Virtuosität, gepaart mit Bescheidenheit

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Beeindruckte mit seinem Können das Publikum im Kurhaus von Bad Wurzach: Valerij Petasch.
Beeindruckte mit seinem Können das Publikum im Kurhaus von Bad Wurzach: Valerij Petasch. (Foto: Patricia Gragnato)
Patricia Gragnato

Vergangenen Sonntag ist Valerij Petasch zu Gast im Kurhaus von Bad Wurzach gewesen. Der Pianist und Komponist begeisterte die Zuhörer mit einem Feuerwerk der Klaviermusik.

Der Künstler, dessen bescheidenes Auftreten in großem Kontrast zu seinem virtuosen Können steht, scherzte mit dem Publikum und bat, als er die Bühne betrat, erst einmal um ein Programm. Da er das Konzert in beeindruckender Art und Weise ohne jegliches Notenblatt bestritt, wollte er sich daran orientieren, was er jedoch nur zu Beginn tat.

Da der Abend vor allem Frédéric Chopins 170. Todesjahr gewidmet war, eröffnete ihn Petasch mit Nocturne cis-moll opus posthum, in dem sich verträumt-zarte Passagen mit kraftvoll-schmerzlichen abwechseln, wobei Petaschs Fingerläufe mehr als beeindruckten. Es folgten, statt dem einen angekündigten Walzer in As-Dur gleich derer drei: in f-moll (opus 70, Nummer 2), Es-Dur (opus 18) und e-moll (opus posthum). Diese versprühten – wie es sich für Walzer gehört – lebendige Leichtigkeit.

Leidenschaftlich wurde es mit Chopin Etüde c-moll opus 10, Nummer 2, der sogenannten Revolutionsetüde, die durch einen harmonischen überraschenden Schluss durch Mark und Bein ging. Petaschs linke Hand flog nur so über die Tasten, während seine Rechte viel Gefühl vermittelte.

Im Kontrast dazu folgte Chopins Ballade Nummer 4 f-moll opus 52 eher lyrisch-sentimental, um dann in dramatisch-effektvollen Schlusspartien zu enden, die das Publikum mehr mitnahm als den Künstler. Dieser fragte, ob man eine Pause brauche – er selbst bräuchte keine, nur einen Schluck Wasser. Valerij Petasch verschwand kurz hinter der Bühne, um sich nach wenigen Sekunden erneut an den Flügel zu setzen.

Im zweiten Teil des Konzertabends standen Petaschs eigene Kompositionen im Mittelpunkt. Doch begann er mit dem „Rondo capriccioso“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, dessen hohen Schwierigkeitsgrad Petasch mit Leichtigkeit bewältigte. Nach einem bewegenden Einführungs-Andante wirbelten die Finger des Konzertpianisten im Presto über die Tasten, um sie in zarteren Passagen zu streicheln.

In den folgenden „Siciliane“ und „Primavera“ stellte Petasch sein Können als Komponist unter Beweis. In diesen akustischen „Stimmungsmalereien“ entstanden vor dem inneren Auge der Zuhörer die kraftvolle Wärme des Südens beziehungsweise die Zartheit des aufbrechenden Frühlings, in dem sogar Regentropfen zu hören waren.

Zu seiner nächsten Eigenkomposition, die keinen Titel trägt, berichtete Petasch, wie sehr ihn das Lob einer deutschen Journalistin motiviert habe, als er das Stück zum ersten Mal spielte. Auch das folgende „Ballett für zehn Finger“ entstammt aus seiner Feder und trug dem Titel hinsichtlich der Fingerfertigkeit Petaschs Rechnung.

Ohne zwei Zugaben ließ ihn das heftig applaudierende Publikum nicht gehen. In der Etüde „Un sospiro“ von Franz Liszt, die ein häufiges Kreuzen der Hände erfordert, entstand durch die dramatische Melodie ein Wirbelsturm der Gefühle – auch dadurch geschuldet, dass sich die Dynamik zuweilen radikal änderte.

Die zweite Etüde, ebenfalls von Liszt, mit dem Titel „Gnomenreigen“ liebt Petasch besonders. Durch schnelle und weiche Passagen hörte man schier die Gnomen laufen und trippeln. Ein Konzerterlebnis der besonderen Art, das mehr als die rund 100 erschienenen Zuhörer verdient hätte.

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