Streit um Lückengrundstück in der Zeilstraße

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 Auf diesem Grundstück der Stadt sollen drei Gebäude mit insgesamt 18 Wohnungen entstehen.
Auf diesem Grundstück der Stadt sollen drei Gebäude mit insgesamt 18 Wohnungen entstehen. (Foto: sl)
Redakteur Bad Wurzach

Auf einem freien Hanggrundstück in der Zeilstraße in Bad Wurzach plant die Stadt als Eigentümer den Bau von drei mehrstöckigen Mehrfamilienhäusern à sechs Wohnungen. Dabei stößt sie auf den Widerstand der Anwohner. In Kürze will sich die Verwaltung mit ihnen an einen Tisch setzen.

Die Zeilstraße kann beispielhaft für die Probleme der Lückenbebauung angesehen werden.Vom Gesetzgeber mit Nachdruck von den Kommunen als sogenannte Innenraumverdichtung gefordert, stößt sie immer wieder auf den Widerstand der Nachbarn.

Mit einem Brief haben sich mehrere Familien der Zeilstraße und der Kolpingstraße an Bürgermeisterin Alexandra Scherer und die „Schwäbische Zeitung“ gewandt. Sie hatten zuvor eine Bauanfrage des Rathauses erhalten und gegen diese Einsprüche vorgebracht. Damit wurde für dieses Bauvorhaben das Landratsamt Ravensburg zuständig. Und das hat Ende Juli einen positiven Bauvorbescheid für das 3437 Quadratmeter große Grundstück mit zahlreichen Bäumen erteilt.

Ein Bauvorbescheid ist keine Baugenehmigung, sondern, vereinfacht ausgedrückt, die Feststellung, dass eine Bebauung rechtlich grundsätzlich möglich ist.

Mehrere Argumente gegen Bauten

Die Anwohner führen mehrere Argumente gegen eine Bebauung ins Feld: eine überdimensionierte Bauweise, eine fehler- beziehungsweise mangelhafte Untersuchung des Baugrunds, eine Überbelastung der Straßeninfrastruktur, eine Beeinträchtigung des Stadtklimas in der Siedlung und die Zerstörung eines Biotops für Tiere und Pflanzen. „Keine unserer Bedenken wurde aufgenommen und floss auch nicht in die Planung mit ein. Es ist wie eine Scheinbeteiligung“, heißt es nun im Brief der Anwohner Kuxhaus, Sigg, Gut, Wahl, Poindecker, Kunz, Schmid und Bader.

In der Tat weist das Landratsamt alle Einwendungen zurück. Eine nicht in die Siedlung passende Überdimensionierung sei nicht gegeben, so die Behörde, die auf mehrere Mehrfamilienhäuser im Sonnenbergweg verweist und schlussfolgert: „Das Bauvorhaben fügt sich in die Umgebungsbebauung ein.“ Auch nachbarschützende Belange würden nicht verletzt.

Ein von der Stadt in Auftrag gegebener artenschutzrechtlicher Kurzbericht stellt gleichzeitig fest, dass kein Biotop im Sinne des Naturschutzgesetzes vorliegt. Zwar stuft das Lindauer Büro Sieber das Gebiet als „hochwertig“ ein und will auch nicht ausschließen, dass dort, wie von den Anwohnern angeführt, Fledermäuse nicht nur jagen, sondern auch nisten. „Verbotstatbestände“ sieht es jedoch nicht, wenn es Ausgleichsmaßnahmen wie Nistkästen und Nachpflanzungen an anderer Stelle geben wird.

„Grundsätzlich verständlich“ nennt das Landratsamt die Bedenken der Anwohner hinsichtlich des Stadtklimas. Das Grundstück schaffe einen Ausgleich zu den warmen Abwinden der Glasfabrik und des Glasrecyclinghofs, hatten die eingewandt. Aber, so das Landratsamt, das Grundstück sei eben nun mal als potenzielles Bauland vorgesehen.

Nicht eingegangen ist die Behörde auf Bedenken der Anwohner hinsichtlich des stark wasserhaltigen Baugrunds und der Hanglage (vor allem die Bewohner der oberhalb gelegenen Häuser an der Kolpingstraße befürchten beim Abtragen des Hangs Schäden an ihren Gebäuden) und der Verkehrsbelastung. Solche Punkte seien im Rahmen der Baugenehmigung abzuklären.

Ganz allgemein betont das Landratsamt, dass „jeder Nachbar damit rechnen“ muss, dass angrenzende Grundstücke bebaut werden. Damit werde „die bisher gewohnte Wohnraum/Privatsphäre“ beeinflusst, doch dies sei „im Rahmen der Gesetze hinzunehmen“. Die Anwohner von Zeilstraße und Kolpingstraße hoffen indes, dass es beim Treffen mit der Stadtverwaltung möglich sein wird, „zusammen einen Kompromiss zu finden, von dem alle Seiten profitieren können“. Sie schlagen zum Beispiel vor, nur einen Teil der 3437 Quadratmeter zu bebauen und dabei den Baumbestand zu erhalten. Einen Investor für das Bauprojekt hat die Stadt nach eigener Aussage noch nicht.

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