Redakteur Bad Wurzach

„Lieber was Rechts, als jeder für sich.“ Nach diesem Motto feiern in Eggmannsried am kommen Sonntag, 8. Juli, Musikkapelle und Stelzenmühle gemeinsam.

Die neue Fahne der Musikkapelle, die allererste in der Geschichte des Vereins, ist ein Anlass des Fests. Die mit 25 Musikern kleinste der 114 Kapellen im Blasmusik-Kreisverband Ravensburg, hat sie zwar schon Anfang Dezember beim Jahreskonzert vorgestellt. Und sie war seitdem auch schon mehrfach im Einsatz. Aber so richtig gefeiert wurde die Anschaffung bisher nicht. Das wird nun planmäßig getan.

Die Heimatseite der neuen Fahne zeigt die Eggmannsrieder Kirche. Die Vereinsseite ziert eine Instrumentengruppe mit dem Spruch „Ein Leben mit Blasmusik“. „Was in Eggmannsried auf viele Musiker zutrifft“, wie Florian Straub stolz sagt. Er bildet mit Thomas Auzinger und Franz Merk den dreiköpfigen Vorstand der Musikkapelle. Und Dirigent Bernd Butscher aus Dietmanns hat ein Musikstück gleichen Titels komponiert.

Butscher ist beim Fest übrigens vor allem auf der Bühne zu finden. Er ist Gründungsmitglied der Umland-Musikanten, die am Sonntag für die Musik sorgen werden.

Fahnenträger ist der ehemalige Eggmannsrieder Musikant Hermann Gütler. Cornet und Waldhorn hat er viele Jahre bis zu seinem „musikalischen Ruhestand“ in der Kapelle gespielt. „Es hat mich sehr gefreut, als die Musiker nun auf mich zugekommen sind.“

Immerhin ist seine ganze Familie mit ihr verbunden. „Ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube, seit es die Kapelle gibt, war ein Gütler dabei“, sagt er. Und das ist gesichert zumindest seit 1910/11, eine „Harmoniegesellschaft“ ist schon 1850 in dem Ort beurkundet.

Die Familie Gütler, und damit ist der zweite Anlass des Fests am Sonntag erreicht, hat freilich in dem kleinen Ort an der Kreisgrenze zu Biberach eine noch viel ältere Tradition. Verbürgt seit 1678 betreibt sie die Stelzenmühle. Hermann Gütler tut dies in der zehnten Generation.

„Das Pfarrbuch von Eggmannsried beginn im Jahr 1678 mit seinen Aufzeichnungen“, erzählt der Müller. „Der erste Eintrag ist die Taufe von Anna als Tochter von Maria Maucherin und Adam Gütler, dem Müller von der Stelzenmühle.“ Seitdem ist die Betriebsgeschichte über alle Wirren der 340 Jahre lückenlos dokumentiert.

Die Geschichte der Mühle begann indes schon viel früher, wie Gütler zu berichten weiß. Gebaut wurde sie im 14. Jahrhundert im Auftrag des Chorherrenstifts Waldsee. Das verkaufte sie 1492 an eine Familie unbekannten Namens. In den darauf folgenden Jahren verliert sich in Bauernkrieg und Dreißigjährigem Krieg ihre Spur bis zu eben jenem Pfarrbucheintrag.

Angetrieben wurde sie damals von Wasser, das, wie Gütle erzählt, am Berg zwischen St. Sebastian und Grabener Höhe angestaut und dann in Kanäle gefasst hinunter lief. „Die Stelzenmühle war damals der erste Stützpunkt einer Mühlenkette bis nach Ummendorf. Papiermühle, Sägemühle, Hammerschmiede ... wohl bis zu 40 Betriebe lagen an dem Kanal.“ Und eben die Gütlersche Getreidemühle, die heute der älteste produzierende Betrieb in der Kommune Bad Wurzach ist.

30 bis 50 Tonnen Getreide verarbeitet sie pro Tag. Der Rohstoff stammt aus einem Umkreis von rund 60 Kilometern. „Ein kleines, aber sehr feines Gebiet“, sagt Hermann Gütler stolz. „Das ist wie ein kleiner Weinberg, der den besten Tropfen liefert.“ Das kann man auch auf die Stelzenmühle beziehen, die zu den sehr kleinen Betrieben ihrer Art zählt. Die größte württembergische Mühle hat eine Tagesproduktion von 1000 Tonnen, die größte deutsche produziert 3000 Tonnen. Zu den Kunden zählt dabei die Hausfrau mit der 1-Kilo-Tüte ebenso wie große Betriebe, die bis zu 25 Tonnen abnehmen.

Gütler hat die Geschichte fest im Blick, doch noch wichtiger ist ihm als Geschäftsmann die Zukunft. „Es ist schön, wenn man weiß, wo man herkommt, und wir sind in der Region tief verwurzelt. Aber es ist wichtig, dass man weiß, wie man in die Zukunft geht, denn wir wollen ja weiter machen.“

Dass es weitergeht, und das in Gütlerscher Familienhand, sei gesichert, erzählt der 52-jährige Hermann Gütler. Die älteste Tochter studiert Lebensmitteltechnologie in Weihenstephan, überhaupt seien alle seine Kinder „sehr engagiert“ im Familienbetrieb.

Viel Grund also, „was Rechts“ zu feiern. Zumal das 300-Jahr-Jubiläum der Stelzenmühle nicht gefeiert werden konnte. Wenige Jahre zuvor war der Betrieb abgebrannt. „Da war fürs Feiern nichts da, wir musste von Null wieder aufbauen.“

„Aber irgendwann passt es dann, und dann muss man auch“, freut sich Hermann Gütler aufs bevorstehende Fest. Das beginnt um 9 Uhr mit einem Gottesdienst mit Fahnenweihe, umrahmt von der Musikkapelle Eggmannsried. Ab 10.30 Uhr ist Frühschoppen mit Mittagstisch mit den Umland-Musikanten.

Um 13.30 Uhr startet der kleine Festumzug von Egmannsried zur Stelzenmühle mit den Musikkapellen aus Unterschwarzach, Dietmanns, Haidgau, Mühlhausen und Haisterkirch sowie Fahnenabordnungen heimischer Vereine. Am Festgelände gibt’s einen Gesamtchor, bevor im und ums Festzelt weitergefeiert wird.

Für die Kinder ist eine Spielstraße aufgebaut, die Schützenvereine aus Bad Wurzach (TSG) und Bad Waldsee (VSG) bieten eine Schießbude und Bogenschießen an. Für Technikinteressierte gibt’s einen Hybrid-Lkw zu bestaunen. „In die Mühle kann man ein bisschen reinspickeln“, sagt Gütler. Komplette Führungen sind schon aus Hygienegründen nicht möglich.

Es wird, so versprechen Straub und Gütler, „einfach ein schönes Fest für Dorf und Umland, für alle unsere Freunde und Kameraden.“

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