Lebensräume für Insekten und Menschen schaffen

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Bürgermeisterin Alexandra Scherer (links), Landschaftsarchitektin Simone Kern und Franz Renner beim Rundgang durch die Ausstellu
Bürgermeisterin Alexandra Scherer (links), Landschaftsarchitektin Simone Kern und Franz Renner beim Rundgang durch die Ausstellung im Naturschutzzentrum. (Foto: Otto Schöllhorn)
Otto Schöllhorn

Die Eröffnung der Ausstellung „Bienen - die Bestäuber der Welt“ im Naturschutzzentrum Wurzacher Ried ist für Bürgermeisterin Alexandra Scherer der erste öffentliche Auftritt in Bad Wurzach gewesen. In ihrer Funktion als Vorsitzende der Stiftung des Naturschutzzentrums ging sie pointiert auf das Wesen der Bienen, dem drittwichtigsten Nutztier, ein.

Angesichts der Tatsache, dass 70 Prozent der Insekten ausgestorben seien, sei es umso erforderlicher, dass jeder einzelne einen Teil dazu beitrage, diese negative Entwicklung aufzuhalten und dem Trend zur Versteinerung und Verkiesung der Gärten, in denen keine Blüte mehr zu finden sei, zu trotzen. 70 Prozent der pflanzlichen Nahrungsmittel seien auf Bestäubung angewiesen. Entsetzlich die Vorstellung, wenn Menschen mit Pinseln diese Aufgabe übernehmen müssten.

Der Sinn dieser Ausstellung sei es, dafür ein Bewusstsein zu wecken. Ihr Dank galt besonders Franz Renner vom Naturschutzzentrum, der diese Ausstellung aufgebaut hat.

Eine Ausstellung mit großformatigen Fotos von Heidi und Hans-Jürgen Koch, die durch ungewöhnliche Blickwinkel die bedrohte Welt der Bienen darstellt und mit erklärenden Texten viele Informationen über das Volk der Bienen bietet.

Renner konnte für den Einführungsvortrag zu dieser Ausstellung die Landschaftsarchitektin Simone Kern aus Argenbühl gewinnen. In ihrem anschaulich mit Fotos unterlegten Vortrag in Anlehnung an ihr Buch „Mein Garten summt. Ein Platz für Bienen, Schmetterlinge und Hummeln“, stellte sie dar, was jeder machen kann, um den Bienen und Insekten zu helfen.

Mit einem Blick auf ein Foto von dem schönen Argenbühl wurde schnell deutlich, worum es geht: grüne Wiesen, soweit das Auge reicht, aber keine Pflanzen für Insekten, von denen es immer weniger gibt. Gründe dafür seien die intensive Nutzung der Landwirtschaftsflächen, die Entfernung von Hecken und Sträuchern, der Einsatz von Chemikalien, die Stickstoffbelastung aus Luft und Landwirtschaft, der Flächenverbrauch und die Versiegelung und schließlich auch die Lichtimmission. Mit der Folge, dass auch der Bestand insektenabhängiger Tierpopulationen, wie Vögel, Kleinsäuger und Amphibien zurückging.

Den Tieren Nahrung bieten

Wichtig sei es daher, den Tieren in der gesamten Vegetationszeit Blütennahrung von heimischen Pflanzen zu bieten: Krokus, Märzenbecher, Weiden im Frühjahr, im Frühsommer Kräuter wie Salbei und Thymian und im Herbst Astern und ganz besonders blühenden Efeu und wilden Wein.

Gerade die Ritzenbesiedler an Straßenrändern, zwischen Platten, die Vagabundenpflanzen, sollte man stehen lassen, böten doch diese für Insekten die ideale Nahrungsquelle. Eine wichtige Futterpflanze für Schmetterlinge und Raupen sei die Brennnessel. Und so gab es viele Tipps: Abgeblühte Stängel den Winter überstehen lassen. Wohnräume für Tiere schaffen, Sandflächen, Trockensteinmauern, Bienentränken, Totholz in schattigen Partien unterbringen.

Die Veränderung beginne im Kopf, so Simone Kern. Ihre Ausführungen haben bestens dazu beigetragen. Beifall dafür gab es von der großen Schar der Besucher.

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