Stadt kauft zusätzlichen Wohnraum

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Die Containeranlage neben dem Hallenbad am Ried bietet Platz für 48 Menschen.
Die Containeranlage neben dem Hallenbad am Ried bietet Platz für 48 Menschen. (Foto: Steffen Lang)
Redakteur Bad Wurzach

Die Stadt Bad Wurzach kauft dem Landkreis die Containeranlage am Hallenbad am Ried ab. Damit will sie die angespannte Unterbringungssituation für Flüchtlinge und Obdachlose verbessern.

Zum 31. März dieses Jahres – das sind zurzeit die aktuellsten offiziellen Zahlen – befanden sich 237 Flüchtlinge in Bad Wurzach. 56 davon in der Erstunterbringung, für die der Landkreis zuständig ist, in Containeranlagen in Hauerz, Haidgau und Arnach. Für 181 Personen, davon 132 alleinstehend, in der sogenannten Anschlussunterbingung ist die Stadt zuständig. Diese Zahlen nannte Dezernent Frank Högerle am Montag im Gemeinderat.

81 der „städtischen“ Flüchtlinge leben in selbst angemieteten Wohnungen. Die anderen sind in von der Stadt angemieteten Wohnungen oder in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, wofür sie Gebühren zahlen müssen.

Aufgrund seiner Einwohnerzahl müsste Bad Wurzach 268 Geflüchtete aufnehmen, bis Jahresende wird sich diese Zahl nach Berechnungen des Landratsamts auf 288 erhöhen. „Damit fehlen uns etwa 30 Plätze“, so Högerle, dem gleichzeitig die steigende Zahl an Obdachlosen zu schaffen macht. „Aktuell sind etwa 40 Menschen obdachlos. Das nimmt zu. Auch um diese Personen kümmern wir uns und stellen ihnen Wohnraum zur Verfügung.“ „Flüchtlinge sind nicht besser untergebracht als Obdachlose“, betonte Bürgermeister Roland Bürkle in diesem Zusammenhang. „Wir versuchen auch stets, Obdachlose nicht in Sammelunterkünften unterzubringen.“

Um die Situation kurzfristig zu entschärfen, wird die Stadt nun die Containeranlage am Hallenbad (Birkenweg) kaufen. Der Kaufpreis beträgt 92 000 Euro. „Ein vernünftiger Preis“, so Bürkle. Die Anlage aus dem Jahr 2015 steht seit gut einem Jahr leer, bietet Platz für 48 Personen und befindet sich nach Auskunft der Stadt in einem guten baulichen Zustand.

Bislang hatte die Stadt geplant, die Containeranlage an der Leutkircher Straße zu übernehmen. Die bekäme sie zwar für weniger Geld. Sie ist aber älter und in einem schlechten Zustand, sodass Instandsetzung plus Kaufpreis insgesamt teurer gekommen wären. Gleichzeitig sucht die Stadt Investoren, die auf städtischen Grundstücken Mehrfamilienhäuser bauen. Als Gegenleistung für das Grundstück müssen sie zumindest einen Teil der Wohnungen zu sozial verträglichen Mieten anbieten.

Den Kauf der Anlage am Birkenweg genehmigte der Gemeinderat ebenso einstimmig wie die Aufstockung einer 80-Prozent-Stelle auf eine bis März 2019 befristete Vollzeitstelle für das Integrationsmanagement der Stadt. Diese umfasst damit nun zwei Vollzeitstellen. Högerle und Bürkle begründeten dies mit dem erhöhten Arbeitsaufkommen. Die beiden Mitarbeiter kümmern sich um Integrationsmaßnahmen sowie um alles rund um die städtischen Unterkünfte für Flüchtlinge und Obdachlose.

Bürkle: „Ein finanziell vertretbares Ergebnis“

Angesichts der durch diese beiden Beschlüsse anfallenden Mehrkosten hoben Bürkle und Högerle hervor, dass die Stadt in den Jahren 2015 bis 2017 für die Erfüllung ihrer Unterkunfts- und Integrationspflicht unterm Strich insgesamt 47 000 Euro ausgeben musste. Dies sei „ein finanziell vertretbares Ergebnis vor dem Hintergrund der Dimension dieser Herausforderung“, sagte der Bürgermeister.

Die freilich alleine von der Stadtverwaltung nicht hätte bewältigt werden können. So gab’s von Bürkle und aus den Reihen des Gemeinderats auch viel Lob für die „wertvolle Arbeit“ der Ehrenamtlichen in den Helferkreisen. Stadtrat Berthold Kiebler (CDU) sprach von einer „Meisterleistung der Stadt und der Helferkreise“.

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