Hermann Leuthner berichtet über die Umsetzung sozialer Hilfen bei der Caritas

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Hermann Leuthner hat als Leiter der Dienstleistung im Fairkauf-Center Weingarten täglich Kontakt mit sozial Benachteiligten und
Hermann Leuthner hat als Leiter der Dienstleistung im Fairkauf-Center Weingarten täglich Kontakt mit sozial Benachteiligten und kümmert sich um deren Bedürfnisse. (Foto: Patricia Gragnato)

Vergangenen Sonntag hat die ökumenische Predigtreihe im Aktionsjahr „Armut und Reichtum – soziale Gerechtigkeit?!“ in der evangelischen Kirche Bad Wurzach ihr Ende genommen. Es sprach Hermann Leuthner, seit über 20 Jahren Mitarbeiter der Caritas Bodensee-Oberschwaben.

Als Leiter der Dienstleistung im Fairkauf-Center Weingarten kommt er täglich mit sozial Benachteiligten und Arbeitslosen in Kontakt, um die sich zu kümmern das Hauptanliegen der Caritas sei. Fairkauf biete Arbeitslosen einen Hoffnungsanker, indem sie wieder einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen können – und das in Respekt und Wertschätzung füreinander.

Erschreckend Leuthners lange Auflistung, welche Gründe nach seiner Erfahrung zu Arbeitslosigkeit führen können. Bei seinen Erzählungen wurde den zahlreichen Gottesdienstbesuchern, darunter auch Bürgermeisterin Alexandra Scherer, deutlich, wie wertvoll es ist, Arbeit zu haben. Auch deren Folgen beschrieb er eindrücklich: Vereinsamung, der Mensch wird in seinem Ich enorm verändert, er fühle sich wertlos und ausgegrenzt. Mit Menschlichkeit habe das nichts zu tun. Leuthner schilderte weitere Notstände in unserer Gesellschaft, angefangen von Rentnern, die sich fällige Reparaturen nicht mehr leisten können, bis hin zu Familien und Alleinerziehenden, die in einer chronischen Sackgasse stecken. „Dabei sind doch Kinder der Schatz unserer Gesellschaft.“ Um seinen Beruf ausüben zu können, so Leuthner, müsse man vor allem den Menschen mögen – ohne Wenn und Aber.

Nachdenklich stimmte die Besucher Leutners Definition von vernünftiger Arbeit: Arbeit, die fördert und nicht zerstört, bei der man seine Fähigkeiten entwickeln kann und man sich nicht verbiegen muss, die würdig entlohnt wird und die nicht ausbrennen lässt, um für andere Profit zu machen. So werde bei Fairkauf Arbeit angesehen. Auch die Nutzung von Ressourcen sei ein wichtiger Punkt. Im Schöpfungsgedanken war sicher nicht vorgesehen, dass es heute nur noch um Produzieren, Kaufen, Wegwerfen gehe. Außerdem sei es wunderbar, strahlende Augen von Kindern und Erwachsenen zu erleben, wenn etwas tolles, günstiges Gebrauchtes erstanden wurde. Zum Abschluss seiner Predigt, die spontanen Beifall hervorrief, bat Leuthner, die Augen offen und das Herz am rechten Fleck zu haben – so wie im Leitspruch der Caritas „Not sehen und handeln“. Pfarrerin Barbara Vollmer dankte ihm und lud alle zu einem Ständerling ein, um mit Leuthner ins Gespräch zu kommen.

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