Würde, Frieden und Gerechtigkeit

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Ein Blick in die Gesprächsrunde des Weltgebetstags-Gottesdienstes.
Ein Blick in die Gesprächsrunde des Weltgebetstags-Gottesdienstes. (Foto: Gragnato)
Patricia Gragnato

Der Fasnet geschuldet hat der Weltgebetstag in Bad Wurzach etwas später stattgefunden. Sonst immer am ersten Freitag im März, hatte das ökumenische Vorbereitungsteam, geleitet von Christine Silla-Kiefer, beschlossen, ihn um eine Woche zu verschieben.

Dementsprechend wurde er am vergangenen Freitag im Pius-Scheel-Haus begangen, was sehr gut passte, denn da war ja auch Weltfrauentag. Schließlich ist der Weltgebetstag die größte ökumenische Basisbewegung von Frauen, findet in mehr als 170 Ländern statt und hat zum Ziel, dass weltweit Frauen und Mädchen in Würde, Frieden und Gerechtigkeit leben können.

Von Wünschen und Ängsten

Jedes Jahr wird die Liturgie zum Gottesdienst von Frauen eines anderen Landes geschrieben und von dort in alle Welt verbreitet; dabei bringen die Frauen nicht nur ihre Kultur mit ein, sondern sie geben ihren Wünschen und Bedürfnissen, ihren Ängsten, Sorgen und Nöten, aber auch ihren Freuden Ausdruck.

Der diesjährige Weltgebetstag wurde von Frauen aus Slowenien vorbereitet und trug die Losung „Kommt, alles ist bereit“. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Gleichnis vom Festmahl aus dem Lukas-Evangelium, bei dem alle eingeladenen Gäste im letzten Moment absagen, weshalb der erzürnte Gastgeber „die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen“ von der Straße in sein Haus holen ließ.

Beeindruckend, wie Silla-Kiefer dieses Gleichnis vor der Lesung mit schauspielerischer Leistung in die heutige Zeit transferierte, indem sie Telefonate mit Freundinnen nachspielte, die ihr alle zu einer Einladung absagten.

Und natürlich kamen auch Frauen aus Slowenien zu Wort, die Einblick in ihr Leben gewährten. Wie beispielsweise Marjeta, die als religiöser Mensch in der Zeit des sozialistisch-kommunistischen Jugoslawiens auswandern musste, weil sie in ihrer Heimat als Bürgerin zweiter Klasse behandelt wurde. Seitdem weiß sie auch, wie man sich als „Gast“-Arbeiter in einem anderen Land fühlt – alles andere als als ein Gast.

Oder Natascha, eine Romni, die fast nie erlebt hat, dass sie aufgrund ihrer Herkunft abgelehnt wurde, aber Roma in Slowenien und Europa kennt, die unter unzumutbaren Bedingungen leben.

Agapemahl mit Brot und Trauben

Abgerundet wurde der Gottesdienst durch ein „Weltgebetstagsmahl“, ein Agapemahl mit Brot und Trauben, was den Vorteil hatte, niemanden in die kirchenrechtliche Zwickmühle zwischen Abendmahl und Eucharistiefeier zu bringen.

Musikalisch wurde der Gottesdienst von Verena Stei in ihrer souveränen Art am Flügel gestaltet; Milena Schön und Konfirmandin Vanessa Reihlen hatten Gesangs-Soli, die sie bravourös meisterten.

Zum Abschluss des Gottesdienstes, der fast ausschließlich von Frauen besucht worden war – drei Männer waren jedoch auch anwesend – bedankte sich Silla-Kiefer bei der katholischen Kirchengemeinde für die herzliche Aufnahme und Unterstützung, beispielsweise bei Pastoralreferent Raimund Miller und Mesner Roland Herdrich, aber auch bei allen Frauen des ökumenischen Vorbereitungsteams. Danach gab es ein Festmahl mit slowenischen Leckerbissen, bei dem die Anwesenden lange feierten, redeten und diskutierten.

611 Euro betrug die Kollekte, die Frauen-Projekten in Slowenien und weltweit zugutekommt.

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