In Haidgau sinkt der Meeresspiegel

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Christine Hofer-Runst

Wenn sich Perfektion mit bester Unterhaltung vereint, dann ist Jahreskonzert in Haidgau. Die Musikkapelle hatte sich in diesem Jahr für ein außergewöhnliches Programm entschieden: 20 000 Meilen unter den Meeren – sprich: alles rund um Wasser und Seefahrt. In einer wunderschön geschmückten Turn- und Festhalle landeten die Musiker rund um Dirigent Klaus Wachter damit eine höchst anspruchsvolle Punktlandung.

Frei nach dem Roman von Jules Verne „20 000 Meilen unter dem Meer“ lautete das Motto des Abends. Vor zahlreichen Ehrengästen aus den Reihen des Kreismusikverbandes, früherer Dirigenten und Vertretern der Kommunalpolitik eröffnete die Musikkapelle Haidgau den Abend mit dem Marsch „Sympatria“ von Thomas Asanger.

Drill und Spaß bei den Proben

„Die Probenarbeit stand in diesem Jahr im Zeichen von Drill und Spaß“, beschrieb Kathi Fugunt in ihrer charmanten Begrüßung den langen Weg bis zum Konzert, ehe sie die weitere Moderation in die Hände von Johanna Dieing und Daniel Rold legte, die humorvoll und informativ durch den Abend führten.

Das Programm war erneut ein Resultat des Perfektionisten Klaus Wachter. Höchstschwierigkeiten sind ihm nicht genug, der Unterhaltungswert muss stimmen. Mit dem fünfsätzigen Stück von William Francis McBeth „Of Sailos and Whales“ zauberten die Musiker den ganz großen Orchesterklang in die Halle. Die Geschichte von „Moby Dick“ zelebrierten die einzelnen Register, die gesamte Musikkapelle und, in tragender Vorleserolle, Horst Dölle vom Kreisverband Schussen. Als im dritten Satz „Father Mapple“ zum großen Choral auf dem Schiff anstimmte, legten die Register ihre Instrumente zur Seite und gestalteten diesen Satz nur mit ihren Stimmen. Mit dem schweren Kampf gegen den weißen Wal endete eine Vorstellung, die im Publikum für Ergriffenheit und tosenden Applaus sorgte.

Souveräner Solopart auf der Klarinette

Im zweiten Konzertteil servierten die Haidgauer leichtere Kost, aber das ebenfalls auf absolutem Spitzenniveau. Mit einem grandiosen und absolut souverän gespielten Solopart eröffnete Rica Krug an der Klarinette „Concertino“, ebenfalls von Thomas Asanger. Ein Medley von Toto und der norddeutsche Klang der Band Santiano beendete die musikalische Seereise in Haidgau.

„Ich bin heute Abend so stolz auf meine Musiker“, freute sich der Dirigent nach dem erfolgreichen Konzert – und das zu Recht. Die Musikkapelle rief erneut ihr Können auf den Punkt ab, wagte Neues, mischte die verschiedenste Stile und schuf damit ein unvergessliches Ganzes; oder wie die Vorsitzende es so treffend beschrieb: „Klaus holte uns aus unserer Bequemlichkeitszone.“ Ganz besonders galt dies für die Schlagwerker und das tiefe Blech, die mit punktgenauen Einsätzen maßgeblich zur vortrefflichen Aussagekraft der ausgewählten Stücke beitrugen.

Live-Übertragung nach Australien

Sequenzen des Konzerts wurden an diesem Abend live nach Australien übertragen, und die Eltern von Austauschschülerin Beth Whiteley am Es-Horn, reisten für diesen Event eigens aus Manchester an.

Vor den Zugaben stand noch ein sehr emotionaler Abschied von Charly Dieing an: 37 Jahre war er der „Schlagzeugpapa“ der Musikkapelle Haidgau und formte den Nachwuchs an Trommel und Becken. Für seine Leistungen zum Wohle des Vereins, wurde er an diesem Abend zum Ehrenmitglied ernannt. Ehrensache, dass er bei der „Karlspolka“ nochmals die Bühne betrat und das Ensemble verstärkte.

Mit einem Schweizer Volkslied verabschiedeten sich die Musiker von ihrem Publikum, dem sie einen unvergesslichen Abend mit hochwertiger Musik in vollendeter Perfektion bescherten.

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