Melodien im Ohr und Geschichten im Gedächtnis

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 In der Kapelle spielen (von links) Max Hadwiger, Gregor Holzmann, Renate Schiele, Gisela Hecht und Rainer Hlawatschek.
In der Kapelle spielen (von links) Max Hadwiger, Gregor Holzmann, Renate Schiele, Gisela Hecht und Rainer Hlawatschek. (Foto: Hans Reichert)
Hans Reichert

Im Licht des frühen Herbstabends liegt das Leprosenhaus, als knapp einhundert Besucher der Einladung zu einer Auszeit mit Musik und Texten in die Kapelle kommen.

Die früheren Bewohner mussten dort abgesondert von der Stadt eine lebenslange Auszeit verbringen, denn niemand wollte mit den Aussätzigen in Gemeinschaft leben. Ein Trost mögen sie in der angebauten Kapelle gefunden haben. So wie die neu zugezogenen Protestanten in der Nachkriegszeit. Sie konnten in der Kapelle Gottesdienste und Konfirmationen feiern, bis vor 60 Jahren eine evangelische Kirche gebaut war.

Text über verzweifelten Abt

An Gebete und christliches Leben erinnerte Max Hadwiger mit ausgewählten Texten. Wie die von dem verzweifelten Abt. Sein Kloster war mitten im Niedergang. Von einem Einsiedler bekam er gesagt: „Einer von euch ist der Messias und ihr erkennt ihn nicht.“ Also behandelten sich die Mönche wieder im Geist der Liebe, denn „man kann ja nie wissen“, und mit der klösterlichen Gemeinschaft ging es wieder aufwärts.

Vom richtigen Beten handelte diese Geschichte: Auf dem Weg zum Tempel hatte ein Mann sein Gebetbuch nicht dabei. Er hatte ein schlechtes Gewissen, weil er die vorgeschriebenen Gebete nicht auswendig konnte. Er bat: „Herr, ich sage dir das ABC fünfmal auswendig vor und du kannst doch die Gebete aus den Buchstaben zusammensetzen!“

Volksweisen und „Feierabendmusig“

Zu dieser „Bauernschläue“ passte anschließend der „Boarische Ländler“ , wie auch die Volksweisen aus der Steiermark und aus dem Brixnertal. Gregor Holzmann hatte ein gutes Team von Musikanten für seine „Feierabendmusig“ um sich geschart. Renate Schiele (Hackbrett) war für die Kirchenmusik in Diepoldshofen verantwortlich, Rainer Hlawatschek legte ein grundsolides Fundament mit dem Kontrabass. Gisela Hecht (Gitarre und Flöte) hatte beim Studium in der bayerischen Landeshauptstadt ihre Liebe zur Volksmusik vertieft. Man kennt Gregor Holzmann von vielen Auftritten und aus mehreren Formationen, wie die Wirtshausmusik oder die Vierermusik. Sein Name bürgt für Qualität.

Die Besucher dankten mit langanhaltendem Beifall. Hildegard Kussauer von Leprosenhausverein war der Stadt für die eingeschaltete Fußbodenheizung und dem Heizgerät vom Bauhof dankbar. Die Zugabe war eine Eigenkomposition von Gregor Holzmann: „Für Franziska“. Er widmete sie an diesem Abend allen so zahlreich Gekommenen. Die traten an diesem kalten Novemberabend hinaus in den Nebel mit Melodien im Ohr und Geschichten im Gedächtnis.

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