Jungstörche auf der Grundschule beringt

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Im Nest auf der Bad Wurzacher Grundschule stellten sich in diesem Jahr zwei Jungstörche „tot“, als die Storchenbeauftragte des Regierungspräsidiums, Ute Reinhard, ihnen am Freitagabend mithilfe der Feuerwehrdrehleiter ihren „Personalausweis“ ans Bein klippte.

Dank der Corona-Krise und der vielen neuen Horste – allein in diesem Jahr sind in ihrem Zuständigkeitsbereich 40 zusätzliche bebrütete Horste dazugekommen – werden bei Ute Reinhard nicht nur Ringe für die Beringung knapp. Auch ihr Zeitfenster für die Beringung wird dadurch immer kleiner. Deshalb, und natürlich weil die Jungstörche in Ziegelbach dem Teenageralter bereits entwachsen sind, verzichtete die Storchenbeauftragte dort auf die Beringung.

Weniger Müll im Nest

Einen positiven Aspekt des Corona-Lockdown bemerkte sie, als sie um kurz nach 19 Uhr gemeinsam mit Feuerwehrmann Pascal Schmehl am Nest andockte: Das Nest präsentierte sich außergewöhnlich sauber, die Altvögel hatten nicht wie anderen Jahren jede Menge Müll aufgelesen.

Erst im letzten Moment, als der Korb der Drehleiter sich schon gefährlich näherte, entschloss der Altvogel mit der Ringnummer DER AE681 seinen Nachwuchs zu verlassen. Zufrieden war Ute Reinhard mit dem Allgemein- und Ernährungszustand der rund sechs Wochen alten Jungadebare, die zukünftig mit den Ringnummern A5W24 und A5W25 am Bein durch die Gegend stolzieren beziehungsweise in wenigen Wochen auch fliegen werden. Mit 2,5 und 2,7 kg zeigte die Federwaage ein durchaus normales Gewicht an. Etwa eine Woche müssen die Jungen noch Regen, Kälte und Sturm trotzen, ehe sie „über dem Berg sind“, schätzt Reinhard.

An die Jungvögel, die sie in diesem Jahr in Wangen beringt hat, kommen sie gewichtsmäßig nicht heran: diese hatten alle bereits über 3 Kg an die Federwaage gebracht.

Wunderbare Aussicht

Keine Zeit hatte Ute Reinhard, um die wunderbare Aussicht, die Alt- und Jungvögel vom Dach der Grundschule haben, zu genießen. Weil dank Corona die Feuerwehr die Anzahl der Personen im Korb auf zwei beschränkte, gab es in diesem Jahr eine Extra-Fotografen-Fahrt zum Nest hinauf. Als sich der Chronist gemeinsam mit Feuerwehrfotograf Franz Netzer zum Nest aufmachte, konnte niemand ahnen, dass es in diesem Jahr ganz besondere Aufnahmen von den Jungstörchen geben würde: Dank der niedrigeren Beladung des Korbes war es möglich, diesen in noch größere Höhe auszufahren, so dass wunderschöne Bilder aus der Vogelperspektive in das Heim von Familie Adebar möglich wurden.

Und weil der Korb damit auch nicht wieder so nahe ans Nest herankam, landete der Altvogel bereits wieder bei seinem Nachwuchs, sodass die Fotografen einmalige Einblicke ins Zusammenleben der Störche erhielten.

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