, sondern insbesondere vor der Pause mit hohem Tempo, geistreich und schauspielerisch brillant unsere überdrehte Gesellschaft entlarvend: Zwei „Therapiestunden“ für einen irrsinnig überdrehten Managers, den schon die ersten psychosomatischen Konsequenzen wie Tinnitus, Ausschlag und Juckreiz im Knie plagen.

Leben wie „im Werbeblock“

Hoch gefordert und dennoch nicht abschaltend blieb das anhaltend faszinierte Publikum in seiner Rolle als „Therapeuten“, dem es aber kaum gelingt, in die Vollgas-Wortkaskaden des gestressten und Handy versklavten Patienten einzugreifen. Mit dessen zeitüblichen Motto „Viel Geld, Gesundheit, Sex bis ins Alter und dann umfallen“, also einem Leben wie „im Werbeblock“, entlarvt der Proband auf dem roten Sofa brillant mit scharfer Beobachtungsgabe die wirklich krankmachenden Entwicklungen unserer Zeit.

Unmöglich ist es für den mit Vollgas agierenden Protagonisten daher, wenigstens die Aufforderung des Therapeuten zu erfüllen, „für fünf Minuten den Mund zu halten“. Herrlich seine brummelnde Reaktion zunächst im Flüsterton, die sich mit aber schnell mit der „Lösung“, dies als Hausaufgabe zu machen, ins gewohnte Tempo steigerte.

„Wer kann mir noch helfen?“

Minutiös durchgetaktet ging zur Pause dem immer wieder vom Handy geplagten Manager zum Glück „ein Tröpfchen daneben“, so dass er danach im, auch für die Zuschauer, wohltuend beruhigend wirkenden asiatischen Gewand auftrat. Endlich stellt er sich selbst erkennend die Frage: „Wer kann mir noch helfen?“ Gewiss die Tochter Julia mit ihrem Vorschlag: „Vielleicht solltest Du ein bisschen entschleunigen“. Also beim Handy „das Display und die Batterien raus und ein Spiegel hinein“ und nachhaltig ökologisch „auf den Boden kommen“, denn so „geht es sich immer aus“. Ein wohltuend weiser Schluss, der mit anhaltendem Beifall bedacht wurde. Auch von einem Zuhörer aus der Schweiz, der seine Anfahrt „aber keineswegs bereut hatte“.

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