Weitere Dietmanns-Premiere mit starkem Frauenzimmer

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Wieder einmal eine gelungene Premiere und beste Stimmung im vollbesetzten „Adlersaal“; mit dem Auftritt der Kabarettistin, Sängerin und Puppenspielerin Andrea Bongers aus Hamburg, die einmal mehr bewies, dass echtes Multitasking real möglich ist: So in den faszinierenden „Dialogen“ mit dem anhänglichen und machohaften Journalisten „Uwe Sattmann vom Wurzacher Boten“, der stichelnden Sexualtherapeutin „Sissi Snake“ und dem aufdringlichen Frosch und Loverboy „Manolo“.

Anlässe hierfür sind die Tatsache, dass nach dem Auszug des Sohnes und der Scheidung „Mutti“ in ihre zweite Lebensphase eingetreten ist und sich, wie im Programmheft angekündigt, zwischen „zweitem Frühling oder zweiter Hüfte“ entscheiden soll. Dass die Powerfrau aus dem hohen Norden sich dabei eindeutig zur ersten Kategorie zählt, ist für den Zuschauer schnell erkenntbar. Erlebt er doch prall mit femininer Kraft gefüllte Texte, starke Songs und hinreißende Puppencomedy auf einen Streich.

Andrea Bongers erfüllt mit diesem Kunststück die Maßstäbe von hoher „Kleinkunst“: Handwerkliches Können, Kreativität und Originalität, verbunden mit einer eigenen Botschaft. Letztere kommt in ihrem lustvollen, fast zweistündigen Potpourri deutlich zum Vorschein. „Flott und offen, selbstironisch und nahe am erdigen Leben“, wie eine Besucherin aus Reutlingen trefflich beschrieb, gab die Protagonistin zugewandt, mit verblüffender Spontaneität und Optimismus, ihrem gefesselten Publikum Folgendes mit: Nach den Lebensphasen als „Jungfrau, Geliebte, Ehefrau, Mutter und dann Mann und Kind loslassend, habe ich das Gefühl, da geht noch was“.

Dennoch rückfallgefährdet („Immerhin bin ich Mutter, das kann mir keiner nehmen.“) widersteht Mutti dem gezielt voraus auf Kassette abgespielten, herzerweichenden Lied ihres damals fünfjährigen Buben („Mama, du bist die Beste.“), und macht ihrem lang erwachsenen Sohn klar, dass „er nicht wieder einziehen darf und sie keine Zeit hat – „gebongt!“

Zur Bekräftigung dessen servierte Andrea Bongers als starke Zugabe ein Medley zum Thema „ Best Age: Was im Alter so alles passieren kann.“ Verbunden mit dem Wunsch: „Bleibt gelassen oder auch nicht, aber lasst uns rocken“.

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