Lawinenunglück: Suche nach viertem Skifahrer nicht vor Dienstag möglich

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Crossmedia Volontärin

Im Skigebiet Lech-Zürs am Arlberg in Vorarlberg herrscht auch am Monatg weiterhin Lawinenwarnstufe fünf, sprich, die höchste auf der Skala. Sie besagt, dass auch ohne Zusatzbelastung große Lawinen in steilem und mäßig steilem Gelände abgehen können.

Unter diesen Voraussetzungen ist die Suche nach dem vierten Skifahrer aus Oberschwaben, der seit dem Lawinenabgang am Samstagnachmittag vermisst wird, „gänzlich unmöglich“. Das teilte der Bürgermeister von Lech, Ludwig Muxel Montagmorgen auf Anfrage von schwäbische.de mit. 

„Sobald es aufhört zu schneien, kann die Lage neu beurteilt werden“, sagt Muxel. Derzeit könnten die Bergretter weder per Helikopter noch anders nach der vermissten Person suchen. „Es ist nicht verantwortbar, die Bergretter einer solchen Gefahr auszusetzen“, fügt der Bürgermeister hinzu.

Es ist nicht verantwortbar, die Bergretter einer solchen Gefahr auszusetzen. Ludwig Muxel

Ein Blick auf die Wettervorhersage gibt wenig Hoffnung, dass sich die Lage im Laufe des Montags ändern wird. Rund 70 Zentimeter Neuschnee und starker Wind sind derzeit für das Skigebeit am Montag angesagt. Erst am Dienstag soll der starke Schneefall nachlassen. 

„Frühestens dann kann die Suche nach dem vermissten Skifahrer fortgesetzt werden“, sagt Christoph Pfefferkorn, Vorstand der Rüfikopfseilbahn im Skigebiet Lech-Zürs auf Anfrage von schwäbische.de am Montagmittag. Bevor es soweit sei, müsse mit einem Helikopter bei guter Sicht erstmal die Hanglage beurteilt werden, um herauszufinden, ob die Bergretter den Hang befahren können. „Es ist auch möglich, dass davor erst Lawinen gesprengt werden müssen“, erklärt Pfefferkorn. 

Was ungewöhnlich sei und die Suche zusätlich erschweren könnte: Die Bergretter konnten von dem Vermissten kein Signal eines Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät) orten, sagte Pfefferkorn, der selbst bei dem Einsatz Samstagnacht dabei war. Die drei Kameraden, mit denen der Vermisste im Gelände unterwegs war, konnten alle dank des Signals ihres LVS-Geräts geortet und geborgen werden.

Ob der vierte Skifahrer kein LVS-Gerät getragen habe, die Batterie leer sei oder es nicht eingeschalten gewesen sei, könne Pfefferkorn derzeit nicht sagen. Wenn die Retter die Suche fortsetzen und auch weiterhin kein Signal empfangen, müsse die Lawine systematisch nach dem Vermissten mit sogenannten Sonden abgesucht werden. Dabei müssten die Retter in einer Reihe die Lawine ablaufen und mit Metallstäben nach der möglich verschütteten Person tasten.

Die vier Skifahrer aus dem Raum Biberach und Bad Wurzach hatten am späten Samstagnachmittag die Skiroute "Langer Zug" befahren, als sie von einer abgehenden Lawine verschüttet wurden.

Unter den Opfern ist Stefan Scheffold, Vorstandsmitglied der Volksbank Allgäu-Oberschwaben mit Sitz in Leutkirch.

Stefan Scheffold. (Foto: Corinna Konzett)

Das Skigebiet Lech-Zürs am Arlberg in Vorarlberg hat heute trotz des starken Schneefalls weiterhin geöffnet. „Im gesicherten Skigebiet läuft der Betrieb größtenteils weiter“, sagt Muxel. Jegliche Varianten blieben jedoch weiterhin gesperrt. Ob alle Skifahrer sich an das Verbot hielten, könne man laut Muxel nicht kontrollieren. „Es bleibt nur zu hoffen, dass Leute nicht sich selbst und damit auch die Rettungskräfte in Gefahr bringen.“  

Im Ort sei das Unglück vom Wochenende natürlich ein Thema, bestätigte Muxel. Er drückte den Angehörigen der Verunglückten von Herzen sein Beileid aus. 

Die österreichische Polizei ist in den von den Schneemassen betroffenen Gebieten im Großeinsatz. In Vorarlberg befinden sich derzeit rund 40 Alpinpolizisten in Rufbereitschaft, in den eingeschlossenen Ortschaften wurden Polizisten als Ansprechpartner für die Bevölkerung stationiert und eine 24-stündige Dienststellenbereitschaft angeordnet.

Der Lange Zug - eine der steilsten präparierten Skirouten der Welt

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