Scherer: Seibranz wird neuer Entwicklungsschwerpunkt

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Bürgermeisterin Alexandra Scherer freut sich sichtlich über den Blumenstrauß, den sie von ihrem Stellvertreter Klaus Schütt erhä
Bürgermeisterin Alexandra Scherer freut sich sichtlich über den Blumenstrauß, den sie von ihrem Stellvertreter Klaus Schütt erhält. (Foto: Fotos: lang)
Stellv. Redaktionsleiter/Redakteur Bad Wurzach

Die Stadt Bad Wurzach führt „interessante Verhandlungen“ mit einem möglichen Pächter für das Kurhaus. Das sagte Bürgermeisterin Alexandra Scherer in ihrer Rede beim Neujahrsempfang am Freitagabend im Kursaal. Sie kündigte zudem an, dass Seibranz „neuer Schwerpunkt für die Innenentwicklung“ werden wird.

Bei ihrer Premiere ließ es sich auch die im vergangenen April gewählte Bürgermeisterin nicht nehmen, jeden Gast einzeln zu begrüßen. Darunter befanden sich auch ihre Amtsvorgänger Roland Bürkle und Helmuth Morczinietz.

Zu Beginn ihrer Neujahrsrede war Alexandra Scherer ihre Nervosität noch etwas anzumerken, doch hatte sie diese schnell im Griff. Sie empfinde auch nach einem halben Jahr als Rathauschefin noch den von Hermann Hesse beschriebenen Zauber des Anfangs, sagte sie. Und lobte das „überaus große bürgerschaftliche und ehrenamtliche Engagement“ einer aufgeschlossenen und dennoch bodenständigen Bürgerschaft. Das seien „allerbeste Voraussetzungen für ein gutes Miteinander in einer lebendigen und vielfältigen Stadt“. Es mache ihr „richtig Freude, hier mitzuarbeiten“.

Akzeptanz wird wachsen

Einer Stadt, so Scherer weiter, der es an Herausforderungen nicht mangele. Als erstes nannte sie den Neubau eines Hallenbads. Nach vielen intensiven Diskussionen freue sie sich auf den Baubeginn, „denn wenn man sieht, wie etwas wächst und Gutes entsteht, dann wachsen auch das Verständnis und die Akzeptanz dafür.“ Bestes Beispiel sei Maria Rosengarten mit dem Klosterplatz.

Sie dankte in diesem Zusammenhang den DLRG-Mitgliedern und den Helfern in Hauerz, ohne die der Betrieb der Bad Wurzacher Bäder nicht möglich sei. Scherers Dank ging ebenso an die Bundestagsabgeordneten Josef Rief (CDU) und Martin Gerster (SPD) für ihren Einsatz im Ringen um eine Bundesförderung für den Badbau.

Die Bürgermeisterin sprach auch das Thema an, das den Bad Wurzachern am meisten bewegt: das leerstehende Kurhaus. Das Rathaus arbeite daran, „dass das Kurhaus schon längst wieder gut verpachtet ist“, wenn das neue Bad Ende 2020 eingeweiht wird, sagte sie und erhielt dafür spontanen Beifall. Derzeit führe die Stadt „sehr interessante Verhandlungen“ mit einem möglichen Pächter, „der Erfahrung mit einer solchen Gastronomie hat“. Eine Weiterführung des Kurhauses unter städtischer Regie lehnte sie ab. Dies sei „derzeit keine Überlegung“. Auch die Stadt könne qualifiziertes Personal „nicht herbeizaubern“.

Ein weiteres Projekt ist laut Alexandra Scherer die Ertüchtigung des Kurhotels als nächsten Schritt nach der Sanierung der Moorbadeabteilung. Dies werde man nun zügig angehen, auch wenn das den städtischen Haushalt vor Herausforderungen stelle. Doch die Haushaltsdaten seien gut, betonte die Bürgermeisterin. Man rechne auch 2019 mit „bedeutenden“ Steuereinnahmen.

Diese sind auch nötig, um eine Daueraufgabe der Stadt erfüllen zu können: der Erhalt der Dezentralität der Großgemeinde, den Scherer aber nicht als „Fluch der Fläche“ sehen mag, sondern als „Freude an der Vielfalt“ – „was nicht heißt, dass wir nicht auch grundsätzlich offen wären für Veränderungen, wenn sich die Notwendigkeit ergibt“, schob Scherer hinterher. Die Bürgermeisterin der drittgrößten Flächengemeinde des Landes machte sich daher auch mit Blick auf die anwesende Landtagsabgeordnete Petra Krebs (Grüne) für den derzeit diskutierten Flächen-Finanzausgleich stark. Dieser würde es der Stadt auch etwas leichter machen, das Mammutprojekt Breitbandausbau voranzutreiben.

Akuter Handlungsbedarf

Mit Mitteln aus dem Landes-Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum werde die Stadt den neuen Schwerpunkt für die Innenentwicklung in Seibranz legen, kündigte Alexandra Scherer an. Dort bestehe mit der Schule und ihren „leerstehenden und sanierungsbedürftigen Räumen“ sowie mit hohem Bedarf für Vereinsräume „akuter Handlungsbedarf“. Nach der Kommunalwahl Ende Mai werde man in die Gespräche einsteigen.

Weiteres Bauland zu schaffen zählte Scherer als weiteres Projekt der Stadt auf. Dabei werde man „mit Bedacht und der notwendigen Sorgfalt“, gerade hinsichtlich der Landwirtschaft und des Naturschutzes, vorgehen, versprach sie.

Klaus Schütt rief in seiner Rede als Bürgermeister-Stellvertreter alle auf, sich für die im Mai anstehenden Kommunalwahlen als Kandidaten zur Verfügung zu stellen. Jeder sei für das Leben in der Stadt verantwortlich, berief er sich auf Papst Franziskus. Zudem forderte er auf, auch wählen zu gehen.

Eine gute Wahl hätten die Bad Wurzacher getroffen, als sie Alexandra Scherer zur Bürgermeisterin bestimmten, so Schütt weiter. Sie habe sich schnell und hervorragend eingearbeitet. Als Dank überreichte er ihr einen Blumenstrauß. Für ihren Ehemann Erwin gab es einen guten Tropfen als kleines Trostpflaster dafür, dass er oft auf seine Gattin verzichten muss. Eine Flasche Wein, „der er selbst als Bürgermeister noch eingekauft hat“, gab es auch für Scherers Vorgänger Roland Bürkle.

Viel Lob für den Bauhof

Schütt dankte, wie bereits Scherer vor ihm, ausdrücklich dem Bauhof für seine sehr gute Arbeit beim Winterdienst. Lobend erwähnte der Bürgermeister-Stellvertreter auch die städtischen Bediensteten. Namentlich nannte er die Dezernatsleiter Frank Högerle, Matthäus Rude und Stefan Kunz, Elke Osterkamp als Leiterin der Bürgermeisterwahl, Markus Bazan als Geschäftsführer der Kurbetriebe, Verena Niedermaier, Nadja Münsch und Ulrike Linge vom Vorzimmer der Bürgermeisterin sowie Martin Tapper als Öffentlichkeitsbeauftragten.

„Miteinander, nicht gegeneinander bewältigen wir die Herausforderungen für unsere Stadt“, zeigte sich Klaus Schütt überdies überzeugt.

Die Stadtkapelle sorgte mit den Stücken „Olympiada“ von Samuel R. Hazo und „Lexicon of the Gods“ von Rossano Galante für einen würdigen Rahmen der Veranstaltung. Diese klang mit vielen guten Gesprächen und Bewirtung durch den Liederkranz Eintürnen aus.

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