„Im Fokus“ interessiert viele Gäste

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Blütengewandet alle drei: Adelgund Mahler, Wolfram Karrer und in der Mitte die Kunsterzieherin Ute-Beatrix Schraag.
Blütengewandet alle drei: Adelgund Mahler, Wolfram Karrer und in der Mitte die Kunsterzieherin Ute-Beatrix Schraag. (Foto: Bernd Guido Weber)
Bernd Guido Weber

Schöner kann ein sommerlicher Sonntag kaum sein. Blauer Himmel. Interessante und interessierte Menschen. Ein spannender Vortrag von Uwe Degreif. Ein leckeres vegetarisches Buffet. Weltmusikklänge auf dem Akkordeon von Wolfram Karrer. Tief berührende Werke von Sepp Mahler im denkmalgeschützten Haus in der Ravensburger Straße. Und eine Ausstellung im wildblühenden Garten. „Im Fokus“ heißt das Projekt des Salvatorkollegs, zusammen mit dem Naturschutzzentrum.

Adelgund Mahler, Tochter von Sepp Mahler und unermüdliche Nachlassverwalterin, lädt jeden Sommer ein. Zu Gesprächen, Musik, Begegnungen. In diesem Jahr ist der Tag zweigeteilt. Morgens ein Vortrag von Degreif. Nachmittags das Verweilen im Garten, mit freundlichen Menschen.

Degreif, der auch eine kleine Biographie über die künstlerischen Anfänge Sepp Mahlers veröffentlicht hat, spricht, natürlich,über den Wurzacher Torfmeistersohn. Schlägt dabei weite Bögen. Der Kulturwissenschaftler am Museum Biberach kennt die Mahler-Geschichte seit 1997, seinem ersten Treffen mit Adelgund Mahler. Damals hat Degreif seine Biographie über Jakob Bräckle begonnen, dem hochgeschätzten Künstler aus Winterreute/Biberach. Unterschiedlicher könnten die Lebenswege der beiden Maler nicht gewesen sein.

Jakob Bräckle ist körperlich behindert auf die Welt gekommen, nach eigener Aussage deswegen 1938 in die NSDAP eingetreten. Zum Schutze seines Lebens. Damals sind die „grauen Busse“ gefahren, haben „lebensunwertes Leben“ abgeholt, getötet. Bräckle avanciert in dieser Zeit zum „Künstler der Scholle“, von den braunen Machthabern geschätzt. Mahler wiederum kommt wegen seiner Vergangenheit als „Vagabund“ – einer alternativen Bewegung der 20er Jahre – und seiner unangepassten Bilder ins Visier der Nazis. 43 Tage „Schutzhaft“ in Leutkirch, danach Ausstellungsverbot. Es hätte viel schlimmer kommen können.

Im Garten des Mahler-Hauses begrüßt am Nachmittag Uwe Gorzalka, Vorsitzender des Förderkreises. Adelgund Mahler spricht kurz über das Thema „im sphärenton“, stellt den Musiker Wolfram Karrer (Reutlingen) vor. Und Ute-Beatrix Schraag, Kunsterzieherin am Salvatorkolleg. Schraag hat das Projekt „Im Fokus“ initiiert, in Zusammenarbeit mit Horst Weisser vom Naturschutzzentrum Wurzacher Ried. 30 Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klassen haben – in Dreiergruppen – eine Leinwand von einem mal einem Meter bekommen, mit einem kreisrunden, großen Loch in der Mitte. Damit haben sie seit Frühlingsbeginn immer wieder denselben Fleck festgehalten. Das Tuch auf den Boden gelegt, die sprießenden Pflanzen dokumentiert. Per Staffelei einen weiten Fokus gewählt, Baumwurzeln, Bäume, Himmel. Oder die Vermüllung an einer bestimmten Bank im Kurpark festgehalten. Diese Fotos mit Beschreibung und eigenen Gedanken dann geheftet, zugänglich gemacht. Adelgund Mahler ist auch involviert Die 30 Mädchen und Jungen haben sie besucht, Bilder von Sepp Mahler nachgezeichnet oder -gemalt.Das einzigartige, bis in den letzten Winkel mit Bildern, Werken, Schriften ihres Vaters gefüllte Kulturdenkmal erlebt. „Ich finde es wichtig, dass die Jugend Mahler kennenlernt“, sagt sie. Wohl war, der Unterstützerkreis ist 40plus, Minimum. Veranstaltungen, Events im Leprosenhaus, wo Mahler geboren ist, wo wichtige Werke hängen, sind rar. Die kleine Stadt und ihr größter Künstler – ein altes, ein heikles Thema.

Davon ist am Sonntag nicht die Rede. Die Menschen erfreuen sich an den Akkordeonklängen von Karrer. Gefällige Weltmusik, eigene Kompositionen. Singen kann er auch, bringt „Im Echo der Zeit“. Klingt nach Sven Regener und „Element of Crime“. Und ist gut.

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