Ein Jubilar mit bewegter Vergangenheit

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 Geburtstagskind Gerhard Schöttke mit Enkelin Bärbel Nadig, Schwiegersohn Reiner Hofmann (links) und stellvertretender Bürgermei
Geburtstagskind Gerhard Schöttke mit Enkelin Bärbel Nadig, Schwiegersohn Reiner Hofmann (links) und stellvertretender Bürgermeister Klaus Schütt. (Foto: Steffen Lang)
Stellv. Redaktionsleiter/Redakteur Bad Wurzach

Gerhard Schöttke hat am Mittwoch in Bad Wurzach seinen 90. Geburtstag gefeiert. Stellvertretender Bürgermeister Klaus Schütt überbrachte die Grüße der Stadt und des Ministerpräsidenten.

Der Jubilar wurde am 14. März 1929 in Königsberg, Ostpreußen, geboren. Mit seinen Eltern und Geschwistern musste er von dort vor der heranrückenden sowjetischen Roten Armee flüchten. Am 28. Januar 1945 begann die Flucht. „Mit zwei Schlitten liefen wir in der Nacht durch hohen Schnee bis nach Pillau“, erinnert sich Gehard Schöttke. Das sind gut 40 Kilometer. Von Pillau aus ging’s mit dem Schiff nach Gotenhafen bei Danzig.

Die Flucht endete erst in Schleswig-Holstein, wo sich die Familie sechs Jahre in einem Lager für Vertriebene aufhielt. In dieser Zeit lernte Gerhard Schöttke auch seine spätere Frau kennen, die ebenfalls aus Ostpreußen geflüchtet war.

1951 heiratete er. Zwei Töchter und ein Sohn gingen aus der Ehe hervor. Mittlerweile gehören auch Schwiegersöhne und -töchter sowie vier Enkel und vier Urenkel zur Familie. „Das erste Ururenkel ist unterwegs.“

Kurz nach der Hochzeit zog die Familie in ein Vertriebenenlager in Lindau-Zech. „Ein Jahr später sind wir dann nach Bad Wurzach gekommen.“ Hier fand er Arbeit in der Glasfabrik, in der er sich im Laufe der Jahre vom Einträger bis zum Meister hocharbeitete. „Da hat’s mir gut gefallen“, sagt der Jubilar.

Anfangs habe er sich in Bad Wurzach nicht heimisch gefühlt, gibt er zu. Aber der Kinder wegen sei man hier geblieben. Sie sollten nicht wie die Eltern ständig umziehen müssen. Längst habe er aber inzwischen ein Gefühl des Zuhauses entwickelt. „Heute bin ich ein alter Wurzacher“, sagt er. Mit Sohn und Schwiegertochter bewohnt er ein Häuschen in der Banaterstraße. Eine Tochter wohnt nur einige Meter entfernt, die andere hat in Sonthofen eine Heimat gefunden.

Kegeln, Kartenspielen und Gartenarbeit sind früher die Hobbys von Gerhard Schöttke gewesen. Dem Alter geschuldet kann er ihnen heute nicht mehr nachgehen. Aber längere Spaziergänge unternimmt er noch regelmäßig.

„Uns geht’s gut“, blickt der Jubilar an seinem 90. Geburtstag zufrieden auf sein Leben, bevor es zur großen Feier ins TSG-Keglerheim ging. „Ich hatte einen guten Beruf, und die Kinder sind gut geraten.“

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