Kindergarten in Eintürnen wird wesentlich teurer

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Auf das bestehende Gebäude des Kindergartens (links) soll ein Stockwerk aufgesetzt werden.
Auf das bestehende Gebäude des Kindergartens (links) soll ein Stockwerk aufgesetzt werden. (Foto: Stadtverwaltung Bad Wurzach)
Schwäbische Zeitung
Redakteur Bad Wurzach

Die Erweiterung des Kindergartens in Eintürnenberg kommt wesentlich teurer als bisher geplant. Die Steigerung von 351 000 Euro auf rund 480 000 Euro passierte den Ausschuss für Technik und Umwelt am Montagabend nur mit knapper Mehrheit von 6:4 Stimmen. Ratsmitglieder kritisierten Stadtverwaltung und Architekturbüro heftig.

Denn nur teilweise sind die Mehrkosten auf hohe Handwerkerpreise in der Ausschreibung zurückzuführen. Ein weiterer großer Teil ist auf Mehrarbeiten zurückzuführen, die Verwaltung und Architekt zuvor nicht auf dem Schirm gehabt hatten. Zum Beispiel ist die derzeit in dem alten Gebäude vorhandene Elektroinstallation so nicht mehr nutzbar. Das hätte zuvor erkannt werden müssen, kritisierten die Stadträte. Dazu kommt, dass kurzfristig unerwartete Auflagen gemacht wurden, so Bürgermeister Roland Bürkle (CDU).

Die Stadt hofft, die Mehrkosten über beantragte, aber noch nicht genehmigte Landeszuschüsse in Höhe von bis 120 000 Euro zum größten Teil auffangen zu können. 70 000 Euro steuert die Kirche bereits bei, bei ihr soll auch um einen höheren Zuschuss für die notwendigen Mehrarbeiten angefragt werden.

Der katholische Kindergarten Maria Theresia in Eintürnenberg muss aufgrund stark gestiegener Kinderanzahl, darunter auch viele Unter-Dreijährige, für die mehr Platz und mehr Personal gebraucht wird, erweitert werden. Dazu wird auf das bestehende Gebäude ein Stockwerk aufgesetzt. Dem hatte der Gemeinderat im Mai 2017 einstimmig zugestimmt.

Rund 34 500 statt 16 500 Euro kosten laut Ausschreibungsergebnis Erd-, Entwässerungs-, Beton- und Stahlbauarbeiten, Fliesenarbeiten steigen von 4000 auf 15 000 Euro, die Glaserarbeiten haben sich auf rund 52 000 Euro in etwa verdoppelt. Nur drei Beispiele, was durch gestiegene Handwerkerpreise teurer wurde als geplant. Obwohl andere Gewerke bei der Ausschreibung günstiger waren, bleibt unterm Strich eine Gesamtsumme für die ausgeschriebenen Aufträge von 257 000 statt 209 000 Euro. Auch die Baunebenkosten, vor allem Planungsleistungen, erhöhten sich von 51 000 auf 69 000 Euro.

Einige Gewerke müssen noch ausgeschrieben werden. Die Stadt plant hier mit 42 700 Euro. „Gravierende Kostenüberschreitungen“ seien nicht zu erwarten, so Architekt Stefan Pahlsmeier vom Büro Ecker aus Aulendorf.

Kräftig gestiegen sind auch die Ausgaben für technische Anlagen wie Elektroinstallation und Heizkörper. 71 000 statt 33 000 Euro müssen nun dafür eingeplant werden. Grund sind laut der Verwaltungsvorlage, dass Heizkörper nicht mehr zulässig sind und ausgetauscht werden müssen und die bestehende Elektroinstallation für das neue Stockwerk nicht mehr verwendet werden kann. Dies habe sich bei der Begutachtung von Fachplanern ergeben.

Dritter Faktor der Kostensteigerung sind Auflagen des Kommunalen Verbands für Jugend und Soziales, der den Plänen zustimmen muss. Er forderte, für die Verwaltung letztlich völlig überraschend, die Erweiterung der WC-Anlage im Erdgeschoss.

Alles in allem ergibt sich eine Steigerung der Gesamtkosten um 130 000 Euro auf nun 480 000 Euro, „nach derzeitigem Stand“, wie es in der Ratsunterlage heißt.

„35 Prozent Kostensteigerung, bevor wir richtig begonnen haben. Ich bin geschockt“, meldete sich Stadtrat Klaus Gropper (FW) als erster zu Wort. Dass zum Beispiel die Heizkörper veraltet sind, hätte man vorher wissen müssen, kritisierten er und sein Fraktionskollege Stephan Kirschbaum. „Fachleute hole ich erste, wenn ich weiß, dass ich planen kann“, verteidigte sich Stadtbaumeister Matthäus Rude. „So sehe ich das nicht“, erwiderte Gropper und nannte dieses Vorgehen „absolut unseriös. Wenn ich als Handwerker so arbeite, gehe ich mit heißen Ohren aus dem Gespräch mit dem Bauherrn.“

Auch Egon Rothenhäusler (FW), Karl-Heinz Buschle (FW) und Klaus Michelberger (CDU) übten solche Kritik. Michelberger nahm dabei auch das Architekturbüro ins Visier. Es habe das Projekt „nicht sauber abgeklärt“. Das wies Pahlsmeier unter anderem mit dem Hinweis zurück, der Termin mit der KVJS sei „komplett an uns vorbeigegangen“.

Bürgermeister Roland Bürkle (CDU) sprang dem Architekten bei und gestand Fehler der Verwaltung ein. Die Zusatzkosten durch neu aufgetauchte Instandsetzungen „nehmen wir auf unsere Kappe“. Die Verwaltung werde künftig Fachplaner zu Rate ziehen, ehe Projekte im Rat eingebracht werden, versprach er.

Eintürnens Ortsvorsteher Berthold Leupolz gestand ein, auch er sei „erschrocken über die Nachforderungen der KVJS und über das wenige, was da bei den Ausschreibungen zurückkamen“. Nun seien „alle bemüht dazuzuhelfen“, sagte er auch als Vertreter der Kirchengemeinde. Das Projekt an sich verteidigte er mit dem Hinweis auf die stark gestiegenen Kinderzahlen und einer langen Warteliste.

Stadtrat Hansjörg Schick (CDU) nahm sich in seiner Kritik denn auch die Bauwirtschaft vor. Vor einigen Jahren, als die Auftragslage schlecht war, habe die öffentliche Hand „Millionen in das notleidende Handwerk gepumpt“. Nun verhielte es sich „wie ein Rauschgifthändler, wenn der Mangel groß ist“. Mit ehrbarem Handwerk hat das nichts zu tun.“ „Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Das kann man den Handwerkern nicht vorwerfen“, widersprach ihm sein Fraktionskollege Klaus Schütt.

Schick stellte zudem die Frage: „Sind wir wirklich an kirchlichen Kindergärten interessiert, wenn am Ende doch wir alles zahlen?“ Bürkle verteidigte dieses Prinzip, Aufgaben der Stadt an Träger abzugeben, wenn diese sie wirtschaftlich und qualitativ genauso gut erledigen könnten. Zudem erinnerte er daran, dass die Kirche sich auch mit 15 bis 18 Prozent an den laufenden Betriebskosten beteiligt. „Eher wird sich vielleicht einmal die Frage stellen, ob die kirchlichen Gemeinden das noch lange machen wollen und können.“

Der Bürgermeister sagte zudem „ganz offen: Wenn Sie heute Nein sagen, steht da eine Bauruine.“ Erweitern habe man den Kindergarten in Eintürnen müssen. Das liege am weiter steigenden Trend, dass Eltern auch für ihre Kleinkinder bis drei Jahren Betreuungsplätze verlangen. Hier werde letztlich in allen Ortschaften gehandelt werden müssen.

Der Ausschuss genehmigte schließlich mit 6:4 Stimmen die überplanmäßigen Ausgaben. Der Beschluss wurde erweitert durch den Zusatz, dass die Verwaltung künftig bei Planungen bereits im Vorfeld des Baubeschlusses die erforderlichen Fachplaner miteinzubeziehen hat.

Gegen den Beschluss stimmten alle Freien Wähler – Buschle, Rothenhäusler, Gropper und Kirschbaum, dafür die Räte von CDU und Mir Wurzacher.

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