Peter Schad ist früh der Faszination der Blasmusik erlegen

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 Peter Schad will stets sein Publikum so begeistern, dass es mit glänzenden Augen nach Hause geht.
Peter Schad will stets sein Publikum so begeistern, dass es mit glänzenden Augen nach Hause geht. (Foto: Foto Haag)
Stellv. Redaktionsleiter/Redakteur Bad Wurzach

Sein Publikum so sehr zu begeistern, dass es mit glänzenden Augen nach Hause geht. Dieses Ziel setzt sich Peter Schad für jedes seiner Konzerte. Am kommenden Wochenende tritt er zweimal im Kursaal seiner Heimatstadt Bad Wurzach auf.

Peter Schad und seine Oberschwäbischen Dorfmusikanten sind seit vielen Jahren ein Gütesiegel für Blasmusik, in der Region und weit darüber hinaus. 1983 wurde die Formation gegründet. „Ich war schon in jungen Jahren Dirigent des Musikvereins Ellwangen“, erinnert sich Peter Schad an die Entstehungsgeschichte. „Dort hatten wir auch eine kleine Besetzung, mit der wir anfangs zum Beispiel auf Hochzeiten gespielt haben. Das hat allen Spaß gemacht, und die Auftritte wurde immer mehr.“

Geburtsstunde beim Hafenkonzert

Schließlich habe man 1983 beim Hafenkonzert des damaligen Südwestfunks auftreten dürfen. Das gilt heute als Geburtsstunde der Dorfmusikanten. „Von da an nahm's immer größere Dimensionen an, und nach einem Jahr haben wir unsere erste CD veröffentlicht“, erzählt der 66-Jährige.

In den vergangenen fast 36 Jahren hatten der Bad Wurzacher und seine Oberschwäbischen Dorfmusikanten Hunderte Auftritte, etwa 20 bis 25 sind es pro Jahr, und alle zwei Jahre wird eine neue CD herausgegeben. „Über all die Jahre hat dabei stets der Spaß an der Freude dominiert“, sagt Peter Schad. Dass dabei auch noch Geld verdient wurde, verschweigt er nicht: „Das gehört natürlich auch dazu.“

Aufgehört zu zählen

Er selbst leitet nicht nur das Orchester, sondern hat in den vergangenen Jahrzehnten an die 200 Werke – „ich habe mittlerweile aufgehört, sie zu zählen“ – komponiert. Ein Erfolgsrezept dafür habe er nicht, erzählt er. „Man steht nicht morgens auf, geht in den Garten und sagt sich: So, jetzt komponiere ich eine Polka.“ Mit den Jahren habe sich aber sein Umgang mit Ideen geändert, fährt er fort. „Früher habe ich die gleich aufgeschrieben. Heute warte ich damit etwas. Und wenn die Idee wirklich gut ist, dann bleibt sie auch in meinem Kopf.“

Aufpassen müsse er angesichts des Umfangs seines Gesamtwerks aber, „dass ich mich nicht wiederhole. Da muss man auch mal was in den Papierkorb schmeißen.“

„Vielfältig statt einfältig“

18 Musiker aus den Landkreisen Ravensburg und Biberach bilden das Orchester. Einige andere hat Peter Schad in der Hinterhand, wenn jemand aus der Stammbesetzung verhindert ist. Musiker, die neben ihrem Engagement als Dorfmusikant auch noch viele andere Aufgaben zu erledigen haben, zum Beispiel als Dirigent. „Vielfältig statt einfältig“ müsse ein Musiker sein, so der Bad Wurzacher, der selbst auch unter anderem den Männerchor Alttann leitet, lächelnd.

Peter Schad erzählt, dass er als Sohn eines Musikers früh „der Faszination der Blasmusik“ erlegen sei. „Auf schlechten Instrumenten musste ich mir aber selbst das meiste beibringen, aber es hat immer richtig Spaß gemacht. Ohne Posaune bin ich fast nie aus dem Haus.“

Nach dem Abitur in Bad Wurzach ging's zum Wehrdienst. Die Bundeswehr erkannte das große musikalische Vermögen seines Rekruten und teilte ihm dem Heeresmusikkorps 9 in Stuttgart zu. „Das war ein großes Privileg. Der Bauernbub, der nie richtigen Unterricht hatte, zusammen mit den vielen Berufsmusikern“, erinnert sich Peter Schad.

Als Lehrer ans Salvatorkolleg

Nach seiner Wehrpflichtzeit studierte er an der Musikhochschule in Stuttgart und ging dann als Musik- und Geschichtslehrer zurück ans Bad Wurzacher Gymnasium Salvatorkolleg. Viele heutige Berufsmusiker seien dort durch seine Hände gegangen, sagt er.

Seine historischen Kenntnisse nutzte er vor einigen Jahren auch als Autor. 2013 erschien sein Roman „Dann gehn wir halt nach Ungarn“. Er erzählt die Geschichte eines oberschwäbischen Bauernsohns im 18. Jahrhundert, der nach Ungarn auswandert.

„Blasmusik neu erfunden“

Zu diesem Thema sei er auch über seine Musik gekommen, sagt Peter Schad und erklärt: „Nach dem zweiten Weltkrieg haben Vertriebene aus dem Böhmerland, dem Egerland oder dem ungarischen Burgenland, bei uns die Blasmusik neu erfunden.“

Seit dem Erscheinen seines Buchs ist Peter Schad auch oft zu Lesungen unterwegs, die er mit Gesang und Akkordeon musikalisch ergänzt. „Viele fragen nach einem zweiten Band“, sagt der 66-Jährige, „weil dieses Buch ja mit der Auswanderung endet. Aber eine weitere Recherche wäre sehr aufwendig, dazu müsste ich für Monate nach Ungarn.“ Eher unwahrscheinlich sei es daher, dass es eine Fortsetzung gibt. „Aber ich schreib' schon wieder mal ein Buch, aber worum's da dann geht, weiß ich selbst noch nicht.“

Mit dem Schreiben ist es eben wie mit dem Komponieren. Man muss die Geduld haben, auf die gute Idee zu warten.

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