Stadt und Rat wollen Zeichen gegen Fracking setzen

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Vielerorts regen sich Proteste gegen das sogenannte Fracking. Auch die Stadt Bad Wurzach sowie deren Gemeinderat haben sich jüng (Foto: Martin Schutt/dpa)
Schwäbische Zeitung
Carmen Schwind

Mit zwei Gegenstimmen hat der Gemeinderat in der vergangenen Sitzung beschlossen, dass klar Stellung gegen die umstrittene Fracking-Methode bezogen werden soll. Neben den anderen an das Feld Engelsberg angrenzenden Gemeinden war auch Bad Wurzach aufgefordert worden, Stellung zum Antrag der Wintershall Holding GmbH zu nehmen, die im genannten Feld Kohlewasserstoffe aufsuchen will.

Andreas Haufler vom städtischen Bauamt zeigte auf, dass es in der Region um den Engelsberg zwei Wasserschutzgebiete, das Natura 2000-Gebiet und mehrere Biotope gibt. Zudem leben hier 2000 Menschen. Haufler hatte auch ein Karte im Internet gefunden, die aufzeigt, dass es in der Gegend wahrscheinlich Schiefergasvorkommen gibt, das eben üblicherweise mit der Fracking-Methode abgebaut wird. „Gegen konventionelle Förderung haben wir keine Einwände, aber bei Fracking ist das Risiko zu groß“, sagte Andreas Haufler. Außerdem wies er auf das veraltete Bergbaurecht hin, dass aber das Wasserschutzgesetz hier wirken müsse.

Haufler trug vor, dass die beantragte Erlaubnis nicht dazu berechtigt, bergrechtliche Arbeiten vorzunehmen oder dazu erforderlichen Anlagen zu errichten. Bis zur Förderung von unkonventionellen Gas- und Ölvorkommen seien von den Betreibern folgende Genehmigungsverfahren zu durchlaufen: Erst die Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen, dann eine Genehmigung für konkrete Untersuchungen und erst dann eine Genehmigung zur Gewinnung von Gas oder Öl. Die zuständige Behörde für all diese Verfahren ist das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg beim Regierungspräsidium Freiburg.

Auch Bürgermeister Roland stimmte der konventionellen Ölförderung zu, „aber Chemie im Boden, das ist falsch“. Er wolle mit der Stellungnahme der Stadt, „einem Brief mit Wappen und Siegel“, der Firma Wintershall ein deutliches Signal setzen. „Wie soll ich einem Gartenbesitzer erklären, du darfst dieses und jenes Mittel nicht benutzen, aber eine Firma darf Gift in unseren Boden geben“, erklärte der Bürgermeister seine Position. Und weiter: „Wenn mir jemand in fünf Jahren beweist, dass das alles ungefährlich ist, ändere ich meine Meinung.“

Gemeinderat Hansjörg Schick wandte ein, dass es dem Gemeinderat nicht egal sein könne, ob man vom Öl und Gas aus Russland abhängig sei. Er sagte, dass man Vertrauen in die Verwaltungen und ins Gesetz haben müsse und nicht grundsätzlich nein sagen dürfe. Gemeinderat Hermann Müller konnte der Wirkung der Stellungnahme ebenfalls nicht zustimmen, denn aus seiner Sicht sei das eine Bitte, und nur eine Bitte zu richten sei zu schwach.

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