Vernissage: „Mein Bild darf werden“

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Die Aquarellmalerin Edith Anna Beck aus Markdorf vor ihrem Bild „Apfelblüten“
Die Aquarellmalerin Edith Anna Beck aus Markdorf vor ihrem Bild „Apfelblüten“ (Foto: Christine Hofer-Runst)
Christine Hofer-Runst

Sie sei keine Künstlerin, und ein Atelier habe sie auch nicht; so sympathisch und uneitel stellte sich Edith Anna Beck aus Markdorf den zahlreichen Besuchern der Vernissage ihrer Ausstellung am Freitagabend im Kapitelsaal der Stadtbücherei in Maria Rosengarten vor. Ihre ausgestellten Aquarelle entstehen vielmehr in ihrer Malstube nach einer, streng gerasterten, Vorgehensweise.

„Eine Ausstellung zusammenzustellen, ist ein Wagnis. Treffen wir den Geschmack der Betrachter und spricht unsere Auswahl ihn an?“, leitete Beck ihre Ansprache ein. Zudem werde sie sehr häufig gefragt, wie ein Bild entstehe und wie lange sie dafür brauche. Der Weg führe sie dabei vom Abbild eines Gegenstandes zur eigenen Wahrnehmung. Ihre Bilder spiegeln die Emotionen des Gesehenen wider und werden zum Mitteilungsträger für den Betrachter.

Der Respekt vor dem weißen Blatt Papier, den die Künstlerin auch nach 30 Jahren empfindet, löse sich nach den ersten Pinselstrichen und weicht mutigem Schaffen und einem temperamentvollen Risiko. Ihrer Beschreibung nach, ist dieses Risiko jedoch wohl kalkuliert. In unzähligen Fortbildungen an der internationalen Akademie in Bruneck, bei Professor Heribert Mader, erlernte sie den professionellen Bildaufbau. Perspektiven, mehrschichtige Farbaufträge und die Stimmigkeit der Proportionen erzeugen beim Betrachter eine spannungsvolle Harmonie.

Blumen und Blüten zaubert Edith Anna Beck mit einer gefühlten Leichtigkeit und Zartheit auf das Papier. Realistisch, immer mit dem Hauch Lebhaftigkeit der natürlichen Schönheit präsentiert sie zarte Apfelblüten, Pfingstrosen und kräftig gelb leuchtende Sonnenblumen. Morbide Stillleben in dunklen Farbnuancen oder Darstellungen von Häusern und Gassen lassen die Vielseitigkeit der Malerin erkennen.

Besonders eindrucksvoll

Ganz besonders eindrucksvoll ist der, relativ neu geschaffene, Zyklus zum Erntedank. Vom Samenkorn im Topf bis zur reifen Frucht, erstreckt sich die Entstehungsgeschichte des Wachsens und Gedeihens. Dabei nutzt sie auch die Fläche des Passepartouts, um die Botschaft der Dankbarkeit über eine gelungene Ernte zu verdeutlichen. Alle Bilder haben einen gemeinsamen Tenor; die Genauigkeit, mit der die Künstlerin jedes Detail ausarbeitet, dabei aber niemals das Ganze aus den Augen verliert.

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