Michael Altinger macht vor nichts Halt

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Michael Altinger setzt im „Adler“ Erkenntnispunkte.
Michael Altinger setzt im „Adler“ Erkenntnispunkte. (Foto: Yvonne Giwitsch)
Yvonne Giwitsch

Der Gasthof Adler in Dietmanns ist als Kleinkunstbühne längst schon mehr als ein Geheimtipp. Mit einem erlesenen Programm locken die verantwortlichen Organisatoren immer wieder unzählige Menschen aus Nah und Fern in den Saal im ersten Stock.

Michael Altinger, bekannt als Gastgeber und Moderator der Sendung „Schlachthof“ im Bayrischen Rundfunk, hat auch den Weg in das kleine beschauliche Dorf gefunden – nicht als Tourist, nein als echter Publikumsmagnet. Mit seinem neuen Soloprogramm „Hell“ beleuchtete er Alltagsthemen mal von einer ganz anderen Seite.

Voller Ängste

Getrieben von einer Vielzahl von Ängsten („ Aus unseren Kinder wird nichts ohne Abitur ? Aus unseren Kindern wird nichts mit Abitur? Wie verbringen wir unsere Lebenszeit? Wir putzen mit Sachen, da machen andere Bomben draus!“) vermittelt der Vollblutkabarettist die Erkenntnis, dass Unfälle eben dann passieren, wenn man was macht, also aktiv ist.

Michael Altinger setzt Erkenntnispunkte.

Die Erkenntnis, dass nicht alles, was es gibt, sinnvoll und notwendig ist. Gabionen, Pergola, grüne Smoothies oder Glasschiebetüren vor Toiletten im Konzepthotel gehören wohl zu den Dingen, die einer dann erst haben will, wenn er endlich mal weiß, wie sie heißen.

Unsägliche Angelegenheit

Die Erkenntnis, dass gut sein gar nicht so einfach ist. Ein kleiner Verkehrsunfall beim Einparken ( „female style“) mit gütlicher Einigung der beiden Unfallbeteiligten entwickelt sich im Lauf des Abend zu einer unsäglichen Angelegenheit, die finanziell und moralisch viel fordert.

Die Erkenntnis, dass Glaube nicht unbedingt Welten versetzt. Trotz Kirchensteuer und tiefem Glauben („ der Mensch denkt, Gott…“) parkt Gott das Auto eben nicht unfallfrei ein und kann auch das Gutachten nicht glaubhaft machen. Selbst die Schöpfungsgeschichte kann nicht erklären, warum Gott keine serienmäßige Einparkhilfe geschaffen hat. Und das „ewige Licht“ ist nun mal einfach keine Glühbirne.

Mit einem Augenzwinkern

Michael Altinger macht vor nichts Halt. Alles, was zum alltäglichen Leben gehört, wird mit einem Augenzwinkern überzogen und satirisch dargestellt, sei es das Versicherungswesen, die Erziehung heute und früher, die Schule, der „Theoretikerbaumarkt“, denn den Praktiker gibt es ja nicht mehr) oder der Feminismus, der ohne Männer wie ihn gar nicht entstanden wäre.

Mit seiner ihm eigenen mimischen Vielfalt, seiner rotzfrechen Art an sensibelste Themen heranzugehen und seinen Songs („mich dünkt, ich bräucht ein Liedelein“), begeisterte der Kabarettist das Publikum im ausverkauften Saal und regte zum Nachdenken an. Seinen Gedankensprüngen zu folgen, war nicht immer leicht, lohnte sich aber auf jeden Fall.

Begeisterter Applaus

Denn das Publikum folgte ihm, mal kopfschüttelnd, mal schmunzelnd, mal lachend – aber stets mit begeistertem Applaus.

„Hell“ ist der erste Teil einer Kabarett-Trilogie, die es immer dunkler werden lassen wird. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht und ob Martin Julius Faber als „Band“ des Kabarettisten noch genug Nerven haben wird, weiterhin schweigend zu musizieren, obwohl Michael Altinger einige bitterböse Pointen auch an ihn als Anspielpartner schickt.

Nächster Gast im „Adler“ ist Philipp Weber. „Durst – Warten auf Merlot" heißt das Kabarettprogramm des diplomierten Biologen und Chemikers. Er präsentiert es am Samstag, 5. November, ab 20 Uhr.30 Uhr in Dietmanns. „Der Tübinger Turboquassler bringt Klarheit in die trüben Gewässer der deutschen Trinkkultur“, kündigt der Veranstalter an. (ymo)

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