Uli Gresser

Die neue Gildemeisterin Bettina Birk und die Narrengilde „Schwaazer Butz“ haben ihre erste gemeinsame Bewährungsprobe mit der Ausrichtung des Herbstkonvents des Alemannischen Narrenringes (ANR) in der Festhalle in Unterschwarzach mit Bravour bestanden. Exakt sechs Jahre, nachdem die Narrengilde Unterschwarzach beim Herbstkonvent 2013 in Haidgau als Vollmitglied in den ANR aufgenommen worden war, fand nun erstmals wieder eine Vollversammlung des Alemannischen Narrenrings auf der Gemarkung von Bad Wurzach statt.

Bad Wurzachs Bürgermeisterin Alexandra Scherer nahm dies in ihrem Grußwort zum Anlass, den Zunftvertretern Bad Wurzach und die mit 1342 Einwohnern (zusammen mit Eggmannsried) größte Ortschaft der Stadt, dem „Reich“ von Ortsvorsteherin Silvia Schmid, näher zu bringen.

Die Zahlen waren beeindruckend, die Markus Stark (Schemmerberg), der seit dem Frühjahr amtierende Präsident des ANR, bei seiner die Herbstversammlung eröffnenden Begrüßungsrede nennen konnte: Von den 90 ANR-Zünften hatten 86 Zünfte Vertreter im Jubiläumsjahr des Narrenringes – dieser war 1969 gegründet worden – zur Vollversammlung entsandt, in der Festhalle war so gut wie jeder der rund 240 Stühle besetzt und damit die Beschlussfähigkeit mehr als sichergestellt.

Stark, der erst bei einer außerordentlichen Zusammenkunft der ANR Zünfte am 17.Mai diesen Jahres gewählt wurde, nachdem der bisherige Präsident Augustin Reichle (Leimbach) beim Frühjahrskonvent völlig überraschend seinen Rücktritt verkündet hatte, hatte gemeinsam mit den anderen Präsidiumsmitgliedern und den Narrenmeistern eine lange Liste von Beschlüssen abzuarbeiten. Er ging in seiner Rede auf die Aufarbeitung der Folgen der Geschehnisse beim Frühjahrskonvent ebenso ein, wie auf den gelungenen Jubiläumsabend, den die Narrenzunft Kluftern ausgerichtet hatte.

Jugendleiter Sebastian Peter (Uttenweiler) ging in seinem Bericht auf das positiv verlaufene Jugendcamp ein. Kritik übte er an den Zünften, beziehungsweise am Verhalten von deren Jugendleitern, weil der Jugendleiterstammtisch in Ailingen mangels Beteiligung nicht stattfinden konnte. Geehrt und aus dem Jugendleiterteam verabschiedet wurde in diesem Rahmen Anita Kauschinger (Waldburg), die inzwischen dem ANR-Präsidium als Protokollerin angehört.

Präsident Stark dankte dem Medienausschuss für die geleistete Sisyphusarbeit bei der Erstellung der Festschrift zum Jubiläum. Für den Frühjahrskonvent kündigte er eine neugestaltete Homepage an, bis zu deren Erscheinen Programmierer Michael Poisel noch an Bord bleiben wird, für dessen herausragende ehrenamtliche Arbeit er sich mit einem Präsent bedankte.

Nach der Vorstellung der in diesem Jahr neugewählten Zunftmeister berichtete Schatzmeister Fridolin Aierstock über die finanziellen Lage des Narrenringes. Zwar riss das Jubiläumsjahr ein größeres Loch in die Geldmittel des Narrenringes, dennoch blieb man um eine vierstellige Summe unter dem im Haushaltsplan veranschlagten Betrag. Durch den Verkauf der Festschrift erhofft sich der Schatzmeister jedoch eine gewisse Refinanzierung. Der Haushalt für das kommende Jahr wurde von der Versammlung einstimmig verabschiedet, ebenso wurde das Präsidium einstimmig entlastet.

Ehrennarr Rainer Beer fungierte als Wahlleiter bei der Wiederbesetzung der Vizepräsidentenstelle. Die Wahl wurde erforderlich, weil seit der Wahl von Markus Stark zum Präsidenten dessen Posten unbesetzt geblieben war. Mit Frank Spleiß, dem ehemaligen Zunftmeister der Narrenzunft Bürgermoos, fand sich ein Kandidat, dem die Versammlung das Vertrauen aussprach. Er sei 1994 zur Fasnet gekommen, habe die Zunft in Bürgermoos mit aufgebaut. In dieser Zeit sei die Liebe zum Brauchtum gewachsen. So ist er nebenbei noch Vorstand des Tettnanger Kinderfestausschusses und pflege als solcher auch eine intensive Freundschaft zu den Kinderfestverantwortlichen im Allgäu.

Zunftmeister Daniel Wassner stellte die beiden Einzelfiguren der Haidgauer Chadaloh´s vor, den mit einer Halbmaske ausgestatteten Fasnetslader, sowie den Wachtmeister, den der legendäre Hans Kohler schon vor vielen Jahren nach dem Vorbild eines Haidgauer Originals geschaffen und anfangs selbst noch getragen hatte. Die Haidgauer Narren bekamen nun bei diesem Konvent den offiziellen Segen des ANR´s für ihre Häser, nachdem sie detailliert für den Brauchtumsausschuss dokumentiert worden waren. Außerdem stellten die Zünfte aus Lauingen und Ahausen zwei neue Fasnetsfiguren vor, die ebenfalls die Zustimmung des Konvents fanden.

Bei der Diskussion und Abstimmung zum Thema Ringtreffen, immerhin schon Tagesordnungspunkt 14 des Konvents, gab es seitens der Versammlung Gegenwind für das Präsidium: Glatt abgelehnt wurden die Sprungbändel für die Hästräger bei Ringtreffen, die ebenso wie die Vorgaben zur Bühnengröße ein Kostenfaktor für die veranstaltende Zunft darstellten, sowie die vorgeschriebene Platzgröße für die Hexenraunacht. Durchgewunken wurden dagegen die Vorschläge für eine längere Organisations- und Vorbereitungszeit der Ringtreffen, die Beschränkung auf eine Hexe pro Zunft beim Hexentanz, ebenso die Anzahl der teilnehmenden Hästräger auf 50 Prozent pro Zunft beim Ringtreffenumzug. Das Ringtreffen 2022 wird vom 4. bis zum 6. Februar in Ulm stattfinden.

Dann kam der berührendste Moment des diesjährigen Herbstkonventes: Nachdem die Versammlung gleich zu Beginn des Konventes beschlossen hatte, die langjährige Protokollantin (2004 bis 2017) und Jugendvertreterin im Präsidium (2012-2017) Angi Renz zur ersten Ehrennärrin des ANR zu ernennen, fand nun die Verleihung der Narrenkappe, eine der höchsten Auszeichnung des ANR, statt. Keinen der gut 200 Zunftvertreter hielt es auf den Stühlen, als Markus Stark die Laudatio für Renz hielt, die seit 1981 bei den Jordanhexen Bergatreute aktiv ist.

Kritik an der Gestaltung der Festschrift kam vom Gebrazhofener Herbert Maier, der seine und die Verdienste der ANR-Ikone Gerd Herriegel darin zuwenig gewürdigt sah.

Mit dem Einsprung der beiden nach achtjähriger Vorbereitungszeit neu als Vollmitglieder aufgenommenen Narrenzünfte aus Bürgermoos und Mochenwangen unter den Klängen des Fanfarenzuges Bürgermoos endete der diesjährige Herbstkonvent des ANR stimmungsvoll und steigerte die Vorfreude auf die kommende Fasnetssaison. Mit dazu beigetragen hatte sicherlich auch die hervorragende Bewirtung der 25 fleißigen Helfer der Narrengilde Unterschwarzach um Bettina Birk, welche die Gäste mit Kaffee und Kuchen und auch Handfesterem verwöhnten.

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