Vandalismus schockiert ganze Stadt: Unbekannte zerstören Züge für Torfwerksfest

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 Die entgleisten und verkeilten Wangen mussten mit schwerem Gerät geborgen werden.
Die entgleisten und verkeilten Wangen mussten mit schwerem Gerät geborgen werden. (Foto: Heimatverein Wurzen)
Christine Hofer-Runst

Zeugen und Helfer gesucht

Die Polizei ermittelt wegen der Sachbeschädigung. Zeugen, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag verdächtige Beobachtungen gemacht haben, werden gebeten, sich mit dem Polizeiposten Bad Wurzach unter 07564/2013 in Verbindung zu setzen.

Helfer, die beim Wiederaufbau der beschädigten Wagen mitarbeiten wollen, können unter der Telefonnummer 07564/3167 direkt mit dem Verein Kontakt aufnehmen. (cho)

„Es war furchtbar“, erzählt Norbert Vollmer, als er und andere Mitglieder des Heimatvereins die vermissten Züge schließlich entdeckt hatten. Die waren über Nacht plötzlich vom Museumsgelände verschwunden. Damit war auch das alljährliche Torfwerksfest in Gefahr.

Am Abend zuvor war noch alles in Ordnung. Die Vorbereitungen für das alljährliche Torfwerksfest waren am Samstag so gut wie abgeschlossen, die Züge waren mitsamt den Wagen auf den Gleisen positioniert und die Mitglieder des Heimatvereins Wurzen freuten sich auf eine erfolgreiche Torfwerkshockete.

Die Stadt Bad Wurzach verurteilt den völlig sinn- und grundlosen Vandalismus am Torfbähnle aufs Schärfste. Uns trifft es sehr, dass hier das in mühsamer und liebevoller Arbeit aufgebaute Werk Ehrenamtlicher, die sich in ihrer Freizeit und ohne Entgelt zur Attraktivität unserer Gemeinde einsetzen, in blinder Zerstörungswut derart beschädigt wurde.

Bürgermeisterin Alexandra Scherer

Umso größer dann der Schock, als der Vorsitzende Winfried Vincon am Sonntagmorgen gegen 7.30 Uhr das Museumsgelände betrat und feststellte, dass beide Züge verschwunden waren. Er sei natürlich sofort losgefahren und habe gesucht und kurz vor dem Haidgauer Torfwerk sei er fündig geworden, erzählt er.

Ihm und den mittlerweile hinzu gekommenen Helfern bot sich ein Bild des Schreckens. „Es war furchtbar“, kommentierte Norbert Vollmer das Gesehene. „Sämtliche Wagen waren ineinander verkeilt, eine Lok stand nicht mehr im Gleisbett und ein Wagen musste sogar aus der Ach geborgen werden und nur, dank des Einsatzes eines Unimogs, konnten wir die Züge auf das Museumsgelände zurückbringen“, sagte er.

Zurück im Museum zeigte dann erst sich das ganze Ausmaß des angerichteten Schadens. Drei Wagen waren definitiv so zerstört, dass ein Einsatz beim Fest undenkbar war. Die Anhängebolzen waren abgebrochen und die Holzböden stark demoliert. Erste, vorsichtige Schätzungen der Schadenshöhe liegen bei etwa 3500 Euro, wie Vollmer berichtet. Dabei seien die Arbeitsstunden aber noch nicht mit eingerechnet.

Gerüchte wabern durch die Region

„Die Stadt Bad Wurzach verurteilt den völlig sinn- und grundlosen Vandalismus am Torfbähnle aufs Schärfste. Uns trifft es sehr, dass hier das in mühsamer und liebevoller Arbeit aufgebaute Werk Ehrenamtlicher, die sich in ihrer Freizeit und ohne Entgelt zur Attraktivität unserer Gemeinde einsetzen, in blinder Zerstörungswut derart beschädigt wurde,“ zeigt sich auch Bürgermeisterin Alexandra Scherer bestürzt.

Wie groß der Schaden am Zufahrtstor des Torfwerkes Haidgau ist, kann noch nicht beziffert werden. Die Täter seien wohl in blinder Zerstörungswut mit der Lok mehrfach gegen das hölzerne Eingangstor gefahren.

Gerüchte, dass es in der Nacht auf dem Gelände des nahegelegenen Tennisvereins ebenfalls zu Sachbeschädigungen gekommen ist, bestätigten sich auf Nachfrage beim dortigen Vorsitzenden, Josef Mutter, nicht.

Zu diesem Zeitpunkt stand das Torfwerksfest auf der Kippe, denn das Bähnlefahren ist der Besuchermagnet schlechthin. In dieser Ausnahmesituation zeigte sich ganze Stärke und der Zusammenhalt in Bad Wurzachs größten und wichtigsten Heimatverein. Die Verantwortlichen schafften das fast Unmögliche, denn um 10 Uhr waren die Züge geborgen und pünktlich zum Festbeginn, eine Stunde später hieß es, für zahlreiche Besucher, „Abfahrt an Gleis 1“.

Obwohl den Helfern der Schrecken noch in den Gliedern steckte, die Stimmung ein wenig gedrückt war und die Zugfahrten mit drei Wagen weniger durchgeführt werden mussten, hielten die Besucher dem Verein die Treue.

Im Stadel hob Rosl Grösser die Stimmung mit handgemachter Musik und trotz aller Widrigkeiten im Vorfeld ließen sich die Gäste die traditionelle Torfstechermahlzeit – saurer Käs’ mit Kartoffeln und Quark – schmecken. Zur Kaffeestunde gesellten sich auch zahlreiche Riedspaziergänger dazu.

Das diesjährige Fest des Vereins konnte zwar einigermaßen gerettet werden, die 14-tägigen Fahrten des Bähnles sind ebenfalls nicht gefährdet, ob aber alle Gruppenfahrten durchgeführt werden können, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.

Zeugen und Helfer gesucht

Die Polizei ermittelt wegen der Sachbeschädigung. Zeugen, die in der Nacht von Samstag auf Sonntag verdächtige Beobachtungen gemacht haben, werden gebeten, sich mit dem Polizeiposten Bad Wurzach unter 07564/2013 in Verbindung zu setzen.

Helfer, die beim Wiederaufbau der beschädigten Wagen mitarbeiten wollen, können unter der Telefonnummer 07564/3167 direkt mit dem Verein Kontakt aufnehmen. (cho)

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