Seit 90 Jahren feiert Bad Wurzach das Heilig-Blutfest

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Die Heilig-Blutreliquie, ein blutgetränktes Tuchstücklein, ist seit 1933 in ein silber-vergoldetes Standkreuz gefasst.
Die Heilig-Blutreliquie, ein blutgetränktes Tuchstücklein, ist seit 1933 in ein silber-vergoldetes Standkreuz gefasst. (Foto: Archiv: Steffen Lang)
Redakteur Bad Wurzach

Das feierliche Pontifikalamt auf dem Gottesberg und die Bergpredigt am Nachmittag werden vom Fernsehsender KTV ab 10.30 Uhr (Pontifikalamt) und 14.30 Uhr (Bergpredigt) übertragen. Um 18.30 Uhr gibt es einen Dokumentarfilm über die Heilig-Kreuz-Kirche.

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Auf den Tag genau 90 Jahre nach dem ersten Bad Wurzacher Heilig-Blutfest findet dieser höchste örtliche Feiertag an diesem Freitag, 13. Juli, statt.

Als Leitmotto hat Weihbischof Matthäus Karrer „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15) ausgewählt.

Der Blutritt in Bad Wurzach gilt mit mehr als 1500 Reitern und gut 5000 Wallfahrern als die zweitgrößte Reiterprozession Mitteleuropas nach Weingarten. Im Gegensatz zu Weingarten dürfen in Bad Wurzach auch Frauen mitreiten. Ein weiterer Unterschied ist, dass der Heilig-Blutträger in einem vierspännigen Landauer gefahren wird.

1924 führten die Salvatorianer-Patres die feierliche Verehrung des kostbaren Blutes wieder ein, indem sie jährlich einmal die Blutreliquie dem Volk zur Verehrung aussetzten. Dies hatte es zuvor bereits zwischen 1763/64 und 1806 gegeben. Am 13. Juli 1928 wurde das erste Heilig-Blut-Fest mit 350 Reitern abgehalten. 1933 fanden erstmals eine Lichterprozession am Sonntag zuvor und am Festtag selbst ein Pontifikalamt statt.

Fürst setzt sich ein

Nach Ausbruch des Krieges wurde die Feier im Freien verboten. Am 22. Juli 1945 fand wieder das erste Blutfest nach Kriegsende in aller Öffentlichkeit statt. Dies war dem Fürst von Zeil zu verdanken, der der französischen Besatzungsverwaltung die Aufhebung des Rede- und Versammlungsverbots für diesen Tag abringen konnte. Neben Gottesdiensten in St. Verena und auf dem Gottesberg gab es in diesem Jahr aber nur eine Lichterprozession. Erst 1946 gab es wieder eine Reiterprozession, mit 280 Reitern und fünf Musikkapellen.

Die Reliquie, ein blutgetränktes Tuchstücklein, war zunächst in eine kleine, vergoldete Monstranz eingefügt. 1930 wurde es in ein silber-vergoldetes Standkreuz gefasst. Dieses ist verziert mit grünen Schmucksteinen auf goldenen Rosetten und einem ovalem Kristallglas über der von einem Weintraubenornament eingerahmten Reliquie. Außen befinden sich sieben Passions-Medaillons.

Pontifikalamt und Bergpredigt

Das Heilig-Blutfest am Freitag beginnt um 7 Uhr mit der Abholung der Heilig-Blutreliquie in der Stadtpfarrkirche St. Verena. Von dort aus wird sie zum ersten Stationsaltar am Schlossportal gebracht. Dort wird die erste Abteilung von insgesamt 66 Reitergruppen gesegnet. Der Weg führt Reiter und Heilig-Blutwagen über Schloss- und Achbergstraße hinaus in Land und Flur. Weitere Stationsaltäre befinden sich beim Josenhof, in Truschwende und Reinstein.

Von dort kehrt die Reiterprozession zurück zum Gottesberg, an dessen Wegkreuz die zweite Reiterabteilung gesegnet wird.

Vor der Wallfahrtskirche Zum Heiligen Kreuz findet um 10.30 Uhr das feierliche Pontifikalamt mit Weihbischof Matthäus Karrer statt. Um 14.30 Uhr hält dort Prior Pater Stefan Kling die Bergpredigt.

In seinem Grußwort an die Pilgern erinnert sich Weihbischof Karrer daran, dass er als Zehnjähriger mit den Großeltern nach Bad Wurzach zum Heilig-Blutfest gepilgert ist. Jahre später begleitete er mehrfach als Geistlicher die Reitergruppe aus Seibranz. So sei es nun für ihn „ein Stück Heimkehr“.

Gesperrt und geschlossen

Für die Prozession werden nach Angaben der Stadt die Innenstadt und die Ortsrandstraße III Richtung Aitrach/Memmingen vormittags für den Verkehr gesperrt. Mit dem Auto kann deshalb insbesondere die Innenstadt zwischen ungefähr 5 und 12 Uhr nicht befahren werden. Bewohner, die ihr Fahrzeug in dieser Zeit benötigen, werden gebeten, dieses rechtzeitig vor der Sperrung außerhalb der Innenstadt abzustellen. Die Ortsrandstraße III ist von etwa 8.30 bis 11 Uhr gesperrt. In dieser Zeit kann der Gottesberg nicht über die Ortsrandstraße III angefahren werden. Die Bevölkerung wird gebeten, ihre Häuser zu schmücken (Fahnen, Tücher, Birken, Blumen). Inhaber von Verkaufsständen werden gebeten, die Arbeit der Wallfahrtskommission mit einer Spende zu unterstützen. Die Stadt weist außerdem darauf hin, dass Gaststätten erst nach Ende der Prozession mit der Außenbewirtung beginnen dürfen. Stadtbibliothek, Stadtverwaltung, Bürgerbüro (auch am 14. Juli) und die Bad Wurzach Info haben am Blutfreitag geschlossen.

Änderungen im Busverkehr

Bad Wurzach – Ravensburg Linie 7534: fährt über die Dr.-Harry-Wiegand-Straße und beginnt/endet am alten Feuerwehrhaus/DRK.

Bad Wurzach – Biberach Linie 216 und 253: fährt über die Biberacher Straße und beginnt/endet am alten Feuerwehrhaus/DRK.

Bad Wurzach-Kißlegg-Waltershofen Linie 7549: fährt bis zum Betriebshof der Firma Ehrmann und beginnt/endet dort.

Bad Wurzach – Wangen Linie 7550: beginnt/endet am Betriebshof der Firma Ehrmann.

Bad Wurzach – Aichstetten Linie 7552: beginnt/endet am Betriebshof der Firma Ehrmann.

Aulendorf – Bad Wurzach - Leutkirch Linie 7554: fährt über die Ortsrandstraße und bedient die Ersatzhaltestelle am Betriebshof der Firma Ehrmann.

Von 5 bis 12 Uhr entfallen die Haltestellen Post, Ravensburger Straße, Leutkircher Straße und Kurverwaltung. Die Haltestelle Reischberg-Klinik kann den ganzen Tag nicht bedient werden.

Die Buslinien 7534, 216, 253 , 7549, 7550, 7552 und 7554 fahren wie an Schultagen. 59, 60, 110 und 111 wie an Ferientagen.

Das feierliche Pontifikalamt auf dem Gottesberg und die Bergpredigt am Nachmittag werden vom Fernsehsender KTV ab 10.30 Uhr (Pontifikalamt) und 14.30 Uhr (Bergpredigt) übertragen. Um 18.30 Uhr gibt es einen Dokumentarfilm über die Heilig-Kreuz-Kirche.

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