Ein gelungener Einstand bei der Musikkapelle Seibranz

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 Zum Abschied gab es als Dankeschön ein Präsent (von rechts): Andrea Sailer, Clemens Reich, Stephan Eisenbarth, Agnes Reich und
Zum Abschied gab es als Dankeschön ein Präsent (von rechts): Andrea Sailer, Clemens Reich, Stephan Eisenbarth, Agnes Reich und Helmut Pfänder. (Foto: Christine Hofer-Runst)
Christine Hofer-Runst

Erstmals unter der Leitung von Erich Minsch hat die Musikkapelle Seibranz ihr Neujahrskonzert präsentiert. Das Programm ihres Jahreskonzertes war gespickt mit anspruchsvollen, abwechslungsreichen Liedfolgen und hochklassigen Soloparts der einzelnen Register.

Trotz der kurzen gemeinsamen Probenzeit versprach das Programm eine Reise durch verschiedene Länder und Zeiten. Für die Eröffnung wählte Minsch ein Stück von Jacob de Haan aus. „La Storia“ beinhaltete scharfe und kantige Wechsel in Tempo und Melodie sowie Akzente der Schlagwerker und beeindruckte im Mittelteil mit ausgeprägten Passagen der Hölzer. Die charmante Moderatorin des Abends, Theresa Hierlemann, beschrieb das Stück so: „Es handelt sich nicht um Filmmusik und gedacht hat sich der Komponist auch nichts dabei, aber es ist ein gutes Stück dabei herauskommen“.

„Nabucco“ von Giuseppe Verdi entführte das Publikum nach Verona. Musicalarrangements sind bei den Jahreskonzerten der einzelnen Musikkapellen schon fast Standardprogramm, aber Auszüge einer weltbekannten Oper wurden bislang nur in Seibranz präsentiert. Mit ihrem Dirigenten, der 40 Jahre an der Staatsoper Hannover tätig war, ließe sich das künftig ausbauen.

Ausflug in die Puszta

Beim Ausflug in die ungarische Puszta hatte Melanie Gregg ihren großen Soloauftritt. In „Czardas“ beeindruckte die Klarinettistin durch ihr unglaubliches schnelles und präzises Spiel und verzauberte das Publikum mit dem warmen Klang des Holzes. Die düstere Sage „Dramatic Tales“, die von den Nebeln über dem Todten Moos im Schwarzwald erzählen, wechselte die Stilrichtungen in der Komposition. Etwas Choral, ein bisschen barocke Fuge, Pop- und Rockpassagen gingen in Kirchenmusik über. Mit diesem monumentalen Stück endete der erste Konzertteil.

Nach der Pause verblüfften die Seibranzer Musiker ihr Publikum mit sage und schreibe elf Posaunen. „Jeder, der bei uns jemals Posaune gespielt hat, hat für dieses Stück sein Instrument aus dem Schrank geholt“, erklärte Theresa Hierlemann. Für „76 Trombones“, aus dem Musical „The Musicman“, gaben die Blechbläser eine Kostprobe davon, dass sie nichts verlernt hatten. Genauso beherrschte Elia Angele sein Instrument. Beim „Türkischen Marsch“ von Wolfgang Amadeus Mozart war er der gefeierte Solist am Xylofon.

Überaus gelungen

Für Dirigent Erich Misch und seine Musikanten war es ein überaus gelungener Einstand. Seine konkrete Handschrift verriet er an diesem Abend noch nicht, zu vielseitig war das Programm, aber seine korrekte Genauigkeit im Dirigat war unübersehbar. Dennoch ließ er seine Musiker spielen, gewährte den Solisten die geforderten Zugaben und präsentierte sich mit der ganzen Kapelle als Einheit und als Team. Wenn dieser Zusammenhalt weiter wächst, werden die Zuhörer sicherlich mit erstklassigen Auftritten verwöhnt.

Das Neujahrskonzert bedeutete auch, Abschied zu nehmen; Abschied von einem verdienten Musiker, der seit 1978 aktiv in der Kapelle das Es-Horn spielte. Clemens Reich ging im Sommer in den Musikantenruhestand. Für seine langjährige Treue zur Kapelle und seinen unterstützenden Arbeitstätigkeiten bedankte sich der Vorstand mit einem Vesperkorb und Blumen für seine Frau.

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