Stefan Reusch liefert ein geistreich-bissiges Politkabarett auf der Adler-Livebühne

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 Genüsslich den Blick zurück mit feinem Schalk im Gesicht: Stefan Reusch.
Genüsslich den Blick zurück mit feinem Schalk im Gesicht: Stefan Reusch. (Foto: Schweigert)
Karl-Heinz Schweigert

Er hat ihn wirklich, den klugen Kopf, der voll ist mit Humor und Intelligenz, feinsinnigen Wortspielen, mit denen er geistreich in hohem Tempo das Geschehen und die Akteure des vergangenen Jahres sezierte: Stefan Reusch trat im Dietmannser Adler auf.

Der Künstler ist seit drei Jahren im Adler der richtige Mann, um mit ihm die kalorienreich belastenden Feiertage hinter sich zu lassen und die Zellen im Oberstübchen der Zuhörer wieder richtig in Schwung zu bringen. Mit seinem bissig zielsicheren Politkabarett nahm er so mit spitzer Feder ziemlich alles und alle auf das Korn, mal mit herrlichen Wort- und Satzfragmenten, mal mit gewollten Versprechern und verqueren Songs.

Fein gesetzte Mimik und Gestik

Mit fein gesetzter Mimik und Gestik entlarvt Reusch das allzu Menschliche, wie als ein Höhepunkt im Programm beim „Gespräch mit Greta“ in Pfälzer Mundart. Gelungen zudem seine Spitzen und wortakrobatischen Formulierungen gegen unverbesserliche Ignoranten der Klimakrise („Lieber zwei Grad mehr Temperatur als zwei Grad weniger Freizeit“) und gegen resistente Politiker, wie zum Beispiel: „Er wurde lautlos und wir sind die Maut los.“

Nicht verschont wurden von dem gelernten Unterhaltungsredakteur im SWR zudem die „Großkotz-Koalition“ und eine „fehlerhafte Demokratie bei der Wahl der EU-Präsidentin“, die seine daher erfolglose Bewerbung zur Folge hatte. Mit dem leichten Florett rührte so der Solokabarettist aus Köln mit sicherer Hand im unerschöpflich reichen Schatz der deutschen Sprache. Damit machte er gemäß des Programm-Titels „Reusch rettet 2019“ doch so manch Unverdauliches aus der Vergangenheit wieder für das Publikum bekömmlich, was dieses dankbar mit anhaltendem Applaus quittierte.

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