Landschaftsschützer geben Haidgauern Recht

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 Der Haidgauer Ortschaftsrat hat eine Freiflächen-PV-Anlage an der L 314 abgelehnt.
Der Haidgauer Ortschaftsrat hat eine Freiflächen-PV-Anlage an der L 314 abgelehnt. (Foto: dpa / Patrick Pleul)
Schwäbische Zeitung

Der Verein Landschaftsschützer Oberschwaben/Allgäu begrüßt die Entscheidung des Haidgauer Ortschaftsrats, eine Freiflächen-Photovoltaikanlage an der L 314 abzulehnen. Das geht aus einer Stellungnahme des Vereins hervor.

Über Windkraft- oder Freiflächen-PV-Anlagen sollte nicht nachgedacht werden sollte, solange es noch geeignete Dachflächen gibt, schreibt Vorsitzender Hans-Joachim Schodlok aus Bad Wurzach.

Die Überversorgung mit Nahrungsmitteln, die das Energiebündnis in seiner Stellungnahme für die PV-Anlage anführt, „besteht nur bedingt, ist doch der Selbstversorgungsgrad von mehr als 100 Prozent bei wichtigen Grundnahrungsmitteln nur über die technisierte Intensivlandwirtschaft möglich“, so Schodlok. „Laut BUND-Bericht 2016 („Friends of Earth“) beansprucht die EU Flächen zur Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse außerhalb der EU, die 40 Prozent der eigenen landwirtschaftlich genutzten Fläche entsprechen und größer sind als Frankreich und Italien zusammen.“

Der Landschaftsschützer führt zudem einen Bericht der „Welt“ von 2013 an, demzufolge zwei Drittel der für die deutsche Versorgung nötigen Ackerflächen im Ausland liegen. Da täglich landwirtschaftliche Nutzfläche für Bauvorhaben und Infrastruktur verlorengehe, lasse sich dies durch Produktionssteigerung auf den vorhandenen Flächen auf Dauer nicht auffangen, heißt es in Schodloks Schreiben. Zumal, da die Grünen, der Ulrich Walz vom Energiebündnis angehört, den Umbau der jetzigen inländischen Landwirtschaft zu einer „ökologischen“ Landwirtschaft mit geringerem Mineraldünger- und Spritzmitteleinsatz wollten, „was ohne Rückgang der Produktionsleistung nicht möglich ist“.

„Uns fällt zudem auf, dass bei gegensätzlichen Interessenlagen zwischen Natur- und Landschaftsschutz einerseits und der Errichtung von Windkraft- und Photovoltaikanlagen andererseits, das Energiebündnis der letzteren den Vorzug gibt“, schreibt Schodlok.

Dach-PV-Anlagen sind laut den Landschaftsschützern die sinnvollere Möglichkeit der Energiegewinnung. Sie dienten in Zukunft vermehrt der Eigenversorgung und würden dadurch geringere Ausschläge und damit geringere Regelungsverluste bei der Einspeisung verursachen. Dagegen „belasten Freiflächenanlagen voll das Netz. Dieses muss im gleichen Maße durch ,Schattenkraftwerke’ abgesichert werden, da sonst weder bei plötzlicher Bewölkung noch bei Dunkelheit unsere Stromversorgung gesichert ist.“

Anlagen, wie auf der Gemarkung Haidgau beantragt, dienen aus Sicht der Landschaftsschützer „in erster Linie den Interessen von Investoren, denen damit auf Kosten der Allgemeinheit ein Griff in den Subventionstopf möglich wird“. Eine weitere Frage, die zu klären wäre, sei die Vereinbarkeit von Freiflächen-PV-Anlagen mit den Vorgaben des Europadiploms, zu dessen Schutz sich die Großgemeinde Bad Wurzach verpflichtet hat.

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