Umweltminister Franz Untersteller ist Gast beim Energiebündnis Bad Wurzach

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Das Podium zeigt von links: Ulrich Walz, Energie-Bündnis Bad Wurzach, Roland Bürkle, Bürgermeister Bad Wurzach, Johanna Moltma (Foto: Carmen Schwind)
Schwäbische Zeitung
Carmen Schwind

Das Energiebündnis Bad Wurzach hatte am Mittwoch Landesumweltminister Franz Untersteller zu einer Veranstaltung eingeladen. Nach einer Besichtigung der Windräder in Adelshofen und auf der Grabener Höhe (die Schwäbische Zeitung berichtete gestern darüber), stellte Franz Untersteller seine und die Energiepolitik des Landes im Kurhaus vor. Nachdem die Bundesregierung erst beschlossen hatte, die Laufzeit der Atomkraftwerke zu verlängern, haben die Ereignisse in Fukushima die Einstellung zur Kernenergie weltweit verändert. Der Landesumweltminister erklärte, dass er es der Bundesregierung hoch anrechne, dass sie das Ruder herumgeworfen habe, um so eine große Änderung mitzumachen. Er und seine Partei hätten entschieden, diese mitzutragen. Denn der Ausstieg aus der Atomenergie sei seiner Partei sehr wichtig.

Die Energiepolitik in Baden Württemberg steht aus Sicht von Franz Untersteller auf vier Säulen: Säule eins: Der Atomausstieg in Baden-Württemberg soll konsequent und zügig durchgesetzt werden. Säule zwei: Strom ist in einem Industrieland sehr wichtig. Sollen nun 20 000 Megawatt gesicherte Leistung abgeschaltet werden, ist es nötig woanders einzusteigen. Neue Kapazitäten werden benötigt, und hier kommen dann die erneuerbaren Energien ins Spiel. Säule drei: Wer von der alten in die neue Energiewelt wechseln will, muss sich anderen Herausforderungen der Infrastruktur stellen. Da augenblicklich im Norden mehr Energie hergestellt, im Süden mehr verbraucht wird, ist Speicherkapazität ein großes Thema für die Zukunft, für das es jetzt noch keine Lösung gibt. Säule vier: Energiesparen und Energieeffizienz sollen vorangebracht werden. „Viele Informationen sind gar nicht bekannt,“ sagte Franz Untersteller. „Zum Beispiel sind Heizungspumpen die größten Stromverbraucher im Haus.“ Durch den Einsatz von neuen Pumpen könnten Hausbesitzer jährlich etwa 100 Euro an Kosten sparen und würden damit einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Land belegt hinteren Platz

Beim Thema Solarenergie ging der Referent auf das Problem der Absenkung der Vergütungssätze ein. Er sprach auch die Windenergie an. Hier ist Baden-Württemberg im Ranking bei den Flächenländern auf dem letzten Platz; und das müsse schnellstens geändert werden. Mittlerweile seien die Windkrafträder richtige Kraftwerke und 130 bis 140 Meter hoch. „Die sieht man. Das ist der Preis der Energiewende,“ argumentierte Franz Untersteller. Eine gute Möglichkeit für die Akzeptanz dieser Anlagen sieht er darin, dass Bürger an ihnen beteiligt werden.

Nach seinem Vortrag gab der Landesumweltminister den Anwesenden noch 25 Minuten Zeit, um Fragen zu stellen; zur angekündigten Diskussion kam es aus Zeitgründen nicht. Hans Joachim Schodlok von der Bürgerinitiative „Landschaftsschützer Bad Wurzach“ las aus der Urkunde des Europadiploms vor, in der das Ministerium für ländlichen Raum das Wurzacher Moränengebiet schützen will. Auf seine Frage wie das Landesumweltministerium dazu stehe, antwortete Franz Untersteller, dass es dazu Genehmigungsverfahren gäbe und er so etwas hier nicht entscheiden würde. Ein Zuhörer war der Ansicht, dass das Konzept, mit Windkrafträdern genügend Strom zu erzeugen, nicht funktionieren könne. Hierzu meinte der Minister, die Entwicklung der Anlagen werde immer weiter gehen: „Ich will die guten Standorte mit mehr als sechs Metern Windkraft in der Sekunde.“ Auf die Frage, wie man den Netzausbau verbessern oder beschleunigen könne, meinte Franz Untersteller, er sehe keine Hinweise darauf, dass die EnBW die Anbindung verschleppen würde. Auch befürchtet er keine gesundheitlichen Auswirkungen des nicht hörbaren Infraschalls auf Menschen, die nur 500 Meter von einer Windkraftanlage entfernt wohnen. Lothar Prinz von „Natürlich fürs Allgäu e.V.“ griff das Thema der Entfernung zu Wohngebieten auf und verglich es mit anderen Ländern, in denen ein Abstand von mindestens 1000 Metern vorgeschrieben ist. Darauf antwortete Franz Untersteller mit einer Gegenfrage: „Würde ihre Initiative uns denn unterstützen, wenn wir den Mindestabstand auf 1000 Meter erhöhen würden?“

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