Moderne Technik zum Anfassen

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Wenn die Schüler die Koordinaten nicht sauber eingaben, konnte sich der Roboterarm auch mal in die Schmollecke zurückziehen.
Wenn die Schüler die Koordinaten nicht sauber eingaben, konnte sich der Roboterarm auch mal in die Schmollecke zurückziehen. (Foto: Ulrich Gresser)
Ulrich Gresser

Direkt neben der Riedsporthalle in Bad Wurzach hat sich in den vergangenen Tagen eine begehbare, mobile Industrie- und Technikwelt aufgetürmt, die fast so hoch ragte wie die Halle selbst. Auf zwei Stockwerken hatten die Schüler des Schulzentrums Gelegenheit, einzutauchen in die Welt der modernen Industrie, auch um sich für die eigene Berufswahl zu orientieren.

Baden-Württemberg ist ein europaweit führendes Hightech-Land. Neben der Automobilwirtschaft und dem Maschinen- und Anlagenbau boomen Branchen wie Medizintechnik oder Umwelttechnologie. Sie alle brauchen Fachkräfte. Um den Bedarf gerecht zu werden, hat der Arbeitgeberverband Südwestmetall die Initiative „Discover Industry - Chancen, Berufe, Zukunft“ ins Leben gerufen. Dabei werden mit einer mobilen Industriewelt junge Menschen zu einer Entdeckungsreise in den industriellen Produktentstehungsprozess eingeladen.

Angeleitet von den beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Judith Flurer und Jana Weßing durften die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8b der Realschule im Inneren des Ausstellungsfahrzeugs an fünf Arbeitsstationen die Welt der modernen Industrie kennenlernen. Zur Einführung gab es einen multimedialen Streifzug durch mehrere Jahrhunderte Industriegeschichte. Damit bekamen die jungen Menschen einen Einblick in die sich immer mehr verfeinernde industrielle Herstellung von Massenprodukten.

Im Anschluss durften die Kids, aufgeteilt in fünf Gruppen „selbst Hand“ anlegen. Für ein Produkt braucht es eine Idee, einen Plan. Folgerichtig wurde an Station eins gezeigt, wie man mit CAD-Programmen neue Teile entwickelt. „Reverse Engineering“ nennt sich das Verfahren, bei dem alte Bauteile, für die es keine digitalen Daten gibt, in 3-D eingescannt werden. Dass es hierfür durchaus viel Feingefühl braucht, merkten die Schülerinnen und Schüler sehr schnell, als sie es selbst versuchen durften.

An der zweiten Arbeitsstation ging es in den Windkanal: Hier durften sie im Modell-Windkanal verschiedene Objekte, etwa Autos, auf ihre Windschnittigkeit testen. Ein Roboter mit durchaus menschlichen Eigenschaften erwartete die dritte Gruppe. Dieser konnte durchaus beleidigt sein, wenn die Anweisungen in Form von Koordinaten an ihn nicht exakt genug waren und er seine programmierten Ziele nicht erreichte.

Am vierten Arbeitsplatz übernahm die Maschine das Kommando: Die Schüler bekamen bei der Smart-Factory vom System gesagt, wie die Montage erfolgen soll, da das intelligente Produkt seine Auftrags und Fertigungsdaten selbst kennt. Beim fünften Arbeitsplatz schließlich entdeckten die Schüler, wie komplex eine intelligente Lagerhaltung ist, damit die für die Fertigung wichtigen Materialien zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.

Neben dieser aktiven Einbindung bietet der Truck zahlreiche andere Möglichkeiten, sich über die Berufsbilder und womöglich ihrer eigenen beruflichen Zukunft zu informieren. Zudem gibt es einen Quiz zu Erfindungen und Patenten von berühmten schwäbischen Tüftlern, aber auch verschiedene Werkstoffe, die im 3-D-Drucker verarbeitet werden können.

Die Schüler hatten auf jeden Fall viel Spaß bei dem zwei Doppelstunden umfassenden Workshop. Und vielleicht kam ja der eine oder andere auf den Geschmack und ergreift nach seiner Schulzeit einen der vorgestellten Berufe. Es wären den Initiatoren von Discover-Industry – der Bundesagentur für Arbeit, Südwestmetall und der Baden-Württemberg Stiftung – zu gönnen, über dieses Aktionsprogramm einen Beitrag zu leisten, um den evidenten Fachkräftemangel zu beheben.

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