Schlüssel zur Macht sind nun fest in Narrenhand

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Bürgermeisterin Alexandra Scherer übergibt Zunftmeister Markus Birk den Rathausschlüssel.
Bürgermeisterin Alexandra Scherer übergibt Zunftmeister Markus Birk den Rathausschlüssel. (Foto: Steffen Lang)
Stellv. Redaktionsleiter/Redakteur Bad Wurzach
Christine Hofer-Runst

Die Narren regieren in Stadt und Land. Sie haben am Gumpigen Donnerstag die Macht in den Rathäusern der Großgemeinde übernommen.

Bad Wurzachs Bürgermeisterin beklagte sich zwar beim Rathaussturm ein wenig darüber, dass sie nach kurzer Amtszeit abgesetzt wird – „kaum bin ich im Amt angekommen, wird mir der Schlüssel schon wieder abgenommen“ –, aber ganz so unrecht schien ihr das dann doch nicht zu sein. Immerhin gab sie dem Bad Wurzacher Zunftmeister Markus Birk nicht nur den Rathausschlüssel, sondern auch einen ganzen Sack voll Aufgaben mit: Die Narren sollen sich nun um den Hallenbadbau kümmern, das Logo weiter bearbeiten und einen Kurhauspächter finden. Letzteren könnten sich die Narren ja vielleicht vom Seibranzer Backhausverein backen lassen, so der Tipp der Entmachteten.

Ein zweites Stuttgart 21?

Ob die Narren damit so glücklich werden? Der Hallenbadbau erinnert Birk nämlich ein wenig an Stuttgart 21, und auch, was das Kurhaus betrifft, hat er so seine Zweifel, ob das noch was wird. Die geplanten Hundetoiletten hält er dagegen für eine sehr gute Idee.

Scherer habe sich bei der Bürgermeisterwahl als „für die Mannsbilder eine Nummer zu schwer“ erwiesen, äußerte der Zunftmeister angesichts ihres klaren Siegs gegen mehrere Mitbewerber zudem großen Respekt. Auch „Chief“ Franz-Josef Maier lobte die Bürgermeisterin und warnte alle, sich genau zu überlegen, „was ihr euch von der Frau Scherer wollt wünscha“. Denn die setze das dann auch um, und zwar „it glei, glei – noi prompt und sofort“.

Der Narrenbau steht

Die mit Fanfarenzug und Narren auf den Platz beim Stadtbrunnen marschierten Zimmersleute stellten dann mit vereinten Kräften den Narrenbaum vor dem Rathaus auf. Und wer meint, der stünde nicht gerade, dem sei gesagt: Der Baum steht nicht schief, das Rathaus tut’s.

Großer Schreck in Haidgau

Auch in den Ortschaften entmachteten die Narren die Gemeindechefs. In Haidgau nutzte es Ortsvorsteherin Ernestina Frick auch nichts, dass sie das Rathaus kurzerhand als Arztpraxis ausgab. Die Chadalohs um Zunftmeister „Wasi“ Daniel Wassner, die zuvor Schul- und Kindergartenkinder befreit und den Narrenbaum gesetzt hatten, ließen sich nicht täuschen. Im Sitzungssaal freilich waren sie entsetzt, zeigte ihnen Ernestina Frick doch ein Skelett in Narrenhäs, das unterm Ratstisch kauert: „Den habt ihr letztes Jahr hier zurückgelassen, den armen Kerl.“

Der Schreck währte freilich nur kurz, und so musste die Ortsvorsteherin den Rathausschlüssel trotzdem herausrücken – und der ersten närrischen Sitzung stand nichts mehr im Wege.

Begeisterte Seibranzer Kinder

In Seibranz befreiten die Langjupp mit ihrem Vorsitzenden Willy „Bu“ Butscher und die Vollgas-Bänd zuallerst die Grundschüler. Die Kinder waren natürlich hellauf begeistert, als Rektorin Elena Wild und ihr Lehrerkollegium von den Hästrägern abgeführt wurde.

Beim anschließenden Rathaussturm übergab Ortsvorsteher Thomas Wiest sein Territorium nicht vollkommen kampflos. Nach einem verbalen Schlagabtausch erreichten die Narren aber ihr Ziel, nahmen Wiest kurzentschlossen den Schlüssel ab und feierten den Erfolg anschließend im Sitzungssaal des Rathauses. Der bunte Narrenzug marschierte anschließend in die Festhalle, wo auf die hungrigen Akteure bereits ein leckeres Mittagessen wartete. Nach der Stärkung mit Pommes, Wurst und Leberkäse startete das offizielle Programm des Kinderballs mit der Vollgas-Bänd. Sie heizten den Gästen gleich zu Beginn richtig ein und erwiesen sich als wahre Stimmungsmacher.

Schlaue Mäuse und coole Hunde

Zunftmeister Willy Bu hatte alle Hände voll zu tun, um die temperamentvolle Rasselbande in Schach zu halten und die Bühne für die Grundschüler frei zu geben. Schlaue Mäuse, coole Hunde und verrückte Hühner waren dort zu bestaunen, bevor wilde Inlinekünstler ihre schwungvollen Runden drehten. Die Lehrerinnen mussten ihr tänzerisches Talent auf der Bühne ebenfalls unter Beweis stellen. Zwischen den Showeinlagen von Bliems Bunter Bühne hatten die Kinder ausreichend Gelegenheit, zu springen, zu toben oder auch einen leckeren Muffin zu probieren.

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