Kombination aus Wortwitz und Tiefgang

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 Der Adonia-Chor liefert eine tolle Show mit intensiven Liedern
Der Adonia-Chor liefert eine tolle Show mit intensiven Liedern (Foto: Chrsitine Hofer-Runst)
Christine Hofer-Runst

Etwa 65 Jugendliche im Alter von zwölf und 19 Jahren haben am Samstag ihr Musical „Herzschlag“ im Kurhaus in Bad Wurzach aufgeführt.

Im Rahmen des Herbstferien-Chor-Camps der Freien Christengemeinde, hatten sie exakt vier Tage Zeit, sämtliche Lieder, Tänze und Texte einzuüben um sie dann auf der Bühne zu präsentieren.

„Herzschlag“ ist eine moderne Interpretation der apostolischen Geschichte nach Johannes. Markus Heusser, der Komponist und Songschreiber hat die Thematik über Tod und Auferstehung komplett in die heutige Zeit übertragen und vollkommen altersgerecht ausgearbeitet.

Die vier Hauptdarsteller des Stückes sind Lazarus, seine beiden Schwestern Martha und Maria sowie Immanuel, der Heiler. Lazarus wird mit Herzproblemen in die Klinik eingeliefert. Er kommt in die Notaufnahme, in der ein völlig überforderter und überdrehter Arzt Dienst tut. Seine beiden Schwestern finden sich in den Wirrungen des Krankenhauses nur schwer zurecht, gelangen aber schlussendlich doch zu ihrem Bruder. Witzige Sketche, wie eine kreuzworträtselnde Patientin mit Halskrause oder eine recht versnobte Privatpatientin, lockern die ernsthafte Geschichte immer wieder auf.

Der Heiler kommt zu spät

Als die gesundheitliche Situation für Lazarus ausweglos scheint und der behandelnde Arzt, Dr. Hanggarten, ausschließlich in lateinischem Kauderwelsch kommuniziert, rufen die Schwestern den Heiler Immanuel an. Dieser kommt nicht mehr rechtzeitig, Lazarus stirbt.

Die Wut auf den Freund, die Frage nach dem Warum und die Trauer in der Gemeinde unterstreicht der Komponist recht eigenwillig. Starke, rockige Instrumentalsequenzen erfüllten das Kurhaus, und Markus Heusser lässt dem Schlagzeuger Zeit und Raum, Wut und Enttäuschung kraftvoll zu symbolisieren.

Immanuel lässt seinen Kumpel selbstverständlich nicht im Stich und lässt ihn am vierten Tage von den Toten auferstehen, was Lazarus entsprechend kommentiert: „Boah, ich hab so krass Hunger, ich brauch erstmal ’ne Pizza.“

„Herzschlag“ ist ein Musical mit absolutem Tiefgang. Es enthält die Botschaften, gehe achtsam mit dem Leben um und vertraue auf göttlichen Beistand. Die entsprechenden Liedtexte des Chors und der Solisten stimmten exakt zu Szene und schauspielerischer Aussage. Die Jugendlichen haben mit ihren Betreuern eine großartige Aufführung abgeliefert. Sämtliche Songs wurden auswendig gesungen, Tänze aufgeführt und das Bühnenbild routiniert umgebaut.

Die Choreografie und die Spezialeffekte waren relativ simpel, dennoch überraschend effektvoll und für das Publikum sehr berührend. Ein Kleid aus Licht und beleuchtete Reispapierlampions erzeugten eine wärmende, anheimelnde Atmosphäre, die ganz hervorragend zu den versöhnlichen, musikalischen Schlussklängen passte.

Eine besonders herausragende Leistung boten an diesem Abend zwei Mädchen: Vivian Böckeler an der Querflöte und Sophie Maurer an der Violine, die völlig entspannt und dabei technisch einwandfrei in der Instrumentengruppe den Ton angaben und noch immer die Adonia-Hymne spielten, als der restliche Chor die Bühne schon verlassen hatte und das Licht durch das Publikum trug.

Bene Mayer von der freien Christengemeinde hatte in seiner kurzen, charmanten Begrüßung wahrlich nicht zu viel versprochen. Lothar Dopfer, der Hauptverantwortliche des Chor-Camps, freute sich in seinem Schlusswort über einen wirklich gelungenen Musical-Abend.

Das ganze Adonia-Team bedankte sich bei ihm mit einer „Rakete“ für die tolle Organisation und den reibungslosen Ablauf während der ganzen Woche. Der Chor gestaltete in dieser Zeit vier Aufführungen und wird, nach dem Schlussakkord in Bad Wurzach, in dieser Zusammenstellung vermutlich nie wieder gemeinsam auftreten werden.

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