Predigt zu Mindestlohn und Chefgehältern

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Für Pastoralreferent Werner Langenbacher ist es ein Skandal, dass man nach 45 Jahren Arbeit mit Mindestlohn eine Rente bekommt,
Für Pastoralreferent Werner Langenbacher ist es ein Skandal, dass man nach 45 Jahren Arbeit mit Mindestlohn eine Rente bekommt, bei der man auf Grundsicherung angewiesen ist. (Foto: Gragnato)

Passend zum Aktionsjahr „Armut – Reichtum – Soziale Ungerechtigkeit?!“ veranstaltet die evangelische Kirchengemeinde Bad Wurzach im Juli eine ökumenische Predigtreihe, die am vergangenen Sonntag mit Betriebsseelsorger und Pastoralreferent Werner Langenbacher aus Ravensburg ihren Anfang genommen hat. Er kritisierte besonders die hohen Gehälter von Konzernchefs.

In seiner Predigt ging Langenbacher darauf ein, dass es – obwohl wir uns in Zeiten von Vollbeschäftigung, mit jährlichen Export-Rekorden und erwirtschafteten Überschüssen befänden – dennoch Menschen gebe, die nahe an der Armutsgefährdungsgrenze leben würden. Auch im reichen Oberschwaben. Menschen, die trotz einer 40-Stunden-Woche nicht genug verdienen würden.

Der Mindestlohn beträgt aktuell 8,84 Euro. Das ergibt bei einer Vollzeittätigkeit nicht einmal 1100 Euro im Monat – ab 1033 Euro gilt man in Deutschland als arm. Caritas und Diakonie fordern einen Mindestlohn von zwölf Euro. Zudem kenne er genügend Fälle, bei denen der Mindestlohn unterlaufen werde, beispielsweise indem zusätzliche Stunden ohne Entlohnung gefordert würden; oder in der Gastronomie, in der die Kost bis dato frei war, nun aber zum Verkaufspreis in Rechnung gestellt würde.

Rente auf Grundsicherung

Skandalös bezeichnete Langenbacher auch, dass man nach 45 Jahren Arbeit mit Mindestlohn eine Rente bekomme, bei der man auf Grundsicherung angewiesen sei. Er stellte die Frage, ob das nicht entwürdigend sei – sowohl für denjenigen, der trotz Arbeit kaum genug zum Leben habe, als auch für eine Gesellschaft, die dies toleriere. Und er kritisierte, welche Maßstäbe diese Gesellschaft anlege, in der ein Konzernvorstand 79-mal so viel verdiene wie ein Arbeitnehmer mit Tariflohn.

Verantwortung wahrnehmen

Langenbacher zitierte das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg, die nach ihrem Bedarf entlohnt wurden – von einem Silberstück konnte man sich und seine Familie damals einen Tag ernähren. Der Weinbergbesitzer hat seine Verantwortung den Arbeitern gegenüber wahrgenommen. Auch heute trage das Kapital Verantwortung. Er schloss mit den Worten „ein gutes Leben braucht auch gute Arbeit“.

Der Gottesdienst wurde musikalisch bereichert vom Kirchenchor St. Verena unter Leitung von Robert Häusle, der auch an der Orgel sein Können zeigte. Es schloss sich ein Ständerling an mit lebhaften Diskussionen der ökumenischen Gottesdienstbesucher zum Thema.

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