„Kirche ist heute für viele Menschen eher ein Rasthaus“

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Podiumsdiskussion mit Moderator Joachim Rogosch (Mitte). (Foto: Karl-Heinz Schweigert)
Schwäbische Zeitung
Karl-Heinz Schweigert

„2000 Jahre Kirche – 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil – 20Jahre Gemeinschaft Salvatorianischer Laien in Deutschland“, unter diesem Motto hat der Begegnungstag am vergangenen Sonntag statt gefunden, eröffnet mit einem Festgottesdienst in der vollbesetzten Pfarrkirche St Verena . In seiner Predigt stellte Weihbischof Thomas Maria Renz klar, dass „Laien“ gemäß dem zweiten Vatikanum und entgegen sonstigem Sprachgebrauch als Getaufte und Gefirmte „Profis“ seien: Mit dem „wichtigsten Sakrament der Taufe“ sind die Menschen von Christus berufen, „inner- und außerkirchlich Zeugnis zu geben“.

Weit über 100 Zuhörer begrüßte im Anschluss die Vorsitzende der Gemeinschaft, Heidi Streubel, bei der Podiumsdiskussion im Foyer des Salvatorkollegs: Zum Thema „ Kirche mit Zukunft – Gemeinsam neue Wege suchen“ stellte Moderator Joachim Rogosch zunächst die Teilnehmer vor, die aus sehr verschiedenen Bereichen stamme : So ist für Weihbischof Renz aus Rottenburg „die Kirche für viele heute eher ein Rasthaus, oder besser eine Herberge“. Auch gebe es so viele Wege zum Glauben, wie es Menschen gibt. Erfreulich seien dabei zum Beispiel Jugendspirituelle Zentren, die „temperamentvoll und sprudelnd wachsen“. Die Kirche sei heute auch „wie ein bunter Garten oder ein Nationalpark, in dem so manches kreuz und quer gedeiht“.

Für den 20-jährigen Zimmermann Johannes Streubel ist die Gestaltung der Gottesdienste „zu lange stehen geblieben“ und daher für „Neueinsteiger“ schwierig zu verstehen. Lehrerin Rosemarie Böcherer kann von ihren Fünft- und Sechstklässlern berichten: „Sie leben noch das, was ihnen vorgelebt wird.“ Bei Jugendlichen „ist dagegen der Glaube eher schwierig zu vermitteln“. Sie selber habe den neuen Weg und ihre neue Heimat über Exerzitien erreicht. Für die Provinzoberin der Salvatorianerinnen, Klara-Maria, hält die internationale Gemeinschaft „ihr missionarisches Herz warm“. Geprägt habe sie auch das Jahr im Heiligen Land, „denn dort wo es schwierig ist, ist Gott präsent“.

Zu der Frage „Wie soll Kirche Licht und Salz heute sein ?“ bemerkte Streubel: „Im Rasthaus Kirche gibt es fast nur noch Fastfood und außerdem haben es viele verlernt, Zeugen zu sein“. Viel Beifall fand auch seine Forderung, dass die Uneinigkeit der christlichen Konfessionen beendet werden muss, denn „der Grundsatz ist Jesus“. „Wir kümmern uns kaum um die verlorenen Schafe, wie im Evangelium gefordert“, so Weihbischof Renz. Hierzu müssen die Ressourcen verschoben werden, wie es Papst Franziskus anstrebt, „der uns allen sehr gut tut“. Daher das Fazit: „Die ‚Komm her Kirche‘ muss zu einer ‚Geh hin Kirche‘ werden“.

Lehrerin Bocherer betont dazu: „Der Marktplatz ist nicht mein Weg, ich zeige meinen Glauben dort, wo ich stehe“. Schwester Klara-Maria sieht viele Menschen auf der Suche nach Gott, die deswegen auch den Weg in die Klöster finden. Es zähle aber das persönliche Zeugnis, so die einhellige Meinung in der Runde, oder wie es Mutter Teresa formuliert hat: „Lebe so, dass Du nach Gott gefragt wirst.“

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