Von der Freiheit, sich keinem Stil unterordnen zu müssen

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 Bei der Vernissage im Naturschutzzentrum (von links) Klaus Schütt, Walter Blum, Rosemarie Stäbler und Georg Stankalla.
Bei der Vernissage im Naturschutzzentrum (von links) Klaus Schütt, Walter Blum, Rosemarie Stäbler und Georg Stankalla. (Foto: Patricia Gragnato)

Seit wenigen Tagen kann man Werke des Künstlers Walter Blum aus Unteressendorf im Naturschutzzentrum Bad Wurzach sehen. Aufgrund der Größe der Bilder konnte die Ausstellung nicht in der Städtischen Galerie in Maria Rosengarten stattfinden, sondern musste in den Gewölbesaal des Naturschutzzentrums ausweichen. Doch das passt sehr gut, steht sie doch unter dem Titel „Natur – Kunst, Kunst – Natur“.

Klaus Schütt, stellvertretender Bürgermeister, begrüßte bei der Vernissage die gut 50 Kunst-Interessierten und dankte Rosemarie und Friedemann Stäbler, die es wieder einmal möglich gemacht hatten, einem regionalen Künstler eine Plattform zu bieten. Rosemarie Stäbler wiederum dankte dem Naturschutzzentrum für die Aufnahme und Laura Brückner für deren Unterstützung bei der Vernissage.

Auch Walter Blum richtete seinen Dank an das Naturschutzzentrum und an Stäbler, ohne deren Engagement es die Städtische Galerie sehr schwer hätte. Seine Ansprache ordnete der Künstler und Feingeist dem Beethoven-Jahr unter und schilderte die umwälzenden Neuerungen des Jahres 1770, das auch den Beginn des Klassizismus begründete. Es entstand ein vom Humanismus geprägtes Bürgertum, das mit der Französischen Revolution seine Kritik am Absolutismus ausdrückte. Ebenso in der Kunst, in der beispielsweise Francisco de Goya Unabhängigkeit zeigte, indem er Adlige nicht mehr schönte. So habe jede Zeit ihren Geist, der sich auch in der Kunst ausdrücke, so Blum. Die Betrachtungsweise und Sicht auf die Welt verändere sich und alle seien aufgefordert, sich auf Neues einzulassen.

Er als Künstler empfinde es als wertvolles Stück Freiheit, sich keinem Stil mehr unterzuordnen zu müssen. So besprühe er beispielsweise Leinwände mit einem Gouache-Acryl-Gemisch und bemale diese nach dem Trocknen „losgelöst vom Denken“. Das Erleben im Tun stehe im Vordergrund. Er zitierte Wassily Kandinsky, der 1912 gesagt hatte, man solle sich durch Seele und Erleben der Kunst nähern. Blum habe für sich die Untrennbarkeit des Gegenstandlosen vom Gegenständlichen (und umgekehrt) entdeckt, denn was man Gegenstand nennt, sei nur das von einem selbst gemachte Bild eines Gegenstandes.

Ohne dass es abgesprochen gewesen wäre, hatte Georg Stankalla passenderweise für die musikalische Begleitung zu Beginn der Veranstaltung ein von ihm bearbeitetes, romantisches Stück von Ernesto Cavallini gewählt, während er das von ihm selbst komponierte „Rumpelstilzchen“ als „leicht schräg“ bezeichnete, mit dem er nach dem kunstphilosophischen Vortrag von Blum auf seiner Klarinette brillierte. So hatte auch er die Brücke von 1770 in die Moderne geschlagen.

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