Kabarettist Stefan Reusch rettet in Dietmanns die Welt

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Stefan Reusch eröffnet im Adler die Spielsaison.
Stefan Reusch eröffnet im Adler die Spielsaison. (Foto: Christine Hofer-Runst)
Christine Hofer-Runst

Stefan Reusch, der „Retter des Jahres 2018“, betrat am Samstagabend im Super-Reusch-Man-T-Shirt die Dietmannser Adlerbühne. „2018 war alles nix, also eigentlich war es ein Jahr mit gar nichts“, eröffnete er den Abend. Aus diesem Nichts gestaltete der Wortakrobat ein dreistündiges Programm, gefüllt mit Spitzen, Spitzfindigkeiten und Pointen à la Reusch.

Ob Lindenstraße oder Otto-Katalog, ob Fußball oder der Brexit: Schonungslos griff der Kölner Künstler diese Themen auf, legte Oliver Bierhoff ein geronnenes Grinsen ins Gesicht und sinnierte über Public Buhing. Seinen Themenschwerpunkt legte er natürlich auf die Politik und deren Charaktere. Schuld an allem sei ohnehin Russland, WM in Russland, Trump ein Produkt der Russen und Erdogan wird bei Reusch kurzerhand zum Bosporusse. Die regierenden Köpfe hatte der Künstler ganz stark im Visier; zuerst fabulierte er die Abschiedsrede auf die Bundeskanzlerin oder referierte über Seehofer, den Lodenhüter mit dem Masterplan der Migration.

Die Themenpalette des Kabarettisten ist unglaublich breit gefächert. Sein besonderes Steckenpferd sind jedoch Pressetexte der großen Parteien, deren sinnlosen Inhalt er detailliert und schonungslos aufdeckte. Aber auch vor dem Kükenschreddern oder dem Hambacher Forst machte er nicht halt und bezeichnete in seinem „Echo“-Rückblick die Rapper als Testosteronharmonists. Er ist böse, zynisch und kompromisslos und hält, in seinen intelligenten Pointen, dem Publikum so manches Mal den Spiegel vor.

Künstler der sprachlichen Vielfalt

Schade nur, dass er, bei der Fülle an Aktuellem, immer wieder auf „Eingemachtes“ zurückgriff. Natürlich war die Definition des Schachspiels und auch die Geldanlage unter dem Kopfkissen eine heitere Auflockerung, solche aufgewärmten Pointen wären dennoch nicht nötig gewesen.

Stefan Reusch verlangte seinem Publikum absolute Konzentration ab. Blitzschnell wechselte er die Themen, streute, wie beiläufig, diffizile Wortverdreher ein oder griff auch mal zum Gedicht; und manches Mal konnte er schneller sprechen, als die Gäste zuhören. Er ist ein absoluter Künstler der sprachlichen Vielfalt, der mit seiner Wortwahl den Finger, treffsicher, in die Wunden der Ereignisse legte. Seine satirische Interpretation des Weltgeschehens war am Samstag der würdige und gelungene Einstieg in das Jubiläumsjahr der Kleinkunstbühne Adler in Dietmanns.

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