Sanierung des Bad Wurzacher Kurhotels verzögert sich

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 Marcel Wiesendt (links) präsentiert im Gemeinderat gemeinsam mit Markus Bazan den überarbeiteten Wirtschaftsplan des Kurbetrieb
Marcel Wiesendt (links) präsentiert im Gemeinderat gemeinsam mit Markus Bazan den überarbeiteten Wirtschaftsplan des Kurbetriebs. (Foto: Steffen Lang)
Stellv. Redaktionsleiter/Redakteur Bad Wurzach

Stadtverwaltung und Gemeinderat sind bei der Sanierung des Kurhotels auf die Bremse getreten. Statt in diesem Sommer soll sie nun erst im Frühjahr 2020 beginnen. Einige Stadträte fand dabei klare Worte in Richtung Kur-Geschäftsführung.

„Unser Programm war zu ehrgeizig, zu sportlich“, erläuterte Bürgermeisterin Alexandra Scherer (CDU) die überraschende Entwicklung. Noch im Januar hatte der Kurbetrieb seinen Wirtschaftsplan 2019 vorgelegt, in dem die Sanierung vorgesehen war. Doch in der Vorberatung dieses Plans in einer nicht öffentlichen Sitzung des Kurbetriebsausschusses des Gemeinderats habe man gemerkt, „dass eine Planänderung notwendig ist“, so Scherer. Nun wolle man eine detaillierte Bauplanung entwerfen.

Ursprünglich hatte die Stadt die Gesamtsanierungsmaßnahme auf fünf Jahre, bis einschließlich 2022, angesetzt. Dann aber wollte man sie schneller umsetzen, bis einschließlich 2020, mit zwei Bauabschnitten im Juli/August 2019 und im Sommer 2020. Nun soll es einen Bauabschnitt ab Frühjahr 2020 geben.

„Höhere Komplexität“

Die Baumaßnahme habe „eine höhere Komplexität als ursprünglich angenommen“, heißt es nun. Einen für Gäste und Mitarbeiter reibungslosen Ablauf der Arbeiten sah man offenbar ebenso gefährdet wie die Kostensicherheit. Bei einer längeren Vorlaufzeit hofft man auf „eine höhere Chance, geeignete Firmen zu finden und den Bauablauf zu optimieren“.

„Dies ist keine Abkehr von der Sanierungsstrategie“, war es Scherer wichtig zu betonen. Weiterhin stünden dem Kurbetrieb dafür 3,5 Millionen Euro, hälftig aufgeteilt auf die Jahre 2019 und 2020, zur Verfügung. „Wir wollen eine Sanierung machen, und wir wollen sie gut machen.“ Sich habe man erkannt: „Wenn es gut werden soll, dann müssen wir jetzt, im Beratungsprozess, etwa ändern, und nicht hinterher.“

Künftig öffentlich

Als Kommunikationsfehler gestand Alexandra Scherer ein, dass die Planänderung erst zur Gemeinderatssitzung öffentlich wurde und zuvor nicht öffentlich im Ausschuss behandelt worden war. „Das nehme ich auf meine Kappe.“ Künftig würden diese Vorberatungen öffentlich gemacht, kündigte sie an.

Marcel Wiesendt, stellvertretender Geschäftsführer des Kurbetriebs, stellte anschließend das neue Zahlenwerk vor. Demzufolge wird in diesem Jahr nur die (kleinere) Umgestaltung des Anrichteraums im Gastronomieteil angegangen. Außerdem werden die weiteren Maßnahmen „detailliert geplant“. 2020 sollen dann Restaurant und Hotelzimmer neu gestaltet werden, die Hotelzimmer ein neues Schließsystem erhalten und ein TV/Gäste-Wlan-System installiert werden. Ferner sollen Therapieabteilung und Vitalium (zusätzliche Sauna und Renovierung) angegangen werden.

Noch zwei Millionenverluste

Die gesamten Restrukturierungsmaßnahmen kosten in diesem Jahr rund 914 000 Euro, die als Verlust gebucht werden. Der zusätzliche Verlust aus der laufenden Geschäftstätigkeit betragen laut Plan rund 608 000 Euro. 2020 geht die Geschäftsführung des Kurbetriebs aufgrund der Baumaßnahmen von einem Jahresverlust von 3,2 Millionen aus. Nach einem nahezu ausgeglichenen Jahr 2021 sollen ab 2022 dann schwarze Zahlen geschrieben werden.

„Wir stehen zum Kurbetrieb“, sagte CDU-Fraktionssprecher Hermann Müller allen Irrungen und Wirrungen zum Trotz. „Wir müssen aber den lastenden Rucksack des strukturellen Defizits schnell ablegen.“ Er appellierte eindringlich an das Personal, die Veränderungen mitzutragen.

„Ihr macht, was Ihr wollt“

Die Planänderung sei „zwischen Bürgermeisterin und Kur-Geschäftsführung heiß diskutiert“ gewesen, ließ Karl-Heinz Buschle (FW) Meinungsverschiedenheiten mehr als nur durchblicken. Zwar stünden auch die Freien Wähler „hinter unserem Kurbetrieb“, aber mit der Geschäftsführung zeigte er sich nicht eben glücklich. „Manchmal denk’ ich, Ihr macht, was Ihr wollt, und nicht, was wir wollen“, sagte er in Richtung Wiesendt und dessen Chef Markus Bazan. Einiges laufe „nicht immer rund“, kritisierte Buschle. „Wir erwarten aber, dass Ihr das Ding ins Laufen bringt.“ Die Stimmung im Haus sei seines Wissens „nicht optimal“, die Kommunikation vor allem mit Stammgästen „beschissen“. „Das alles zu ändern, ist auch Ihre Aufgabe“, schrieb er Bazan und Wiesendt ins Stammbuch.

„Dann muss geliefert werden“

Auch Berthold Kibler (CDU) erwartet von der Geschäftsführung Ergebnisse. Fünf Jahre habe man ihr für die Umstrukturierung Zeit gegeben, „dann muss geliefert werden“, sagte er ebenso bedacht wie eindringlich. Jetzt aber wäre es falsch, nach dem ersten Schritt (der Modernisierung der Moorbadeabteilung, d. Red.) unsicher zu werden und „nicht mehr an unser Ziel zu glauben“, mahnte der Christdemokrat. Schneller bedeute für ihn dabei aber „nicht kopflos, sondern überlegt zu handeln“. Daher halte er eine saubere Planung jetzt für sinnvoll.

Franz-Josef Maier mahnte für die Fraktion „Mir Wurzacher“ eindringlich an, die Zeit bis Sanierungsbeginn für eine durchsetzungsfähige Planung zu nutzen.

Erträge „enttäuschend“

Klaus Schütt (CDU) merkte an, es sei „enttäuschend“, dass sich die Erträge aus der Moorbadeabteilung, trotz deren umfangreichen Modernisierung, 2019 nach Plan nur von 302 000 auf 340 000 Euro erhöhen.

„Resultat der Diskussion für mich ist, dass nächstes Jahr wieder alles gleich, nur anders ist“, machte Hermann Gütler (CDU) seinem Unmut Luft. Die Situation sei „schlichtweg nicht zufriedenstellend. Das passt mir alles hinten und vorne nicht.“ Er stimmte daher auch (als einziger) gegen den Wirtschaftsplan des Kurbetriebs, sein Fraktionskollege Heinz Schele enthielt sich der Stimme.

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